Sachsendorf l In den frühen Morgenstunden des 8. Juli dieses Jahres, ein Mittwoch, stand in Sachsendorf im Siedlungsweg - direkt hinter dem Feuerwehrdepot - der hintere 25 mal 60 Meter große Teil einer Lagerhalle lichterloh in Brand. Um 2.21 Uhr ging der Alarm bei der Leitstelle ein. Insgesamt 68 Kameraden aus Sachsendorf, Rosenburg, Breitenhagen, Lödderitz und Aken kämpften bis in den Tag hinein, der Lage Herr zu werden und um ein Übergreifen der Flammen auf den vorderen Teil des riesigen, ehemaligen Kuhstalls zu verhindern.

Nunmehr sind drei Monate vergangen, doch auf dem Gelände der Halle sieht es noch immer so aus, als würden die Flammen erst gestern erloschen sein. Verkohlte Autos, herabgestürzte Deckenteile, das pure Chaos. Rund um das Areal stehen zudem an die 100 ausgeschlachtete Autowracks.

Schandfleck für den Ort

„Ein Schandfleck. Der ist doch mittlerweile über alle Berge. Hoffentlich wird hier bald Ordnung gemacht“, äußert sich ein älterer Sachsendorfer, der seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte. Das sei ihm - Wortwitz - „zu heiß“, sagt er und schüttelt den Kopf.

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Mit „Der“ meint er den Pächter der Halle. Sein Geschäftsmodell bestand darin, die Katalysatoren aus den Fahrzeugen auszubauen, sie zu zerlegen und mit den darin enthaltenen Edelmetallen Platin, Palladium und Rhodium Geld zu machen. „Alles sehr dubios“, so der Anwohner.

Illegale Grundstücknutzung

Das sahen die Behörden ähnlich und nahmen Ermittlungen auf. Eine illegale Grundstücksnutzung wurde festgestellt, die Untere Naturschutzbehörde eröffnete zudem ein Verfahren aufgrund von Abfallablagerungen und die Fortsetzung der Nutzung der „Betriebsstätte“ wurde untersagt. Dann der Brand...

Mit diesem für Sachsendorf leidigen Thema beschäftigte sich nun auch am Montag Abend der Ortschaftsrat. Ortsbürgermeisterin Melanie Golde (parteilos) informierte über den Stand der Dinge.

Untersuchung mit Drohne

„Meiner Information nach handelt es sich bei dem Betreiber der ‚Werkstatt‘ um eine Person aus dem Balkan. Regelmäßig sind Transporter mit ausländischen Kennzeichen vorgefahren und haben Autos abgeladen. Jetzt, nach dem Brand, war niemand mehr von ihnen in Sachsendorf zu sehen. Das Umweltamt des Salzlandkreises war vor Ort, um sich mit einer Drohne einen Überblick über das Gelände und das Ausmaß der Verwüstung zu machen. Dabei wurden vor allem auch die abgebrannten Autos in der Halle begutachtet – die alle entsorgt werden müssen“, so Ortsbürgermeisterin Melanie Golde. Bei den verbrannten Autos handelt es sich um Sondermüll. Zusätzlich bestand das Dach aus Asbestplatten, die nun alle auf dem Hallenboden verstreut herumliegen – ebenfalls Sondermüll.

„Es wird geprüft, ob nur die Fahrzeuge und die Brandrückstände entsorgt werden müssen, oder ob nicht sogar die ganze Halle abgerissen werden soll“, fährt Melanie Golde fort.

Restwert bestimmen

Weiterhin berichtet sie, dass die DEKRA vor Ort war, um alle Fahrzeuge außerhalb der Halle zu begutachten und ihren eventuell noch vorhandenen Restwert für einen Verkauf zu bestimmen.

„Nach meinen Informationen läuft derzeit ein Ordnungsverfahren gegen den Hallenpächter, dass er zeitnah – in den kommenden zwei Wochen – die Fahrzeuge entsorgt“, führt Ortsbürgermeisterin Golde weiter aus. Sollte das alles nicht fruchten, plant der Salzlandkreis für Ende 2020 Anfang 2021, das Gelände zu räumen.

Abbau der Teile ist strafbar

Worauf Melanie Golde explizit hinweist, ist, dass die Fahrzeuge, die alle frei zugänglich sind, kein Selbstbedienungsladen sind. „Wer dort Teile abbaut oder sogar ganze Autos wegholt, macht sich strafbar. Wer erwischt wird, kommt nicht nur mit einem Bußgeld davon“, warnt sie. „Letztlich hoffe ich, dass dieser Schandfleck bald Geschichte ist und den Ankündigungen zur Beräumung bald Taten folgen werden“, gibt sie ihrer Hoffnung Ausdruck.

Ein weiterer, viel diskutierter Tagesordnungspunkt der Ortschaftsratssitzung war der Vorentwurf des Flächennutzungsplanes der Einheitsgemeinde Barby. Darauf ist südlich von Sachsendorf an der Bahntrasse eine Sondernutzungsfläche für Photovoltaik zu erkennen. Die einzige im Flächennutzungsplan für Sachsendorf ausgewiesene Entwicklungsfläche.

Vorentwurf des Plans

„Es handelt sich um einen Vorentwurf. Anregungen und Wünsche können immer noch eingearbeitet werden. Dazu liegt der Flächennutzungsplan ab dem 19. Oktober im Rathaus in Barby zur Einsichtnahme aus. Zusätzlich ist er auf der Homepage der Stadt abrufbar. Nach Einarbeitung der Änderungen wird erst der Entwurf erarbeitet, der wiederum ausgelegt wird und auch noch angepasst werden kann“, erklärte Samantha Voigt, Sachbearbeiterin Stadtplanung Barby. Ziel sei es, den Flächennutzungsplan im Jahr 2022 fertig zu haben.

Unverständnis machte sich zur im Flächennutzungsplan eingezeichneten Sonderfläche für Photovoltaik breit. „Wie kommt man eigentlich auf die Fläche? Die wird doch als Acker genutzt, der dann versiegelt werden würde. Es gibt doch so viele Verdachtsflächen, wo zum Beispiel Müllkippen sind. Warum werden die nicht dafür genutzt“, wollte Ortschaftsrat Torsten Bothe wissen.

Sonderfläche für Photovoltaik

Samantha Voigt konnte beruhigen, dass nichts in Stein gemeißelt ist. Die jetzt angedachte Fläche erwies sich nach Abwägung unterschiedlichster Kriterien lediglich als optimal für Photovoltaik – doch nur, weil sie im jetzigen Vorentwurf enthalten ist, muss sie es – sofern es Einsprüche gibt – nicht in die Endfassung des Flächennutzungsplanes schaffen. Selbst wenn, heißt es nicht, dass dort jemals eine solche Anlage gebaut werden würde. Es bestünde dort durch die Ausweisung als Sonderfläche lediglich die Möglichkeit, in den kommenden zehn bis 15 Jahren eine solche Anlage im Rahmen des Erneuerbaren Energien Konzeptes zu errichten – nicht mehr, nicht weniger.