Schönebeck/Kleinmühlingen l Konzentriert sind alle Kinderaugen auf Klaus Krüger gerichtet. Der ehemalige Profi-Radrennfahrer fährt bei der Proberunde auf der Salineinsel vor den Kindern her. Und die müssen sich die Strecke gut merken. Denn schon wenige Minuten später treten sie im Wettkampf gegeneinander an.

Vor 70 Jahren, im Jahr 1948, fand das erste Mal die Friedensfahrt statt – und zwar zwischen Warschau und Prag. Um dieses besondere Jubiläum zu ehren, hat der Leiter des Radsport-Museums „Course de la Paix“, Horst Schäfer, ein besonderes Programm auf die Beine gestellt.

Sportler feuern Kinder an

Die Freude steht nicht nur den Kindern ins Gesicht geschrieben. Denn jene Sportler, die einst bei der Friedensfahrt teilgenommen haben, stehen am Ziel und feuern die Kinder kräftig mit an.

Für den Tag – nach der Friedensfahrt am Vormittag geht es bis in die Abendstunden mit einer Feier im Radsportmuseum „Course de la Paix“ in Kleinmühlingen weiter – sind Radsportler unter anderem aus dem Libanon, den Niederlanden, Deutschland und Aserbaidschan angereist. Darunter auch Friedensfahrer Tarek Aboul Zahab, Friedensfahrtsieger Uwe Ampler und Axel Peschel, Weltmeister Gerrit de Vries und DDR-Meister Günter Hoffmann und Martin Goetze.

Bücher werden signiert

Prominenz, die auch zahlreiche Radsport-Fans nach Schönebeck auf die Salineinsel und später nach Kleinmühlingen zum Radsportmuseum zieht. „Hast du mal einen Stift für mich?“ ist eine Frage, die sehr viele Besucher an diesem Nachmittag stellen: Sie haben alte Bücher dabei, Streckenabschnitte aufgemalt und Gewinnernamen sauber aufgeschrieben. Alle Zuschauer erhalten die Gelegenheit, sich persönlich mit ihren „Helden von damals“ zu unterhalten. Dann geht es darum, sich die gesammelten Bücher signieren zu lassen.

„Kleinmühlingen hat noch nie so viel geballte Radsportprominenz an einem Ort gesehen“, ist sich Norbert Klaus aus Halle sicher. Der 60-jährige Hobbyradler ist mit dem Rennrad im Dorf angekommen und beobachtet das Geschehen. „Ich selbst fahre noch 100 Kilometer in der Woche. Aber nur, wenn es nicht regnet“, lacht er. Dann fällt sein Blick auf Gustav-Adolf „Täve“ Schur: „Er ist ziemlich häufig hier. Bei seinen ganzen Erfolgen bräuchte er hier niemandem mehr die Hand geben. Da ist es umso beeindruckender zu sehen, wie bodenständig er geblieben ist.“

Täve selbst erinnert sich noch sehr gut an seine erste lange Radtour: „Da bin ich ungefähr 150 Kilometer nach Berlin gefahren – da war ich abends so kaputt, dass ich nicht einmal mehr ‚Mama‘ sagen konnte.“

Genial gelaufen

Vor allem Museumsleiter Horst Schäfer wird von den Besuchern gelobt: „Ein Mann und sein Enthusiasmus“, ist da an den Tischen von den zahlreichen Gästen anerkennend zu hören: „Wahnsinn, was er da wieder auf die Beine gestellt hat mit seinem Engagement.“ Horst Schäfer selbst ist „mehr als zufrieden“ mit der Veranstaltung: „Genial gelaufen. Besser geht es nicht“, sagt er strahlend.