Schönebeck l In Zeiten von Corona sind Mundschutze heiß begehrt – auch abseits der Berufe, in denen sie vorgeschrieben sind. Das weiß auch die Schönebeckerin Susann Hidalgo Hernandez. An der Schönebecker Friedrichstraße betreibt die 30-Jährige einen Stoff- und Kurzwarenladen, darf diesen zur Zeit nicht öffnen, möchte aber dennoch helfen. Deshalb hat sie im sozialen Netzwerk Facebook angeboten, Mundschutze zu nähen, um Tröpfcheninfektionen zu vermeiden – für Personen, die „aus beruflichen Gründen einen genähten Mundschutz“ brauchen.

Eigentlich trennt die 30-Jährige Arbeit und Privates strikt. Doch das ist zur Zeit kaum möglich, weshalb aus dem heimischen Ankleidezimmer mittlerweile ihr Nähzimmer geworden ist. Und in diesem macht sie aus Baumwollstoffen aktuell vor allem Mundschutze, betreut gemeinsam mit ihrem Mann Daniel, wenn dieser gerade nicht arbeiten ist, die drei Jungs: zwei, acht und zwölf Jahren alt.

Idee durch andere Kollegen

Wie sie auf die Idee gekommen ist Mundschutze zu nähen? „Seit dem ersten Coronafall in Deutschland sind in vielen Sozialmediabeiträgen immer wieder diese Masken aufgetaucht. Wirklich interessant wurden sie für mich aber erst, als ich von Kollegen aus verschiedensten Ecken in Deutschland gehört habe, dass zum Beispiel Krankenhäuser und Zahnärzte bei ihnen angefragt haben wegen dieser Masken“, berichtet die 30-Jährige.

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Unter den Kunden ihres Ladens seien auch einige Pflegekräfte, die sich bereits Masken selber nähen würden, „weil auf ihren Arbeitsstellen keine mehr da sind“, sagt die Schönebeckerin und als diese dazu einen Post auf Facebook geschrieben hätten, hätten Verkäuferinnen kommentiert, dass sie auch welche bräuchten.

Munschutze zum Materialkostenpreis

„Das war der Zeitpunkt an dem ich dachte: ‚Da kann ich helfen.‘ Pflegepersonal, Verkäufer und alle im Bereich Spedition sind im Moment die wichtigsten Menschen in unserem Leben. Sie müssen die sein, die als letztes noch stehen“, ist Susann Hidalgo Hernandez überzeugt, hat für einen Zahnarzt und den Einzelhandel bereits einige Mundschutze genäht.

Kostenpunkt für die waschbaren Masken aus Baumwolle: fünf Euro. Inklusive Arbeitsaufwand würden die Masken je nach Material aber eigentlich 10 bis 15 Euro kosten. „Verschenken kann ich die Masken leider nicht. Dennoch möchte ich helfen, so gut ich kann, daher gebe ich die Masken für den reinen Material-/Nebenkostenpreis von fünf Euro brutto ab. Ich verdiene daran also nichts“, erklärt die Schönebeckerin.

Angst um die eigene Existenz

Auch sie leide unter der derzeitigen Situation, habe Umsatzeinbußen, die ihre noch junge Selbstständigkeit ruinieren könnte. Zwar hat Susann Hidalgo Hernandez keine Ausbildung als Schneiderin, ist gelernte Notarfachangestellte, hat Handarbeiten aber schon als Jugendliche gemacht.

„Es war viele Jahre mein Traum, einen Stoffladen zu eröffnen. Alles was ich kann habe ich autodidaktisch gelernt“, berichtet sie. Den kleinen Laden hatte sie Anfang Dezember 2018 eröffnet. Auch wegen Schul- und Kitaschließung in der vergangenen Woche musste sie ihn jedoch vorübergehend schließen.

Onlineshop läuft weiter

Doch Susann Hidalgo Hernandez macht weiter, konzentriert sich zur Zeit auf Bestellungen, die über ihren Onlineshop eingehen. Denn den betreibt sie weiterhin, liefert die Waren im Umkreis von 15 Kilometern in den Abendstunden aus.

„In dem Laden stecken alle Ersparnisse meiner Familie und nach einem Jahr konnte ich leider noch keine Reserven aufbauen. Für mich geht es in dieser Zeit also tatsächlich um meine Existenz. Nehmen die Kunden meinen Lieferservice an, kann ich meine Rechnungen bezahlen, aber geht das nicht, heißt es Schulden, den Laden schließen und Bewerbungen schreiben. Das würde mir das Herz brechen“, sagt die Schönebeckerin.

Alltag zwischen Nähen und Betreuung

Was den Alltag ihrer Familie angeht berichtet sie: „Im Moment sind die Tage straff durchorganisiert. Mein Mann ist eine große Stütze, aber auch meine großen Jungs sind super. Hier passt jeder auf jeden auf und alle auf den Kleinsten.“

Bestellungen, ob Mundschutz oder Ware aus dem Laden, nimmt Susann Hidalgo Hernandez per WhatsApp an (03928) 763 92 93 entgegen. In ihrem Onlineshop nimmt sie auch Warenbestellungen entgegen.