Barby/Groß Rosenburg/Sachsendorf l „Ohne Bürgerengagement würde unsere Gesellschaft nicht so gut funktionieren, wie es der Fall ist. Wir brauchen Menschen, die Initiativen ergreifen und neuen Ideen Bahn brechen; wir brauchen Menschen, die sehen, was Not tut, und beherzt zupacken; wir brauchen Menschen, die sich um diejenigen kümmern, die, aus welchen Gründen auch immer, am Rand der Gesellschaft leben. Wenn jeder nur egoistisch den eigenen Weg verfolge, dann stünde jeder letzten Endes alleine da. Denn Gesellschaft ist immer ein Miteinander.“ Besser wie der Calbenser Stadtrat Mario Kannegießer, der diese Sätze beim vorletzten Neujahrsempfang in der Saalestadt sprach, kann man es nicht auf den Punkt bringen.

In Sachsendorf wurmte es Melanie Golde (29) schon lange, dass die Gemeinde keinen Spielplatz mehr hat. Im vergangenen Sommer verdichtete sich die Idee der Mutter zweier Kinder, einen Kinderspielplatz in Eigenregie aufbauen zu lassen. Weil die Ortschaftsrätin weiß, dass die kommunalen Kassen leer sind und sie Pragmatikerin ist, sprach sie im November 2017 „kleine und große“ potenzielle Spender an. Diese sponserten sehr erfreuliche Summen oder leisteten vor Ort praktische Hilfe. Der schöne Spielplatz wurde Ende vergangener Woche eingeweiht. Er kostete der Kommune keinen Cent.

Weidenhecke geschnitten

Ein anderes Beispiel: Wer eine Burg bewirtschaftet, auch wenn es nur eine Burgruine ist, hat immer Arbeit damit. Darum rief der Burgverein Klein Rosenburg die Bürger zum Arbeitseinsatz auf. Neben den Mitgliedern des Vereins folgten fünf Rosenburger dem Aufruf. Am vergangenen Sonnabend wurde der Staudengarten gesäubert, die Weidenhecke geschnitten. Die Männer beseitigten mit Säge und Schere den Wildwuchs am Burgberg und siehe da, man konnte die Burg vom Burggraben aus wieder sehen. Der von den Gemeindearbeitern bereit gestellte Hänger reichte bei weitem nicht aus. Nach vier Stunden Einsatz waren alle mit dem Arbeitserfolg zufrieden. Zur Belohnung spendierte Vereinsmitglied Günter Heinrichs Grillwürstchen und Getränke.

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Drittes Beispiel: „Wir räumen auf!“, unter diesem Motto startete der SPD-Ortsverein „Elbe-Saale“ in Barby seinen traditionellen Frühjahrsputz, den es seit Anfang der 1990er Jahre gibt. Unterstützung fanden die Genossen bei Bürgermeister Torsten Reinharz sowie Stadt- und Ortschaftsrat Frank Sieweck (beide parteilos). Gereinigt wurden der Parkplatz an der Grundschule, der Rinnstein am Friesweg sowie die Grünanlagen im Schlosspark. Jede Menge Wohlstandsmüll - von Zigarettenkippen über leere Flaschen, Kronkorken bis hin zu Verpackungsmaterial landeten in den Kunststoffsäcken.

Bäume werden geschützt

Der Bereich zwischen Hohem Werder und „Eichelwald“ war das zweite festgelegte Revier. Hier wurden insgesamt 27 Bäume mit Maschendraht vor Wildverbiss geschützt. Bei sechs weiteren Bäumen besserten die Ehrenamtlichen bestehende Schutzmanschetten aus. Ein heimisch gewordener Biber schaffte sich in der Vergangenheit immer wieder an den Gehölzen.

Diese Beispiele ließen sich fortsetzen. So macht die Barbyer Handwerkerschaft am kommenden Sonnabend ebenfalls einen Arbeitseinsatz. Hier soll eine Baulücke an der „Caféecke“ aufgewertet werden, wo seit vergangenem Jahr ein künstlerisch aufwändiges Wandbild zu sehen ist. Die Handwerker waren in den vergangenen Jahren immer „eine sichere Bank“, wenn es um das Alltagswohl der Bürger ging.

Und zu guter Letzt: Ebenfalls am kommenden Sonnabend, 28. April, machen die Mitglieder der Abteilung Kanu des SSV „Blau-Weiß“ 04 Barby einen Frühjahrsputz auf ihrem Vereinsgelände.