Tierschutz, was ist das überhaupt?

Tierschutz bedeutet den individuellen Schutz eines jeden Tieres, heißt es in der Beschreibung des Landes Sachsen-Anhalt.

Gleichgültig ist hierbei, ob es sich um wild- oder in menschlicher Obhut lebende Tiere handelt.

Es geht dabei um artgerechte Haltung, den Schutz der Tiere beim Transport und bei der Schlachtung sowie den besonderen Schutz zu Brut- und Setzzeiten.

Weiter sind wichtige Stützpfeiler des Tierschutzes die vielen ehrenamtlichen Vereine und Organisationen.

Die Mehrzahl dieser Vereine gehört dem Dachverband des Deutschen Tierschutzbundes an und betreiben Tierheime, Tieraufnahmestationen oder auch Tierpansionen.

Während Krankheit und Urlaub können Tiere in diesen Tierpensionen untergebracht werden. Somit sollen illegale Aussetzungen verhindert werden.

Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt Tierschutzprojekte in finanzieller Hinsicht.

Anträge zur Förderung können beim Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Referat 65 „Tierschutz“ gefunden werden.

Beschwerden zu Missständen können im Ministerium oder bei Tierschutzorganisationen abgegeben werden. (eb)

Eickendorf l Auf dem Hof von Vanessa Michalski-Waga und Marlyn Waga ist einiges los. Hunde bellen vorfreudig, die Vögel zwitschern und zwischendrin stapft ein Hund im Rollstuhl auf der Terrasse. Zu Besuch sind heute auch Christian Wegener und Jessica Strempel-Wegener. Die beiden sind die Vorreiter im Dorf, wenn es um den Tierschutz geht. Doch die Tiere sollen im besten Fall an einen neuen Besitzer weiter vermittelt werden. „Wir prüfen im Vorfeld ganz genau, wie die Verhältnisse von den Tier-Interessenten sind“, erklärt Marlyn Waga. Jessica Strempel-Wegener ergänzt: „Es muss einfach passen. Wenn wir das Gefühl haben, dass es dem Tier dort dann nicht besser gehen wird, vermitteln wir ihn woanders hin.“

Das klingt erstmal hart. Trotzdem hat dies einen Grund. Fast alle Tiere haben in ihrer Vergangenheit Misshandlungen und andere Grausamkeiten erlebt. Das geht genauso wie bei Menschen nicht spurlos an den Tieren vorbei. Verhaltens-auffälligkeiten können daher aufkommen. „Deswegen sollte der neue Besitzer der Tiere auch möglichst Erfahrung mitbringen“, weiß Christian Wegener.

Keine Erziehung

Aber nicht nur Misshandlungen können ein Problem darstellen. „Der Pflegehund Lizzy zum Beispiel hat kaum Erziehung genossen bei ihren vorherigen Besitzer. Da ist es natürlich umso schwerer, jetzt dem Tier bestimmte Regeln zu verdeutlichen und anzutrainieren“, erklären die Tierschützer. Menschen akzeptiere die Hundedame zwar, jedoch keine anderen Hunde an ihrer Seite. „Da gibt es oft Streit unter den Tieren, den wir unterbinden müssen.“

Bilder

Dennoch sind alle vier Eickendorfer Tierschützer einig, sollten Interessenten nicht abgeschreckt von den Tieren sein. „Wir helfen jedem und schauen gemeinsam, ob vom Grundstück, von dem Lebensalltag und von der eigenen Persönlichkeit es Sinn macht, ein Tier zu übernehmen.“

Wenn ein Tier vermittelt wurde, hört die Fürsorge der Tierschützer aber nicht gleich auf. „Wir stehen mit Rat und Tat zur Seite und unterstützen den neuen Besitzer. Dass alles von Anfang an klappt, ist unwahrscheinlich. In den Nachkontrollen bemerkten wir ab und an gewisse Dinge, die wir gemeinsam mit dem neuen Besitzer dann besprechen und verbessern“, so Jessica Strempel-Wegener. Dies diene nicht nur dem Wohl des Tieres, sondern auch des Menschen. „Dadurch hat der neue Besitzer auch weniger Stress im Alltag mit den Tieren.“

Schafe und Minischweine

Aber nicht nur alltägliche Haustiere wie Hunde, Katzen, Vögel, Meerschweinchen und Hamster leben auf den beiden Grundstücken der Eickendorfer Tierfreunde. Auch Schafe und sogar ein Minischwein sind zum Beispiel auf dem Hof von Vanessa Michalski-Waga und Marlyn Waga beheimatet.

„Das Minischwein wurde damals von dem Vorbesitzer gekauft und wurde immer größer und größer“, weiß Marlyn Waga zu berichten. „Wir haben es zu uns zu den Schafen auf das Grundstück geholt. Hier genießt es nun das Leben“, meint er weiter. „Den Schafen war es anfangs nicht so recht. Sie reagierten scheu auf den neuen Mitbewohner“, erklärt Vanessa Michalski-Waga. „Aber mittlerweile haben die beiden Tierarten sich miteinander vertraut gemacht und leben Seite an Seite.“

Angst vor der Schlachtung muss das Minischwein auch nicht haben. „Als wir es damals bekommen haben, hatte wir schon mehrere Pflegetiere. Aber wir dachten uns, das passt auch noch hierher“, erklärt Marlyn Waga. „Man hat ja auch Mitleid mit den Tieren. Die können für ihre Situation nichts.“

Seit der Kindheit

Seit einigen Jahren sind die vier im regionalen Tierschutzverein eine feste Größe. Am längsten mit dabei ist Jessica Strempel-Wegener. Auch schon vor dem Verein bin ich seit meiner Kindheit im Tierschutz aktiv“, weiß sie zu berichten.

Sie und ihr Ehemann Christian Wegener betreiben neben dem Tierschutz noch eine Hundepension in der Bördeortschaft Eickendorf. Dort werden Tiere gerade während der Ferienzeit zeitweise einquartiert und können dann nach dem Urlaub wieder abgeholt werden. „Man hört ja von einigen Stellen, wo regelmäßig Tiere an Autobahnraststätten einfach angeleint und dagelassen werden“, so Jessica Strempel-Wegener. „Dem wollten wir vorbeugen“, ergänzt Christian Wegener.

Doch was sind eigentlich die Aufgaben der Tierschützer? „Wir bekommen oft Tipps von Nachbarn oder von überforderten Besitzern selbst und schauen uns die Situation vor Ort erst einmal an“, so die Tierschützer. Danach wird entschieden, ob die Tiere gefährdet sind und ob das Veterinäramt mit einschalten muss.

Weitervermittlung

„Falls das oder die Tiere gefährdet sein sollten, kommen sie in verschiedene Auffangstationen wie Tierheime oder eben zu uns“, erklären sie. Dort werden die Tiere dann gepflegt, erzogen und zur Weitervermittlung vorbereitet. „Das ist die Theorie“, meint Jessica Strempel-Wegener. „In der Praxis gibt es auch Tiere, die nur schwer wieder vermittelt werden können.“

Der geh-behinderte Hund Knut ist so ein Fall. Nach Spendenaufrufen konnten Operationen und ein Spezial-Rollstuhl gekauft werden. Nun lebt Knut auf dem Hof von Familie Waga. „Die Behinderung schreckt natürlich einige ab“, erklären die beiden. Die durchschnittliche Vermittlungszeit sei zwischen acht und zwölf Monaten, so die Tierschützer. Ausreißer nach oben und unten gibt es sicherlich auch.

Eine politische Diskussion streben die vier eigentlich nicht an. „Wir handeln und helfen. Die Politik muss aber über Veränderungen wie den Hundeführerschein oder den Kofferraumverkäufen von Hinterhofzüchtern nachdenken“, fordern sie. Auch fordern sie ein Umdenken innerhalb der Bevölkerung selbst. „Tiere sollten keine unerwarteten Geschenke zum Geburtstag oder als Entschuldigung sein“, sind sich die vier Eickendorfer Tierschützer einig. „Die Entscheidung, sich ein Tier nach Hause zu holen, sollte wohl überlegt sein und nicht aus dem Bauch heraus erfolgen.“

Tierpatenschaften

Wer die Tierschützer unterstützen möchte, kann dies unter anderem in Form einer Tierpatenschaft tun. Hier werden nicht nur Geldbeträge gern gesehen, sondern auch einfache Gassi-Gänge können schon helfen. Zudem findet jeweils am ersten Sonnabend im Monat ein Flohmarkt auf dem Gelände hinter der Tankstelle „Greenline“ in Schönebeck zugunsten des Tierschutzverein Salzlandkreis statt.