Schönebeck l Wie trotz zuweilen zwangsweise geschlossenem Restaurant, Dienstleistungsbetrieb oder Ladengeschäft in der Corona-Krise überleben? Diese Frage hatte sich auch René Wölfer, Geschäftsführer des Restaurants Weltrad in Schönebeck, gestellt und Ende März kurzerhand eine Internetseite ins Leben gerufen (Volksstimme berichtete). Nicht nur um seinem Restaurant zu helfen, sondern auch anderen Läden in der Region die Möglichkeit zu geben, trotz Krise Einnahmen zu generieren. Und zwar durch Gutschein-Verkäufe. Betreiber konnten sich auf der Internetseite www.schoenebeck.jetzt selbst registrieren.

Und das haben einige auch getan. „24 Unternehmen haben sich angemeldet“, berichtet René Wölfer, der für die SPD im Schönebecker Stadtrat sitzt. Zwar habe er keinen Einblick in die detaillierten Abrechnungen der einzelnen Betreiber, die sich seit Gründung der Internetseite registriert haben, aber: „Ich habe nur von vielen gehört, dass sie durchaus Gutscheine verkauft haben. Das hat dann, wenn auch nur im Kleinen, geholfen“, sagt er. Seit Montag dürfen einige dieser Geschäfte wieder öffnen, über die Internetseite erworbene Gutscheine können eingelöst werden.

Weitere Website

Was sein Restaurant Weltrad angeht, berichtet René Wölfer: „Wir haben zusätzlich zu der gesamten Aktionsseite noch eine extra Gutschein-Internetseite gebaut. Auf die haben wir in unseren Ostergrüßen und in unseren aktuellen Social-Media-Posts verwiesen. Das hat sich schon bemerkbar gemacht. Da gab es ein tolles Feedback. Teilweise wurden ausgefallene Ostermenü-Essen von langjährigen Gästen des Hauses einfach trotzdem ‚im Voraus‘ bezahlt.“

Die sollen dann nachgeholt werden, sobald auch Restaurants wieder für Vor-Ort-Besucher öffnen dürfen. Liefer- und Abhol-Bestellungen dürfen Restaurants aber trotz der Krise entgegennehmen.

Anspruch auf Gegenwert

Doch was passiert, wenn ein Gutschein gekauft wurde, aber nicht mehr eingelöst werden kann, weil ein Geschäft pleite gegangen ist? Dazu erklärt René Wölfer: „Also, erst einmal dient die ganze Aktion ja dazu, dass eben das nicht passiert. Es soll ein kleiner Beitrag dazu geliefert werden, eben nicht die Tür für immer zu schließen.“ In der Theorie haben Gutschein-Käufer das Recht auf einen bestimmten Gegenwert oder eine entsprechende Leistung erworben. „Damit haben sie dann, wenn das Geschäft pleite ist, auch ein Anrecht auf Beteiligung an der Insolvenzmasse. Sie reichen ihren Anspruch – den Wert des Gutscheins – also beim Insolvenzverwalter ein und warten auf den Abschluss des Insolvenzverfahrens. Aus der Insolvenzmasse wird dann ermittelt, wie hoch ihr Anteil am allgemeinen Interessensausgleich sein wird“, erklärt René Wölfer das Vorgehen.

Doch dazu soll es in der Praxis natürlich erst gar nicht kommen. Der Restaurantbetreiber und Stadtrat findet: „Ich finde, Politik und Wirtschaft unternehmen im Moment einen enormen Aufwand, um genau aber diese Fälle zu verhindern. Das geht nicht von heute auf morgen. Es wird auch nicht jeden retten. Aber es sollte in jeder Minute alles Erdenkliche unternommen werden.“

Hilfe auf kurzem Weg

Mittlerweile bietet die Internetseite aber nicht nur die Möglichkeit, Gutscheine über diese zu verkaufen, sondern auch individuelle Hilfe. Unter der Frage „Sie haben eine Frage?“ bietet René Wölfer zusammen mit „Freunden“ Hilfe zur Kommunalpolitik, zu Unternehmenskommunikation und zu Fördermöglichkeiten an. Dazu schreibt die Gruppe: „Wir sind ein Netzwerk aus Wirtschaft, Politik und Kommunikationsexperten. Wir helfen gern weiter. Auf kurzen Wegen versorgen wir Sie mit Ansprechpartnern in unserer Region!“

Wer hinter diesem „wir“ steckt, ist allerdings nicht bekannt. René Wölfer sagt: „Wer die Freunde sind, wird später verraten.“ Hilfe konnte die Gruppe aber bereits leisten: „Irgendwer musste und sollte ja diese Seite bauen. Das passierte ein bisschen aus dem Kalten und nebenbei. Da sitzen ein paar Leute nunmehr in einem Video-Konferenzraum und spinnen ein bisschen rum. Allesamt haben die ein enormes Kommunikationspotenzial. Ein Netzwerk kann wirken. Wir haben hier an dieser Stelle in fünf oder sechs konkreten Fragen ganz einfache Hilfe leisten können. Vom Weiterreichen einer Telefonnummer bis hin zu einer komplizierten Antragssituation bei den Corona-Soforthilfen. Das Geld ist mittlerweile auf dem Konto – also gehe ich davon aus, dass es gut war, Hilfe angeboten zu haben.“

Keine Konkurrenz

Er betont aber: „Dieser Button versteht sich nicht als Unternehmen. Es ist keine Konkurrenz zu bestehenden Unternehmen. Ich bekomme kein Geld dafür. Erst recht möchte ich es nicht als Gegenangebot zum Rathaus und seiner Wirtschaftsförderung verstehen. Eher im Gegenteil: Gemeinsam und im Miteinander Agieren kann sich geholfen werden. Kommunikation hochhalten. Alle Register aus allen Netzwerken ziehen. Dann kann es vorangehen. Das habe ich in den letzten Tagen und auch überhaupt gemerkt.“