Vierte Corona-Welle

Der Salzlandkreis speist in einem neuen Warnstufen-Modell alle Daten aus den Krankenhäusern ein

Die Inzidenzen steigen, eine vierte Corona-Welle wird erwartet. Damit das Gesundheitssystem leistungsfähig bleibt, handeln Salzlandkreis und Kliniken jetzt nach einem Warnstufen-Modell.

Von Franziska Richter 03.10.2021, 15:18 • Aktualisiert: 03.10.2021, 15:22
Ab 11. Oktober werden alle neuen relevanten Daten auf dem leicht veränderten Dashboard des Salzlandkreises veröffentlicht. Das erklärte der Landrat Markus Bauer (links) am Freitag bei einer Pressekonferenz.
Ab 11. Oktober werden alle neuen relevanten Daten auf dem leicht veränderten Dashboard des Salzlandkreises veröffentlicht. Das erklärte der Landrat Markus Bauer (links) am Freitag bei einer Pressekonferenz. Foto: Richter

Staßfurt/Schönebeck - „Es geht jetzt um das Aufrechterhalten des Gesundheitssystems im Salzlandkreis“, sagte Landrat Markus Bauer (SPD) auf einer Pressekonferenz am Freitag. Eine vierte Corona-Welle deutet sich für den Herbst an.

Weil neuerdings neben den Infektionszahlen auch die Hospitalisierungsinzidenz und Intensivbettenbelegung in die Bewertung der Lage hineinspielen, gab es ein Strategiegespräch mit allen Krankenhäusern des Salzlandkreises. Diese werden dem Salzlandkreis ab sofort ihre Quoten an behandelten Covid-19-Patienten sowie deren Anteil auf den Intensivstationen zuarbeiten. Auch die Lage in den Nachbarkreisen wird einbezogen.

Derzeit befindet sich der Salzlandkreis noch in der Warnstufe 0. Es werden zwar wieder Corona-Patienten in den Krankenhäusern des Salzlandkreises behandelt, jedoch noch keine auf den Intensivstationen. Die Kliniken seien aktuell „nicht stark belastet“, so Bauer. Eine Vorhaltesystem für Corona-Fälle in Kliniken gibt es übrigens nicht mehr.

Die Kliniken spiegeln uns wider, dass vor allem Ungeimpfte von schweren Krankheitsverläufen betroffen sind

Landrat Markus Bauer (SPD)

„Die Kliniken spiegeln uns wider, dass vor allem Ungeimpfte von schweren Krankheitsverläufen bei Corona betroffen sind“, sagte Bauer. „Es darf nicht dazu kommen, dass dann für Patienten, die zum Beispiel einen Unfall hatten, kein Platz mehr ist.“

Die Landesregierung hat neuerdings den Landkreisen den Ball zugespielt. Sie sollen eigene Rechtsverordnungen bei neuen Corona-Lagen treffen (14. Eindämmungsverordnung). Daher hat der Salzlandkreis jetzt ein eigenes Modell, ein „Schutzkonzept“, mit vier Warnstufen entworfen. Ziel ist es immer, durch alle möglichen Maßnahmen und Restriktion eine steigende Ansteckungsrate und somit einen harten Lockdown zu verhindern.

Überschreiten mindestens zwei der Indikatoren in dem Modell die Schwellenwerte an drei aufeinander folgenden Tagen, muss mit einer neuen Verordnung gerechnet werden. Je höher die Warnstufe, desto mehr Einschränkungen kann der Landrat per Verfügung erlassen.

Jede Warnstufe listet mehrere Maßnahmen in 15 Lebensbereichen auf. Beispiele: Ab Warnstufe 2 sollen in Pflegeheimen weniger Besucher zugelassen werden. Bars und Clubs sollen ab Warnstufe 3 schließen. Zusammenkünfte mit über 100 Personen könnten ab Warnstufe 3 verboten werden. Firmen sollten ab Warnstufe 2 Homeoffice einführen.

Bei jeder neuen Warnstufe folgt eine neue Mitteilung samt neuer Allgemeinverfügung

Bei jedem Wechsel in eine andere Warnstufe wird die Bevölkerung noch mal eigens informiert. „Es werden jeweils konkrete Allgemeinverfügungen erlassen, die alle Maßnahmen auflisten“, sagte Thomas Michling, Fachbereichsleiter Gesundheit. Wichtig: Der Maßnahmekatalog ist nicht in Stein gemeißelt. „Die Kreisverwaltung kann nach ihrem Ermessen Entscheidungen treffen“, so Michling.

Das heißt, es wird auch immer abgewägt. Impfquoten und Bettenauslastung können eine Rolle spielen. Auch, ob hohe Infektionswerte von einem lokalen Hotspot herrühren oder sich der Virus diffus ausbreitet oder ob eine bestimmte Altersklasse betroffen ist.

Neuer Umgang mit Quarantäne und Kontaktpersonen

Infektionszahlen und die Kontaktverfolgung durch das Gesundheitsamt des Salzlandkreises blieben weiterhin ein Baustein. Neuerdings werden aber Kontaktpersonen nicht mehr pauschal in häusliche Quarantäne geschickt. Vielmehr werde mit Blick auf den Betrieb von Kitas, Schulen und Firmen geprüft, ob die in Frage kommenden Kontaktpersonen intensiven Kontakt hatten und geimpft sind. „Wir wollen die Einschränkungen so gering wie möglich halten“, so Michling.

Die aktuelle Warnstufe 0 bedeute übrigens nicht, dass es gar keinen Schutz gibt, wie Michling erläuterte: „Das Tragen von Masken in Innenbereichen und der Mindestabstand sind bereits Maßnahmen, die wir heute alle praktizieren und die uns einen hohen Schutzstatus garantieren.“

Landrat Bauer betonte, dass der vorsichtige Umgang miteinander allemal besser sei als Restriktionen. „Daher auch mein nochmaliger Appell, sich impfen zu lassen“, sagte der Landkreischef. Ungeimpfte müssen nach Bundesvorgaben ab 11. Oktober für Tests zahlen und bei einer behördlich angeordneten Quarantäne gibt es keinen Anspruch mehr auf Lohnfortzahlung.

Alle Daten inklusive Hospitalisierungsinzidenz und Intensivbettenbelegung sind ab 11. Oktober auf dem Dashboard über www.salzlandkreis.de.