Barby l Rudi und Marcel Randel haben einiges gemeinsam. Sie sind Opa und Enkel, wohnen unter einem Dach, sammeln beide Modellfeuerwehren und sind (natürlich) Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr in Barby.

Nachbildungen nicht berauschend

Wann Rudi Randel mit der Sammelei angefangen hat, kann er nicht mehr so richtig sagen. „Auf alle Fälle schon zu DDR-Zeiten“, sagt der 82-Jährige, „wo es schwierig war, Modellautos aus Metall zu ergattern.“ Damals klapperte man die Spielzeugläden ab, die Spielzeuge aus Westproduktion nur selten anboten. Die DDR reagierte auf dieses Verlangen der werten Kundschaft mit Plasteautos. Dabei war die detailgetreue Nachbildung oft nicht gerade berauschend. Sie waren ja zum Spielen und nicht zum Sammeln gedacht.

Kurios: In heutiger westlicher Wirtschaftshemisphäre wird eine viel breitere Palette von DDR-Modellen angeboten, als in der Zeit des weltweiten Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus. So kann man in einschlägigen Internet-Kaufhäusern heute beispielsweise einen Trabant P 50 in Feuerwehrausführung oder den Tatra 138 als Tanklöschfahrzeug im Maßstab 1:43 kaufen. Wenn man rund 40 Euro auf den Tisch legt.

Rudi Randel brachte es mit Hilfe von Enkel Marcel mittlerweile auf rund 300 Modelle. Die Palette reicht vom nos-talgischen Feuerwehrauto im Maßstab 1:72 bis zum ferngesteuerten US-Feuer-Truck, der weh tut, wenn er auf den Fuß fällt. Opa Rudi infizierte seinen Enkel in einem Alter, wo sich Kinder für Spielzeugautos leicht begeistern. „Wir sind oft nach Magdeburg gefahren und haben geguckt, was es da so an Modellen gab“, erinnert sich der 33-Jährige. Das ist nun fast 20 Jahre her.

Modelle im Schutzkarton

Auch die Lotto-Toto-Gesellschaft habe sich irgendwann in dieses Geschäftsfeld eingeklinkt, weiß Marcel. „Ich habe so einige Fahrzeuge im Maßstab 1:64 bei Frau Galle gekauft“, sagt er. Damit ist ein Lotto- und Zeitschriftenladen in Barbys Mitte gemeint. Wie so oft stecken die Autos in einem Schutzkarton aus Kunststoff, dessen Front aus durchsichtigem Material ist. „Die meisten Verpackungen haben wir nicht geöffnet“, lächelt Opa Rudi und streicht behutsam über die Verpackung, als hätte er im Jahre 1980 ein Westpaket bekommen. Darum verwundert es nicht weiter, dass die roten Löschfahrzeuge, Drehleitern, Mannschaftstransporter und Tanklaster funkelnagelneu sind.

An Geburtstagen der beiden brauchte es den Gästen nicht bang zu sein, das richtige Geschenk zu finden.

Doch die große Sammelei im Hause Randel hat nachgelassen. „Wir haben einfach keinen Platz mehr“, deutet Rudi auf die Schränke und Regale hinter ihm. Außerdem müsse mit kleinen Autos mit 82 Lebensjahren langsam mal Schluss sein.

Alterskamerad Rudi ist seit 1954 Mitglied in der Feuerwehr und heute Brandmeister; Marcel trägt den Dienstgrad Oberlöschmeister und ist sei 1993 dabei.

Kran rot angestrichen

Wie sehr der Senior schon vor Jahren auf das Thema Feuerwehr fixiert war, erkennt man an einem Indiz, das man allerdings selbst entdecken muss. Dem interessierten Betrachter der Sammlung fällt ein Autokran auf, der zwar rot lackiert ist, aber mit der Feuerwehr so viel zu tun hat, wie ein Seehund mit dem Allgäu. Damit er zur Feuerwehrsammlung passt, hat Rudi den gelben Kran rot angestrichen. Ein bisschen schimmert noch der Originallack hervor.

Ordnung muss schließlich sein.