Gut zu wissen

Das Bauwerk wurde 1870 als Sommerhaus für den Brauereibesitzer August Wilhelm Allendorff erbaut. Als Aussichtsturm attraktivierte er das Ausflugsziel Hummelberg mit Gastwirtschaft und Gartenanlagen.

Im Zweiten Weltkrieg diente das Gemäuer auch als militärischer Beobachtungsposten mit einem Flakgeschütz.

Eine Schönebecker Fachgruppe Astronomie richtete 1957 nach Renovierungsarbeiten eine Sternwarte im Turm ein. Sie erhielt den Namen „Volkssternwarte Bruno H. Bürgel“. Nach Schwammbefällen durch falsch platzierte Dachrinnenanschlüsse musste die Warte 1961 stillgelegt werden – und ist zur Ruine geworden.

Schönebeck l Von der Resonanz auf den Neujahrsspaziergang sind die Hummelberg-Turm-Mitstreiter um Christian Jakobs immer noch begeistert. Sie hatten mit einigen Besuchern gerechnet, aber nicht mit 70. Ein Zeichen für den zwölf Mitglieder zählenden Förderverein, alles richtig zu machen und weiterhin ordentlich die Werbetrommel für ihr Vorhaben zu rühren. Nach der Neujahrstour deshalb nun der Osterspaß. „Wir wollen gezielt etwas für Kinder bieten“, erzählt Christian Jakobs. „Denn für die Kleinen sind sie spannend, die alten Gemäuer im Grünen.“

Und er soll Recht behalten. Als er in seinen Begrüßungsworten darauf hinweist, dass alle sicherlich sehen, dass der Turm eine Ruine sei und wer hineingehe immer auf eigene Gefahr handele, sagt der sechsjährige Adam Festerling total erstaunt: „Eine Ruine?“ Die Neugier ist geweckt. Bei ihm und bei den vielen anderen Kindern, die gemeinsam mit ihren Eltern oder Großeltern ein Blick in den einst stattlichen Turm werfen wollen.

Und auch wenn es dieses Mal keine 70 Besucher sind – die Mitglieder des Fördervereins sind zufrieden. Und sie erzählen voller Begeisterung von ihren nächsten Vorhaben. „Die ersten Arbeiten sollen im Mai beginnen: Aufräumen, Schutt raus. Wir wollen die Mauern so absichern, dass keine Steine mehr runterfallen“, erzählt Christian Jakobs im Gespräch mit der Volksstimme.

Soll wieder Aussichtsturm werden

Erklärtes Ziel ist es, dass der Hummelberg-Turm, der im Besitz des Vereins ist, wieder so hergestellt wird, wie er einmal war: mit Türen, Fenstern, Strom und verputzten Innenwänden. „Er soll wieder als Aussichtsturm genutzt werden können“, so der Vereinsvorsitzende. Für Ausflüge von Schulklassen und Kindergartengruppen. „Hier kann man gut Heimatkunde unterrichten. Wir wollen ja auch wieder eine kleine Sternwarte einrichten.“

Zur 800-Jahr-Feier Schönebecks im Jahr 2023 soll es bereits möglich sein, sicher auf den Turm zu gelangen. „Da muss noch einiges an der Bausubstanz passieren“, sagt der 34-Jährige und weist darauf hin, dass auf dem Dach bereits Bäume wachsen.

Dass aus der derzeitigen Ruine, die unter Denkmalschutz steht, wieder ein ansehnlicher Turm wird, das hat seinen Preis. „Ich denke, um die 100.000 Euro werden wir investieren müssen“, schätzt Christian Jakobs und hofft, dass der Verein auf Fördermittel bauen kann. Doch auch dann müsse immer ein Eigenanteil gestemmt werden.

Ehrenamtliche Hilfe

Seinen Beitrag möchte auch Thomas Schüler leisten. Der Schönebecker ist bekennender Lokalpatriot, der Hummelberg hat ihn schon immer interessiert. „Der Turm ist einfach ein schöner Aussichtspunkt. In der Schulzeit bin ich immer zum Rodeln hierher gekommen“, erinnert er sich. Das Ansinnen des Fördervereins findet er toll. Er möchte zwar nicht Mitglied werden, stehe aber mit Christian Jakobs in Mailkontakt und hat seine Hilfe angeboten: Es existieren Zeichnungen von 1870 vom Turm. Der Bauingenieur bietet dem Verein an, diese digital zu erstellen – kostenfrei. Am Sonnabend hat er vor Ort vom Vereinschef eine Kopie der historischen Zeichnungen erhalten.

Zu den Besuchern des Turms gehören auch Manfred und Ingrid Knape. Die beiden erzählen, dass sie einst oft auf dem Hummelberg gewesen seien. Hier habe es noch eine Gaststätte und einen See gegeben. „Es wäre schön, wenn sich hier wirklich etwas tut. Es gab schon so viele Gespräche“, sagt sie. Da hakt Gabriele Wendrock ein: „Wenn man mit älteren Leuten spricht und auf den Hummelberg kommt, sagen immer alle, hier oben ist es einst so toll gewesen.“ Gemeinsam mit ihrem Mann Stephan arbeitet sie im Förderverein mit. Somit sind beide interessiert, wenn es um das Turm-Areal geht. „Wenn jemand noch Fotos vom Turm hätte ... Da gibt es nämlich nur ganz wenige, höchstens Postkarten“, weiß er.

Erhaltenswert

Begeistert vom Engagement des Fördervereins, der sich 2012 gegründet hat, sind auch Christa Lorenz und Stefan Kühn. Sie ist Schönebeckerin, kennt den Turm noch als Sternwarte und das Umfeld als Rodelberg. „Er ist auf alle Fälle erhaltenswert. Bloß wer bezahlt das“, fragt sich Stefan Lorenz. Und mit dem Sanieren des Turms sei es ja auch nicht getan. Auch das Erhalten muss finanziert werden. Und aus seiner Sicht müsse da drumherum dann noch etwas geboten werden. „Alle Achtung vor den Leuten, die sich hier engagieren. Das ist wohl eine Lebensaufgabe.“

Dass es nicht einfach wird, ist den Turmrettern bewusst. Sie wissen aber auch, was für ein Schmuckstück hier im Dornröschenschlaf liegt. „Von oben kann man bis zum Brocken gucken“, erzählt Stephan Wendrock. „Und wir sind hier höher als auf dem Bierer Berg. Das sieht man nur nicht, weil alles zugewachsen ist.“ Auch er hofft, dass sich weitere Engagierte für das Projekt finden. „Momentan brauchen wir nicht unmittelbar Geld – wir brauchen helfende Hände. Das schafft Gemeinschaft“, wirbt er um weitere Mitstreiter – ob als Mitglieder im Verein oder als Unterstützer wie Thomas Schüler.

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