Zuchau l „Wer sich immer noch fragt, weshalb der 300-Seelen-Ort Zuchau eine Partnerschaft mit einer Gemeinde in 3956 Kilometern Entfernung anstrebt, spürt jetzt die Antwort: Sie lautet: Die Welt ist ein Dorf!“, begrüßte Ortsbürgermeister und Motor der Partnerschaft, Jörn Weinert, am Sonnabend die Anwesenden in der Laurentiuskirche. Denn in der Welt des Dorfes kenne man den anderen.

Bereits am Vorabend sorgte ein deutsch-armenisches Mitmach-Konzert für ein volles Dorfgemeinschaftshaus. Weinert bedankte sich bei den Zuchauern Viola Otto und Friedrich Becker, dass sie gemeinsam mit vielen Helfern aus der Kirchengemeinde diesen unvergesslichen Abend auf die Beine stellten. Viola Otto war es dann auch, die mit einem Flötenstück von Clemens Bittlinger die Gäste tags darauf in der Kirche begrüßte.

Rückblick

Der Germanist Weinert machte einen Ausflug in die Geschichte des Dorfes: „Wer hätte gedacht, dass bereits 700 Jahre nach den Armeniern die meisten Zuchauer das Christentum annahmen.“ Bis dahin waren sie in der Gegend von Weideplatz zu Weideplatz gezogen. Jetzt wurde das Land vermessen, und um das Jahr 978 gab es hier etwas, das man als Dorf ansehen konnte, feste Höfe, die sich um eine Quelle gruppierten, eigene Ackerflächen, übrigens mit besten Bodenwerten, von denen man sich ernährte. Als bäuerlich lebende Christen schwankten die Nachfahren von acht sächsischen und 12 sorbischen Gründervätern und -müttern von nun an zwischen gesundem Egoismus und dem Dasein für die Dorfgemeinschaft, 1000 Jahre im Schweiße ihres Angesichts zwischen Einzelunternehmung und Kolchose.

Bilder

„Um ihre Fähigkeit zur Selbsterhaltung in diesem Miteinander zu symbolisieren, errichteten sie zuerst das Dorfgemeinschaftshaus, in dem wir uns gerade befinden“, so Weinert augenzwinkernd zur Kirche. Zur Gegenwart mahnte der ehrenamtliche Ortsbürgermeister: „Nehmt uns ernst und respektiert uns in unseren Dörfern wie wir sind. Auch wenn es seltsam ist, dass die Sonne sich dort um uns dreht.“

Würdigung

Botschafter Aschot Smbat­jan würdigte das Wirken der Luther-Universität Halle und der Zuchauer Bürger beim Zusammenkommen der Partnerschaft. Zudem habe Sachsen-Anhalt als einziges Bundesland die kulturelle Zusammenarbeit der Länder Armenien und Deutschland übernommen.

Armen Movsisyan, Bürgermeister der Partnergemeinde, überreichte eine Steintafel. Darin wird zweisprachig der „Nachwelt“ erklärt, was es mit dem ersten armenischen Erdbackofen Sachsen-Anhalts auf sich hat, der im vergangenen Jahr auf dem Dorfplatz eingeweiht wurde.