Corona

Feuerwehrkameraden dürfen wieder üben: Rückkehr zur Normalität in Calbe

Seit Monatsanfang dürfen die Feuerwehrleute in Calbe wieder ihren normalen Ausbildungsdienst verrichten. Monatelang mussten sie darauf verzichten oder konnten sich nur in kleinen Gruppen treffen.

Von Thomas Höfs
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Calbe dürfen wieder gemeinsam üben, müssen aber wegen der Corona-Pandemie auf den Sicherheitsabstand achten.
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Calbe dürfen wieder gemeinsam üben, müssen aber wegen der Corona-Pandemie auf den Sicherheitsabstand achten. Foto: Thomas Höfs

Calbe - Die Corona-Pandemie hat bei den Feuerwehrleuten einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Männer und Frauen, die sich hier in der Kleinstadt freiwillig zum Dienst in der Feuerwehr verpflichtet haben, haben untereinander ein ganz besonderes Verhältnis. Die Kameradschaft bedeutet nicht nur, dass sie sich gegenseitig unterstützen und helfen. Die Kameradschaft bedeutet auch eine gewisse Nähe in der Ausbildung, dem Dienst und danach. Schließlich muss sich jeder auf den anderen verlassen können, wenn es mal im Einsatz brenzlig wird. Damit alle wieder gesund nach Hause kommen und die Technik richtig bedienen, treffen sie sich wöchentlich im Gerätehaus, um mit dem reisigen Technik-Parcours üben zu können. In den vergangenen Monaten ging dies nur sehr eingeschränkt oder überhaupt nicht. Die Corona-Pandemie erwischte die Feuerwehren bereits im zweiten Jahr. Der Ausbildungs- und Übungsdienst wurde untersagt, damit sich die Kameraden nicht mit dem unsichtbaren Virus anstecken. Abstand gelte es auch jetzt noch zu halten, sagt der Calbenser Wehrleiter Lars Roschkowski. Gut 70 Prozent der Einsatzkräfte sind inzwischen geimpft.

Über einen langen Zeitraum durften die Feuerwehrleute nur zu Einsätzen ausrücken. Dabei geht es recht beengt in den Einsatzfahrzeugen zu, auch wenn sie auch großen Lastkraftwagen bestehen. Bis zu neun Personen haben hier beispielsweise in einem Löschgruppenfahrzeug Platz. Auf der Fahrt zu einem Brandeinsatz müssen sie sich unter anderem in der Regel noch mit schwerem Atemschutz ausrüsten. Die Nähe ist auch wichtig, damit sich die drei Trupps, die anschließend an der Einsatzstelle arbeiten, absprechen.

Plätze blieben frei

Während der vergangenen Monate ließen die Feuerwehrleute mitunter bewusst Plätze auf den Einsatzfahrzeugen frei, bestätigte Ortswehrleiter Lars Roschkowski. Möglichst mehr Abstand sollte zwischen den Kameraden sein, begründete er. Dafür fuhren mehr Einsatzfahrzeuge zu einer Einsatzstelle, um alle Feuerwehrleute in den Einsatz zu bringen. Die Mitglieder seien sehr gut mit der Situation umgegangen und hätten sich gut mit der Lage arrangiert, ist der Ortswehrleiter zufrieden. Die Einsätze hätten zudem gut geklappt. Die ausgefallenen Übungsabende hätten sich nicht auf die Einsätze ausgewirkt. Dennoch wünschten sich die Kameraden den früheren Rhythmus zurück und wollten sich wieder treffen. „Das Miteinander fehlt sehr“, sagt er.

Wichtig sind die Dienstabende im Gerätehaus aus mehreren Gründen. Sie sollen nicht nur die Handhabung der umfangreichen Ausrüstung gewährleisten. Die Feuerwehrleute müssen zudem bei technischen Fragen auf dem aktuellen Stand bleiben. Vor allem die Entwicklung in der Fahrzeugtechnik ist für die Feuerwehren eine große Herausforderung.

Komplizierter wurden die Einsätze mit der Entwicklung von Airbags. Die Luftsäcke retten Leben, können es aber unter Umständen auch gefährden, wenn sie nicht ausgelöst haben. Die Feuerwehrleute wissen heute, wie sie sich in so einem Fall wirksam schützen und ihr Leben nicht gefährden.

Verschiedene Herausforderungen

Eine Herausforderung stellt für die Feuerwehren aber die Fülle an verschiedenen Antriebsarten bei Fahrzeugen dar. Spannungen von mehreren hundert Volt sind im Bordnetz keine Seltenheit.

Genau müssen sich die Einsatzkräfte über den Fahrzeugtyp informieren, wenn sie mit schwerem Gerät einem Auto zu Leibe rücken. Die Hersteller verbauen immer mehr Technik in die Fahrzeuge und machen den Überblick komplizierter.

Nicht nur bei den Fahrzeugen wird es immer anspruchsvoller. Auch andere Entwicklungen fordern immer mehr umsichtiges Handeln. Schon eine Photovoltaikanlage auf dem Dach kann hier zu einer Herausforderung werden.

Bislang sei die Feuerwehr in Calbe gut durch die Pandemie gekommen. Die Zahl der Einsatzkräfte blieb stabil. Neue Mitglieder konnten die Kameraden aber kaum werben. Vom Lockdown war auch die Nachwuchsarbeit betroffen. Die Kinder- und Jugendfeuerwehr, die die künftigen Generationen von Feuerwehrleuten für das zeitintensive Hobby begeistern soll, musste die Arbeit monatelang einstellen. Damit erging es den Brandschützern wie den anderen Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Schon vor den Sommerferien haben die Betreuer die Arbeit wieder aufgenommen und einige Veranstaltungen mit den Kindern und Jugendlichen durchgeführt, sagt Lars Roschkowski. Er sei froh, dass die Arbeit nun wieder anlaufe und die Kinder und Jugendlichen in der Feuerwehr einen Anlaufpunkt haben. Die Hoffnung sei nun, dass es nicht wieder einen neuen Lockdown gibt.