Badeunfall

Ersthelfer suchen in Plötzky mit nach verschwundenem Jungen

Im Kleinen Waldsee in Plötzky ist am Sonntagnachmittag ein Vierjähriger ertrunken. Trotz der zahlreichen Badegäste, die mitgesucht haben, wurde der Junge letztlich tot geborgen.

Von Bianca Oldekamp
Der Junge, der am Sonntagnachmittag am Kleinen Waldsee im Ferienpark Plötzky verschwunden war, wurde von Tauchern leblos in sieben Metern Tiefe gefunden.
Der Junge, der am Sonntagnachmittag am Kleinen Waldsee im Ferienpark Plötzky verschwunden war, wurde von Tauchern leblos in sieben Metern Tiefe gefunden. Foto: Bianca Oldekamp

Plötzky - „Die Ermittlungen laufen“, erklärt Polizeisprecher Marco Kopitz an Montagmorgen (5. Juli 2021), einen Tag nachdem ein vierjähriger Junge im Kleinen Waldsee in Plötzky ertrunken ist. Zum Stand der Ermittlungen möchte sich die Polizei aber nicht weiter äußern. Kopitz sagt nur soviel: „Das sogenannte Todesursachenermittlungsverfahren läuft. Der Notarzt hatte aber schon vor Ort Ertrinken als Todesursache genannt. Im Zentrum der Ermittlungen steht jetzt die Frage ,Hätte man das Geschehene verhindern können?’ Dafür wurden schon einige Befragungen durchgeführt.“

Hätte man? Diese quälende Frage stellt sich wohl vor allem die Familie des Jungen. Zusammen mit seinen Eltern und dem zweijährigen Bruder war er doch gerade erst am Sonntag, 4. Juli 2021, in ihrem Urlaubsdomizil am Kleinen Waldsee im Ferienpark Plötzky angekommen. Und jetzt ist der Vierjährige tot. Ertrunken im Kleinen Waldsee.

Freiwillige Helfer suchen in Plötzky mit

Ein Umstand, der für alle Beteiligten nur schwer zu fassen ist. Auch für die zahlreichen freiwilligen Helfer, die noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte aktiv geworden sind und die verzweifelte Suche der Eltern nach ihrem Kind unterstützt haben.

Einer dieser Helfer: Kevin Besser aus Schönebeck. Der 20-Jährige war privat am Kleinen Waldsee, wollte eigentlich mit Freunden Baden gehen. Doch dieser Plan hatte sich schon in dem Moment erledigt, als er am See angekommen war, wie der 20-Jährige berichtet: „Ich kam an, als der Junge schon verschwunden war, bin dann gleich mit ins Wasser, um zu suchen.“ Zusammen mit vielen anderen Helfern habe man dann Maßnahmen eingeleitet, den See beispielsweise systematisch abgesucht. „Wer es sich zugetraut hat, hat tauchend in den tieferen Bereichen des Sees gesucht, andere Helfer haben den flachen Uferbereich abgesucht“, berichtet Kevin Besser, der selber Rettungsschwimmer und bei der Freiwilligen Feuerwehr Bad Salzelmen aktiv ist. Finden konnten die Helfer den Jungen aber nicht.

Helfer arbeiten mit Rettungskräften zusammen

Kevin Besser berichtet, dass er auch dann weitergeholfen habe, als die ersten Einsatzkräfte – dies waren 23 Kameraden der Ortsteilwehr Pretzien/Plötzky – wenige Minuten nachdem der Notruf in der Rettungsleitstelle des Salzlandkreises eingegangen war, eingetroffen sind. Die Sicht im Wasser sei schlecht gewesen. Und wie auch Pretzien/Plötzky-Wehrleiter Michael Vorwerk, der den Einsatz, zu dem unter anderem auch die Wasserwacht der DLRG, der Katastrophenschutz des ASB Aschersleben, das Deutsche Rote Kreuz und ein Notarzt alarmiert wurden, leitete, sei Kevin Besser irgendwann klar gewesen, dass der Junge nicht mehr lebend gefunden werden würde.

Schließlich hatten die freiwilligen Helfer vor Ort auch die umliegenden Spielplätze im Ferienpark abgesucht, aber keine Spur des Kindes finden können. „Wir hatten trotzdem bis zuletzt die Hoffnung, dass der Junge vielleicht doch nicht im Wasser ist“, sagt Kevin Besser.

Mütze schwimmt im Wasser

Doch darauf dass der Junge zuletzt im Wasser gewesen sein muss, deutete allein schon hin, dass eine Mütze, die der Vierjährige getragen hatte, im Wasser trieb, der Junge aber nicht mehr zu sehen war, wie Ferienpark-Betreiber Wolfgang Schulle berichtet.

In sieben Metern Tiefe wurde der leblose Körper des Kindes dann auch von Rettungstauchern der Berufsfeuerwehr Magdeburg gefunden und geborgen.

Wolfgang Schulle sagt: „Wir sind unendlich traurig, entsetzt, bestürzt über das, was da am Sonntag passiert ist.“ Auch er hatte lange gehofft, dass der Junge lebend gefunden würde und betont, wie solidarisch sich die Gäste verhalten hätten.

Keine stationierten Rettungsschwimmer

Dass es am Kleinen Waldsee, wie auch an den anderen Seen keine stationierten Rettungsschwimmer gebe, begründet Schulle mit dem offenen Konzept. „Sonst müssten wir alle Seen absperren lassen“, erklärt er und appelliert grundsätzlich an alle Badegäste, Kinder nicht unbeaufsichtigt zu lassen und die Kleinen niemals ohne Schwimmhilfen ins Wasser zu lassen. Der Vierjährige war ohne Schwimmhilfe geborgen worden.

Helfen kann leben retten

Doch obwohl die Maßnahmen der Helfer und der Rettungskräfte den kleinen Urlauber nicht mehr retten konnten, ist es Kevin Besser wichtig zu betonen, dass sich die Erfolgschance durch solches Engagement verbessert. „Wenn schnell geholfen wird, kann so etwas auch anders ausgehen“, ermutigt er jeden, zum Ersthelfer zu werden.