Großmühlingen l Die Schubladen sind aufgerissen und der Inhalt – Papier, Notizzettel, Stifte – sind auf dem gesamten Boden verteilt. Mitten im Chaos steht Schulleiterin Helga Frenzel – die Fassungslosigkeit steht ihr noch immer ins Gesicht geschrieben. Denn vor wenigen Stunden sind Einbrecher in die Schule eingedrungen – und haben das Gebäude komplett verwüstet hinterlassen.

Dass etwas nicht stimmt, bemerkt der Hausmeister der Grundschule, der mit Namen nicht in der Zeitung erscheinen möchte, gegen 6 Uhr morgens. Er berichtet: „Die Eingangstür zur Schule war nicht wie sonst verschlossen, sondern nur angelehnt.“ Sofort alarmiert der Mann die Polizei.

Mit Stein Scheibe zerstört

Wenig später erreichen Einsatzkräfte der Schutz- und Kriminalpolizei den Tatort. „Die Schutzpolizei durchsuchte zunächst die Räume, unter anderem um sicherzustellen, dass die Diebe nicht mehr im Gebäude waren“, so ein Sprecher der Polizei des Salzlandkreises. Danach sicherte die Kripo die Spuren. „Dass der Hausmeister die Schule nicht selbst betreten, sondern gleich die Polizei gerufen hat, ist auf jeden Fall goldrichtig“, so der Sprecher weiter.

Bilder

Nach ersten Ermittlungen geht die Polizei davon aus, dass die Einbrecher über ein Fenster, das an ein ruhiges Gartenstück angrenzt, in die Schule gelangt sind. „Die Täter hatten einen Ziegelstein genommen und durch die Fensterscheibe geworfen – danach konnten sie das Fenster von innen öffnen“, vermutet auch der Hausmeister, während er die Glasscherben vom Boden kehrt. Heraus sind die Einbrecher dann vermutlich durch die Haupteingangstür gegangen, die sich von innen immer öffnen lässt. In der Eile haben sie diese dann vermutlich nicht vollkommen geschlossen – deshalb die halb geöffnete Tür, die der Hausmeister in den frühen Morgenstunden vorfindet.

Kinder weinen

Mit den Aufräumarbeiten ist das Personal den ganzen gestrigen Tag beschäftigt. Und das, obwohl es teilweise schwer fällt, die Verwüstung, die die Täter hinterlassen haben, überhaupt anzuschauen, geschweige denn anzufassen. „Ich habe noch immer Gänsehaut und finde es noch immer eklig, die Möbelstücke oder Türen, an denen die Einbrecher sich zu schaffen gemacht haben, zu berühren“, sagt eine Lehrerin. Emotional reagiert haben auch die Kinder am frühen Morgen, als sie von dem Einbruch erfahren haben. „Viele haben geweint – es war schon alles sehr emotional“, so Helga Frenzel. Die Kinder wurden daraufhin betreut, bis sie von Eltern abgeholt wurden.

Wie hoch genau der Schaden ist, den die Täter in der Schule angerichtet haben, lässt sich gestern noch nicht sagen. „Sicher ist jedenfalls, dass so schnell wie möglich die Fenster und die kaputten Türen repariert werden müssen, damit der Unterricht normal weitergehen kann“, sagt Helga Frenzel und deutet dabei auf eine Tür, die offensichtlich brutal aufgestemmt wurde.

Viel verwüstet

Ebenfalls sicher ist bereits, dass die Diebe drei nagelneue Laptops mitgenommen haben. Einen Fernseher haben sie zwar aus einem Klassenraum mitgenommen, ihn allerdings auf dem Flur liegenlassen – der Bildschirm ist zerstört. „Es wirkt fast so, als seien sie mit einem scharfen Gegenstand gegen den Bildschirm gekommen“, so Helga Frenzel, während sie auf die geraden Risse an dem Gerät deutet. Sie und das Lehrpersonal finden es besonders traurig, dass es bereits der zweite Vorfall in einer Großmühlinger Schule innerhalb von fünf Wochen ist.

Denn am 8. Februar hatte es die Sekundarschule – die direkt gegenüber der Grundschule liegt – erwischt. Sie ist nicht nur wütend darüber, dass die Kinder durch den Vorfall einen Schock erlitten haben. Für sie ist auch völlig unklar, was genau die Einbrecher in der Schule gesucht haben. „Außer der Laptops scheinen sie das Gebäude nur verwüstet zu haben“, so die Schulleiterin. Denn Bargeld – etwa die Klassenkassen – befinden sich schon seit langem nicht mehr im Schulgebäude.

Bürgermeister entsetzt

Schockiert über den erneuten Vorfall in einer Schule im Bördeland zeigte sich auch Gemeindebürgermeister Bernd Nimmich (SPD). „Es ist einfach schlimm, dass diese Einrichtung der Kinder so beschädigt und verwüstet wurde“, so Nimmich. Er vermutet, vor allem aufgrund der sich häufenden Vorfälle, dass es sich um eine Truppe handelt, die immer wieder zuschlägt.

Der Unterricht soll schon ab heute wieder in der Grundschule stattfinden.