Pömmelte l Das Ringheiligtum ist seit seiner feierlichen Wiedereröffnung im Juni 2016 nicht nur zu einem kulturtouristischen Leuchtturm in der Region geworden, sondern steht auch weiterhin im Interesse archäologischer Forschungen.

„Wenn wir Stonehenge anschauen, hat das genau den gleichen Durchmesser und Struktur. Nur dort kann man nichts mehr ausgraben“, sagt Harald Meller, erster Archäologe des Landes Sachsen-Anhalt. Der berühmte „Retter der Himmelsscheibe“ fügt lakonisch an, dass in England „seit dem 18. Jahrhundert alles umgewühlt ist“, bei Pömmelte noch nicht. Die Grabungen sollen im Frühjahr fortgesetzt werden, bestätigte Franziska Knoll von der Martin-Luther-Universität Halle. Sie ist dort für die prähistorische Archäologie zuständig.

Pömmelte und Stonehenge nennt Meller gern in einem Atemzuge, weil man im Vergleich beider Anlagen die Frühgeschichte Europas viel besser verstehen könne. „Ausgerechnet in Zeiten des Brexit ist das absurd: Damals war Kontinentaleuropa mit der britischen Insel viel enger verbunden als heute“, winkt Harald Meller ab.

Erfolgreiche Grabungen 2019

Auf die Grabungsergebnisse vom Sommer 2019 angesprochen faltet Franziska Knoll eine Karte auf. Im Umfeld der Kreisgrabenanlage gruben die Archäologen 30 stein- und bronzezeitliche Langhäuser aus. Zum Teil erinnern neu gesetzte Holzpfosten und weißes Glasgranulat an deren Standorte. Die Gebäude hatten Grundflächen von rund 350 Quadratmetern. Es sind ungewöhnlich viele Häuser. Die Archäologen schätzen ein, dass es sich um eine der größten (bisher bekannten) Siedlungen Europas handelt, die es in der frühen Bronzezeit gab.

Schon allein dieser Superlativ motiviert zu weiteren Grabungen. Harald Meller zeigt auf der Karte einen Weg zum zweiten Ringheiligtum, das nördlich von Zackmünde in Richtung Schönebeck liegt. „Sie sehen an den roten Punkten, dass rechts und links der Straße Gräber liegen. Vielleicht ist das ein Prozessionsweg.“ Grabungen sollen diese Vermutung ab April erhellen. Die Konstellation sei vergleichbar mit den beiden Heiligtümern in Stonehenge, die ebenfalls mit einer Prozessionsstraße verbunden waren.

Auch Grabungen am zweiten Heiligtum

Meller und Knoll fingern bei kaltem Wind eine weitere Karte aus der Tasche, die die Höhen der Landschaft in unterschiedlichen Farben darstellt. Die Rede ist von einer „Talsandinsel“, auf der die Heiligtümer wie auch die Siedlungen errichtet wurden. Die prähistorischen Erbauer haben sich inmitten Flussaue einen erhöhten Platz gesucht, der zwei, drei Meter über dem sonstigen Niveau liegt. Was man mittels Höhenmesser oder einem wachen Auge noch heute leicht feststellen kann. Die Karte zeigt auch den veränderten Verlauf der Elbe, die damals sehr viel weiter westlich floss. Von Juli bis September soll dann im zweiten Heiligtum (Schönebeck) gegraben werden.

Was man bis jetzt weiß: Das Heiligtum Pömmelte wurde um 2050 vor Christus aufgegeben und rituell abgebrannt. Zuvor zog man die Eichenholzpfähle (heute Robinie) aus den Löchern und füllte diese mit Opfergaben. Spuren des gewaltigen Feuers und dessen Asche konnten die Archäologen nachweisen. Vor diesem rituellen Brand wurde das Heiligtum Schönebeck parallel dazu aufgebaut. „Beide überlappen etwa hundert Jahre“, sagt Harald Meller. Derweil im Ringheiligtum Pömmelte Tier- und Menschenopfer nachgewiesen werden konnten, war das in „Schönebeck“, also der Nachfolge-Anlage, nicht mehr der Fall. Hier wurde vor Jahren bereits ein Teil ausgegraben und wieder verfüllt. Meller dazu: „Die Religion und das Verhalten der Menschen hatten sich verändert.“

Bund beschließt zusätzliche Ausgaben

Kulturstaatssekretär Gunnar Schellenberger hatte Johannes Kahrs, SPD-Chefhaushälter der Bundesregierung, mit dem er in der Mitteldeutschen Schlösser- und Gärtenstiftung schon einige Zeit zusammen arbeitet, eingeladen das Ringheiligtum zu besuchen. Insgesamt wurden im Bereich der Kulturförderung vom Bund zusätzliche Ausgaben in Höhe von insgesamt rund 803 Millionen Euro beschlossen. Davon sollen 73 Millionen Euro bereits 2020 verausgabt werden.

Wovon auch die Himmelswege profitieren, zu denen das Ringheiligtum gehört. Laut Kahrs gehören Sachsen-Anhalt und Thüringen zu jenen Bundesländern, in denen das deutsche Erbe liegt. „Hier findet man all das, was man alleine bei der Wirtschaftskraft nicht unterhalten kann“, so der Hamburger SPD-Abgeordnete. Freilich wird in diesem Jahr ein Besucherzentrum am Rand der Kreisgrabenanlage mit Informationszentrum und Sanitäranlagen gebaut. Neben dieser Investition dürfe man die Betriebskosten nicht aus den Augen verlieren, so Kahrs. Dafür wurde die Mitteldeutsche Schlösser- und Gärtenstiftung mit einem ersten Sanierungsprogramm gegründet und ausgestattet. Das soll vor allem ruinösen Denkmalen helfen, die es in Mitteldeutschland nicht wenige gibt.

Bund und Länder teilen sich jährlich 60 Millionen Euro für die Unterhaltung von Denkmalen und Anlagen, wie die bei Pömmelte. (Thüringen und Sachsen-Anhalt stellen die Komplementärfinanzierung zu jeweils 15 Millionen Euro sicher.) „Damit kann man die deutsche Kultur erhalten und man tut was für Handwerk, Tourismus und für die Wirtschaft“, unterstreicht der SPD-Chefhaushälter.