Schönebeck l Verzicht auf Schokolade, Alkohol oder Kaffee – am Mittwoch beginnt die siebenwöchige Fastenzeit. Der Schönebecker Pfarrer Johannes Beyer erklärt im Interview, was das Fasten mit Jesus zu tun hat und warum die evangelische Kirche in diesem Jahr zum „Lügenfasten“ aufruft.

Volksstimme: Herr Beyer, wo hat das Fasten im Christentum eigentlich seine Tradition?
Johannes Beyer: Schon Jesus soll sich, bevor er öffentlich wirkte, zum Fasten in die Wüste zurückgezogen haben. Vor wichtigen Entscheidungen, besonderen Aufgaben oder Anlässen zu fasten, ist eine urmenschliche Geschichte.

Weiß man, auf was Jesus beim Fasten verzichtet hat?
Nein, das ist leider nicht überliefert. Man vermutet aber, dass er – auch wie wir es heute oft tun – während der Zeit auf bestimmte Dinge verzichtet hat. Zum Beispiel auf tierische Produkte. Vielleicht aß er aber auch gar nichts und wurde auf wunderbare Weise von Gott versorgt.

Was für ein Gedanke steckt denn hinter dem Fasten?
Fasten hat etwas mit innerer Reinigung zu tun. Etwas mit der Stille, mit dem Leerwerden. Und somit auch damit, Platz für Neues zu schaffen und Gott zu begegnen.

Das kann man ja auf die unterschiedlichsten Arten machen ...
Ja, die Idee kann man tatsächlich an den verschiedensten Stellen anwenden. Man kann die Fastenzeit beispielsweise auch nutzen, nicht nur körperlich auf etwas zu verzichten, sondern zum Beispiel mal sein Büro besonders gut aufzuräumen oder den Kleiderschrank auszusortieren. Obwohl hinter dem Fasten oft der Gesundheitsaspekt steckt, gibt es da viele Ansätze.

Was sind die gängigsten?
Klassiker sind der Verzicht auf Schokolade, Kaffee und Alkohol. Es gibt aber auch ungewöhnlichere Fastenarten – wie das Medienfasten oder das Vorhaben, einmal alles, was sich im Büro an Arbeit angehäuft hat, komplett abzuarbeiten. Und man kann natürlich auch, statt etwas wegzulassen, jeden Tag etwas zum Leben hinzufügen. Beispielsweise, indem man jeden Tag einen schönen Spaziergang macht oder sich vornimmt, jeden Tag einem Bekannten eine Postkarte zu schreiben.

Was sind die positiven Effekte vom Fasten?
Das Fasten an sich kann auch als Gewinn gesehen werden. Denn es steigert das Selbstwertgefühl. Man ist stolz, wenn man es durchgezogen hat.

Wie streng sollte man denn sein?
Es ist auch wichtig, sich keine Zwangsjacke anzuziehen. Dann kann das Fasten ungesund werden. Man kann sich zum Beispiel vornehmen, am Sonntag nicht zu fasten. Aber jeder kann sich da seine eigenen Regeln machen.

Die evangelische Kirche hat die Aktion „7 Wochen ohne“. Was steht da in diesem Jahr auf dem Programm?
Dieses Jahr geht es unter dem Motto „Mal ehrlich“ ums Lügenfasten. Hierbei geht es vor allem darum, sich einmal bewusst zu machen, wie oft man nicht die Wahrheit sagt, beziehungsweise wo eine Lüge anfängt. Das Bewusstsein ist überhaupt ein wichtiges Thema beim Fasten. Besonders schön ist es, wenn man dann noch seine Erfahrungen und Gedanken mit anderen Menschen, die fasten, austauschen kann. Und wenn man merkt, dass man anderen etwas Gutes tut.