Elbenau/Plötzky l „Hier ist eine.“ Ohne jegliche Berührungsängste hebt Fynn Luca (5) das stolze Exemplar einer Kröte hoch und bringt sie behutsam in ihr „Taxi“ – einen Eimer. Die Kinder, die an der Aktion der Nabu-Ortsgruppe Schönebeck teilnehmen, haben sichtlich Spaß. Sie suchen an diesem Vormittag auf der Straße zwischen Elbenau und Plötzky einen Zaun ab, den Nabu- Mitglieder zuvor dort aufgestellt haben. Entlang des Zauns befinden sich immer wieder Eimer mit Löchern. „Dort fallen die Frösche und Kröten dann nachts herein – und werden morgens von uns abgeholt und über die Straße getragen“, so Nabu-Mitglied Gudrun Edner.

Doch warum wollen die Amphibien überhaupt auf die andere Straßenseite – und dafür den ohne die Naturschützer oft tödlich endenden Weg auf sich nehmen? „Die Kröten überwintern auf der einen Seite der Straße. Im Frühling lockt es sie dann zu den Laichgewässern – die sich auf der anderen Straßenseite befinden“, weiß Gudrun Edner.

Da die Trockenheit den teils vor dem Aussterben bedrohten Fröschen, Kröten und Unken eh zu schaffen macht, ist die Hilfe der Naturschützer wichtiger denn je, findet Gudrun Edner. „Kaum ein Autofahrer fährt auf der Strecke so langsam, dass er die Kröte von weitem sehen – geschweige denn rechtzeitig abbremsen könnte“, so die Naturschützerin. Und ihr Nabu-Kollege Marcel Majchrzak fügt hinzu: „Und schon ab geringen Geschwindigkeiten bekommen Kröten, die nicht von einem Auto erwischt werden, ein Barotrauma.“ Dieses endet für die Amphibien ebenfalls tödlich. Insgesamt geht der Nabu deshalb davon aus, das insgesamt 80 Prozent der Amphibien, die ohne menschliche Hilfe die Straße überqueren, sterben.

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„Den hier erkenne ich vom vergangenen Jahr“, sagt Marcel Majchrzak - und freut sich sichtlich. Er deutet auf die besondere Markierung auf dem Rücken eines Grasfrosches. Sobald die Naturschützer die Tiere auf der Hand haben, müssen diese schnell in den Eimer, mit dem es dann über die Straße geht. Denn von der Wärme der Hand werden sie wieder beweglicher – nachdem sie in der Nacht abgekühlt waren.

Und wenig später folgt schon ein weiterer Grund zur Freude: Die Naturschützer finden eine Rotbauchunke – eine besonders selten gewordene Amphibienart. „Wenn man so etwas Besonderes findet, dann freut man sich natürlich sehr“, sagt Gudrun Edner mit einem Strahlen im Gesicht.

„Sich hier morgens zu treffen und den Kröten zu helfen – das ist einfach ein gutes Gefühl“, so Nicole Wasserberg, die mit ihren Kindern vor Ort ist.“ Die Familie hilft dem Nabu regelmäßig tatkräftig bei der Aktion. „Die Kinder fragen schon immer ganz ungeduldig, wann es wieder losgeht“, so die Mutter.

Während sie das sagt, zieht die Kindertruppe mit Gudrun Edner und Marcel Majchrzak schon längst weiter – die kleinen Helfer heben jeden Erdbrocken hoch, schauen unter jedem Laubblatt – um in wenigen Minuten für eine weitere Kröte ein Lebensretter zu sein.