Calbe l Der Calbenser Getränkehersteller Duphorn und Franke wurde in diesem Jahr schon 140 Jahre alt. Thomas Höfs sprach mit dem Inhaber über die Herausforderungen für einen Familienbetrieb in einem Jahr wie diesem.

Volksstimme: Ihr Familienbetrieb ist in diesem Jahr seit 140 Jahren am Markt. Werden Sie im kommenden Jahr eine kleine Feier nachholen?
Hans-Peter Franke: Aus jetziger Sicht werde ich keine Feier nachholen, da immer noch schwierige Zeiten uns begleiten und man diesbezüglich nicht wirklich planen kann. Wir hatten unser 140-jähriges Jubiläum toll vorbereitet, Einladungen verschickt, Kunst und Kultur bestellt und mussten eine Woche vorher alles stornieren. Es ist ein immenser Arbeitsaufwand. Alle hatten sich darauf gefreut und dann die Absage. Auch unsere alljährliche Betriebsweihnachtsfeier fiel ins Wasser.

Hat es Sie überrascht, dass der Landrat Ihnen eine Urkunde zum 140-jährigen Bestehen überreicht hat?
Über den Besuch des Landrates Markus Bauer habe ich mich sehr gefreut. Er war ja auch als Festredner zum Jubiläum eingeladen. Umso mehr erfüllt es mich mit Stolz, dass unsere Firma vom Salzlandkreis wahr- genommen und gewürdigt wird.

Wo wird die Urkunde künftig ihren Platz haben?
Wir haben im Treppenhaus unseres Bürogebäudes eine Galerie mit derartigen Urkunden, die sich mit der Firmengeschichte befassen. Die älteste Urkunde ist von 1934, ausgestellt von der Köstritzer Schwarzbierbrauerei anlässlich einer 25-jährigen Geschäftsverbindung. Heißt, seit 1909 wurde von Hans Duphorn Köstritzer Schwarzbier in Calbe verlegt. Er füllte Köstritzer Schwarzbier vom Fass auf Flasche ab. Man kann es kaum glauben, aber der Füller ist noch da. Im Jahr 1986 - zur 1 500-Jahr-Feier in Calbe - füllten wir damit rote Fassbrause ab und verschenkten sie an unsere Einwohner.

Das Jahr 2020 war für viele Unternehmen eine Herausforderung, wie es sie bislang noch nicht gegeben hatte. Wie haben Sie bislang das Jahr erlebt?
Auch wir haben im Jahr 2020 neue Erfahrungen sammeln müssen. Ein Auf und Ab, ständig neue Herausforderungen durch die Corona-Pandemie galt es anzunehmen und umzusetzen. Mein Kalender, der sonst gut gefüllt ist mit Terminen des Festgeschäfts aller Art, besteht nur noch aus Rotstift-Stornierungen. Jeder weiß, dass die Veranstaltungsbranche komplett am Boden liegt. Insofern haben wir hier deutliche Einbußen hinnehmen müssen.

Als lokaler Produzent von Getränken sind Sie auch von den Gaststätten der Region abhängig. Wie wirken sich die wiederholten Zwangsschließungen aus?
Wir befinden uns mittlerweile im zweiten Lockdown. Für uns heißt das, dass zirka 100 Kunden, bestehend aus Hotellerie, Gastronomie, Restaurants sowie Cafés und Sportstätten, komplett schließen müssen, die wir nicht mehr beliefern können. Somit müssen wir ebenfalls mit unserem Vertrieb, Fuhrpark und Produktion in Kurzarbeit gehen. Das komplette Festgeschäft ist weggebrochen. Es fing an mit den Oktoberfesten und betrifft nun sämtliche Weihnachtsmärkte.

Wie lange wird es Ihrer Meinung nach dauern, bis die Wirtschaft die Einbußen dieses Jahres überwunden hat?
Niemand kann von uns in die Glaskugel schauen. Im Moment ist noch nicht einmal das Ende der Pandemie in Aussicht. Somit fällt es schwer, Prognosen zu stellen. Alle hoffen mittlerweile, dass im Frühjahr die Wirtschaft wieder vollumfänglich anspringt. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg und auch wir müssen diesen überstehen. Die finanziellen Mittel, die uns bereitgestellt werden, sind ein wesentlicher Faktor, die Zeit zu überbrücken. Dafür an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.

Wirkt sich die Corona-Pandemie bei Ihnen auf die geplanten Investitionen im kommenden Jahr aus?
Die geplanten Investitionen werden natürlich mit umgesetzt. Auch wir bekommen Fördermittel aus verschiedenen Programmen des Landes. Zu den Maßnahmen gehören der Austausch der Beleuchtung durch LED, der Einsatz von Brennwerttechnologie in der Heizung, der Austausch eines Fassfüllers und der Etikettierung in der Produktion. Aus den genannten Maßnahmen ergibt sich eine Einsparung von ungefähr 40 000 kWh und damit rund 20 Tonnen Kohlendioxid jährlich.

Der Geschmack bei Getränken unterliegt ja immer wieder bestimmten Moden. Was ist aktuell auf dem Markt besonders angesagt?
Eines der besten, neu kreierten Getränke ist die Zitrone-Ingwer. Wir hatten vor ungefähr drei Jahren damit begonnen und dieses Produkt hat sich sehr gut entwickelt. Es entspricht voll dem Zeitgeist, insbesondere durch die Zutat Ingwer. Die Verbraucher werden heute überschüttet von neuen Sorten und Getränken. Jedem Trend kann man natürlich nicht folgen. In diesem Jahr haben wir zum Firmenjubiläum drei neue Produkte für unsere Ranch aus der Taufe gehoben. Und zwar ein Ginger Ale, Bitter Lemon und Tonic. Auch hier bin ich mit der Entwicklung zufrieden. Aber es fehlt leider die Gastronomie als wichtiger Absatzmittler für diese Getränke.

Ganz zu Anfang produzierte Ihr Großvater Likör, als er das Unternehmen gründete. Wäre das heute noch eine Alternative für Sie?
Es ist richtig, am 1. April 1880 wurde die Firma als Mineralwasser- und Likörfabrik ge-gründet. Im Archiv der Firmenunterlagen bin ich immer noch auf der Suche nach dem Rezept. Aber warten wir mal ab, vielleicht werde ich noch fündig.

Bei Familienbetrieben stellt sich immer die Frage, ob die nächste Generation übernimmt. Wie sieht es bei Ihnen aus?
Nun, wir sind guter Hoffnung, dass unsere Tochter Alina in ein paar Jahren das Geschäft übernehmen kann. Momentan befindet sie sich in der Einarbeitung. Alina wurde zur Einzelhandelskauffrau ausgebildet, hat bisher im Einzelhandel gearbeitet und muss nun ihr Blickfeld auf den Großhandel erweitern. Sicherlich keine leichte Aufgabe, so ein Schiff zu navigieren. Aber die drei Standbeine - Produktion, Großhandel und zwölf eigene Getränkefachmärkte - stellen eine Basis dar und wenn ein Bein mal wackelt, wie in diesem Corona-Jahr, gibt es ja noch die anderen zwei Beine. Wir beschäftigen zurzeit 49 Mit- arbeiter und ich muss sagen, dass wir sehr gute Mitarbeiter haben, mit denen wir für die Zukunft gut gerüstet sind.

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