Schönebeck l Marco Winkler hat auf der roten Holzbank Platz genommen. Ihm gegenüber sitzen drei ungeduldig wirkende Jungs. Auf dem Tisch, der zwischen Winkler und den Jungen steht, liegt ein Markierer. Marco Winkler nimmt das luftdruckbetrieben Paintball-Sportgerät in die Hand und erklärt den Jungen, wie sie das Gerät sichern und entsichern, wie man Farbkugeln in das Magazin füllt und wie mit dem Markierer umgegangen wird. Obwohl die drei Burschen wohl am liebsten direkt auf das Spielfeld rennen würden, um sich gegenseitig mit den Farbkugeln zu beschießen, hören sie dem Mann gespannt zu.

Schießen ist dabei jedoch das falsche Wort. Das macht der Betreiber der Paintballanlage „Harlekin“ den Jungen auch klar. „Wir spielen hier keinen Krieg, wir spielen Paintball. Das ist keine Waffe, sondern ein Markierer. Und wir schießen nicht, wir markieren“, sagt Winkler. Dennoch ist auch das laute Knallen richtiger Schüsse zu hören. Das liegt aber daran, dass sich die Anlage neben dem Schießplatz des Schützenvereins befindet.

Verletzungen sind absolute Ausnahme

Der Paintball-Chef erläutert den Elf- bis Zwölf-Jährigen, wie ihre erste Partie abzulaufen hat. Die wichtigste Regel: Sein Wort und das von Kollege Adrian Stolte sind Gesetz. „Wir wollen, dass ihr Spaß habt und dass ihr euch nicht verletzt“ sagt Winkler.

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Verletzungen sind auch eine absolute Ausnahme. In den sechs Jahren, in denen Winkler und Stolte die Paintballanlage professionell betreiben, musste nach ihren Angaben nur einmal ein Krankenwagen kommen. Ein Spieler hatte sich beim Auftreten das Bein verletzt. Dafür, dass durch die umhersausenden Farbkugeln niemand verletzt wird, sorgt die Schutzausrüstung. Essenziell ist dabei die Maske, die das Gesicht schützt. Für die Kinder gibt es noch zusätzlich gepolsterte Westen. „Dass es auch mal zwickt, wenn man getroffen wird, und der eine oder andere rote oder blaue Fleck sind aber ganz normal. Das gehört dazu“, so Winkler.

Darüber hinaus wird bei Kindern eine andere Ausrüstung verwendet. Die Markierer sind beispielsweise deutlich schwächer, als die der Erwachsenen (Kinder: maximal 0,5 Joule; Erwachsene bis zu 7,5 Joule). Und auch die verwendeten Farbkugeln sind kleiner. Kinder nutzen Kugeln mit einem Kaliber von 50 Millimetern, Erwachsene welche mit Kaliber 68.

Den Finger vom Abzug

Während der Einweisung muss Winkler die Jungs mehrfach ermahnen. „Finger vom Abzug!“, bekommen die Drei diesen Vormittag mehrmals mit Nachdruck zu hören. Denn auch wenn die Markierer noch nicht geladen sind und sich eine Schutzeinrichtung vor dem Lauf befindet, so habe der Finger nichts am Abzug zu suchen, solange man sich nicht auf dem Spielfeld befindet. Dort ist dann aber Action erlaubt und erwünscht.

Auf dem rund zehn Hektar großen Gelände dürfen die Markierer benutzt werden. Farbkugeln sausen durch die Luft. Die Markierer geben mit jeder Betätigung des Abzugs ein „Flopp!“ von sich. Die Spieler hechten von Deckung zu Deckung oder warten ab und lauern den anderen auf. Dass man sich hier dreckig macht, stört keinen – ganz im Gegenteil.

Auch die drei Jungen sind nach der ersten Runde hellauf begeistert. Aufgeregt und voller Adrenalin tauschen sich über die eben erlebte Partie aus. Währenddessen füllen sie wieder die Magazine der Markierer auf. Auch die Maske eines Jungen muss gereinigt werden. Ein gelber Farbklecks beeinträchtigt die Sicht. Dann sind sie bereit für Runde zwei und machen sich sofort wieder auf zum Spielfeld.

Genau so soll es auch sein, meint Winkler. Für ihn steht fest: „Beim Paintball sind sie wenigstens draußen und bewegen sich, anstatt stundenlang vor der Konsole zu sitzen.“