Tornitz l Superintendent Matthias Porzelle wird sicherlich noch nicht allzuoft in einem ehemaligen Pferdestall gepredigt haben. Der große Raum des einstigen Bauernhofes besitzt den Vorteil, auch die entsprechende Atmosphäre anzubieten. Erntekrone, Gemüse und Früchte dekorierten jene Stelle, wo in der Kirche normalerweise der Altar steht.

Und dann war da noch der Nachwuchs, der Theater spielte. Die Christenlehrekinder aus Tornitz und Werkleitz hatten ein Stück einstudiert, das nicht nur freundliche Unterhaltung, sondern einen tieferen Sinn bot. Eine Mutter (Annette Dunkel) saß mit ihren Kindern (Paul, Otto, Jona und Melina) am Tisch, an dem der Sinn des Erntedanks erklärt wurde. Bemerkenswert: Während des gottesdienstlichen Spiels bekamen die Kinder (der Authentizität und des Appetits wegen ...) echte Spiegeleier aus der Pfanne serviert.

Keine Hungersnöte mehr

Superintendent Porzelle blickte in seiner Predigt auf das landwirschaftliche Jahr zurück. Früher hätte es nach schlechten Ernten - wie in diesem Jahr - in Deutschland Hungersnöte gegeben. Doch die Globalisierung bewahre uns davor. „Wir können diese Dinge ausgleichen und auch bezahlen“, bemerkte der Pfarrer mit Blick auf ärmere Teile der Welt, wo das nicht so ist.

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Am Ende des Gottesdienstes wurde auf dem Heimathof die Erntekrone geweiht. Dieser Brauch stammt aus einer Zeit, als unsere Vorfahren unter viel Mühsal für das täglich’ Brot sorgten. Der Ackerwagen mit der Erntekrone darauf von Carola Bastubbe führte im Anschluss den Festumzug an, der durch Tornitz und Werkleitz rollte. Die Wespenerin hatte dafür ihre beiden schönen Pferde Apfelschimmel Prinz und Susi angespannt.

Sie war nicht die einzige, die auf altväterliche Art angereist war. Dauerte die Anfahrt von Wespen bis Tornitz per Kutsche 40 Minuten, brauchte Hartmut Sänger mit seinem Traktor der Marke „Normag“ ab Bad Salzelmen eine Stunde. Klaus Belitz war mit dem „Famulus“ sogar von Glöthe gekommen, um dabei zu sein.

Ein rein kirchliches Fest

Das Erntedankfest ist in seinen Ursprüngen ein rein kirchliches Fest. Wie sich alte Werkleitzer erinnern, fand bis 1947 ein Freilicht-Gottesdienst auf dem Kirchplatz statt. Der Umzug, bei dem besonders prachtvoll geschmückte Pferde dominierten, endete an der Kirche. Dort gehörte nach der Andacht des Wetzen der Sensen zur Tradition. Es war ein würdevoller Abschluss des Erntejahrs, dem sich bis heute der Heimatverein verpflichtet fühlt.