Schönebeck l Der Ärger um die Gebühren für die dezentrale Abwasserentsorgung spitzt sich zu. Erst Anfang 2019 hatte die kommunale Abwasser Entsorgungs GmbH eine neue monatliche Grundgebühr für Sammelgruben über 6 Euro erhoben – und das rückwirkend für auch noch für das gesamte Jahr 2018. Nach zahlreichen Protesten von Betroffenen – darunter vor allem hunderte Bungalowbesitzer im Naherholungsgebiet Plötzky sowie Gartenbesitzer in ganz Schönebeck – rudern die Verantwortlichen nun wieder zurück. Bei der Sitzung des Stadtrates soll die Gebühr wieder von 6 auf 4 Euro gesenkt werden – offenbar nicht zuletzt aufgrund des heftigen Widerstandes von zahlreichen Betroffenen.

Zu den lautesten Kritikern gehört unter anderem der Erholungs- und Freizeitverein Plötzky (EFVP), in dem nach Angaben des Vorstandes rund 400 Bungalowbesitzer organisiert sind. Den Mitgliedern reicht eine Senkung der Grundgebühr inzwischen schon längst nicht mehr. „Wir fordern die komplette Abschaffung der Grundgebühr“, sagte Holger Wald, Vorsitzender des Freizeitvereins. Die Kosten für die Abwasserentsorgung sollten demnach ausschließlich pro Kubikmeter abgerechnet werden. „Alles andere ist völlig ungerecht“, sagte Wald.

Grundgebühr ist neu

Denn einige Bewohner würden ihre Bungalows nur wenige Tage im Jahr nutzen, während andere dort mehrere Wochen oder gar Monate im Jahr verbringen. Entsprechend unterschiedlich sei daher auch die Menge der anfallenden Abwasser. Die Vorstellung, dass alle dieselbe Grundgebühr bezahlen müssten, ist daher aus Sicht der Vereinsmitglieder völlig absurd. Bezahlt werden sollte stattdessen ausschließlich nach Abwassermenge.

Weiterer Widerspruch aus Sicht des Vereins: „Wir wurden ausdrücklich und unter Androhung von Zwangsgeld aufgefordert, nicht mehr ganzjährig in den Bungalows zu wohnen. Trotzdem sollen wir für das ganze Jahr Grundgebühr bezahlen“, schimpfte Voreinsvorsitzender Holger Wald. Das passe einfach nicht zusammen.

Überhaupt verstehen die Bungalowbesitzer nicht, warum sie nicht mehr wie in den vergangenen Jahrzehnten ihren eigenen Entsorger bestellen dürfen, sondern das von der Stadtverwaltung bestellte Unternehmen Schüssler nutzen müssen. Zumal die Preise mit allen Gebühren nun teilweise von unter 20 Euro auf knapp 90 Euro im Jahr gestiegen seien. „Das verstehen wir einfach nicht. Und die Stadt legt die Kostenrechnung nicht offen“, kritisierte Holger Wald.

Eingriff in Vertragsfreiheit?

Dass die kommunale Entsorgungs GmbH mit der Grundgebühr eine stabile Kostenkalkulation ermöglichen will, interessiert den Vereinsvorsitzenden nicht. „‚Wir müssen das nicht kalkulieren. Wir wollen nur weiter die günstigsten Anbieter auf dem Markt nutzen“, sagte Holger Wald. Dass den Bungalowbesitzern ein teurer Entsorger quasi aufgezwängt wird, empfinden die Vereinsmitglieder als Eingriff in die Vertragsfreiheit. Immerhin: Die Vereinsmitglieder befürworten, dass die Verwaltung über den Bau einer Annahmestelle für dezentrales Abwasser in Ostelbien nachdenkt. Denn dann könnten zumindest die Transporte des Abwassers nach Schönebeck eingespart werden, die für einen nicht unerheblichen Teil der Kosten verantwortlich sind.

Inzwischen machen im Naherholungsgebiet die wildesten Verschwörungstheorien die Runde. So wird beispielsweise angezweifelt, dass sich bei der Ausschreibung für die Abwasserentsorgung tatsächlich nur ein Unternehmen beworben haben soll. Kritisiert wird auch, dass es sich bei der Abwasser Entsorgungs GmbH um ein halb kommunales und halb privates Unternehmen handelt, das Profit machen müsse. Tatsächlich hält der Konzern Veolia 49 Prozent an der damit teilprivatisierten Entsorgungs GmbH.

Eine Anfrage der Volksstimme von Ende April zum Ausschreibungsverfahren für die Abwasserentsorgung ließ die Schönebecker Stadtverwaltung unbeantwortet.