Schönebeck l Etwas verwundert waren die Elbenauer Anfang Oktober 2020, was denn da für ein Schacht an der Elbenauer Straße auf dem Grünstreifen zwischen Straße und Fußweg ausgehoben wird. Am Grund des Schachts zu sehen sind schwarze Leerrohre, in denen bunte Kabel verlaufen. Sieht ganz nach Glasfaserkabeln aus, mag der interessierte Laie sich da gedacht haben. Doch wer verlegt in Elbenau Glasfaser und warum wussten die Anwohner davon bislang nichts. Eine Postwurfsendung brachte dann des Rätsels Lösung – vermeintlich.

Zwar plant das Magdeburger Internetunternehmen MDDSL in Elbenau Glasfaserkabel zu verlegen, hatte darauf Ende September auch per Postwurfsendung aufmerksam gemacht, doch verantwortlich für den Schacht in der Elbenauer Straße ist das Unternehmen nicht. Das betont MDDSL-Kundenberater Christian Daul, der für den Bereich Elbenau zuständig ist, auf Volksstimme-Nachfrage ausdrücklich. Wer zuständig ist, war auch auf Nachfrage bei der Stadt Schönebeck und dem Salzlandkreis noch nicht herauszufinden.

Zwei Ausbaucluster in Elbenau

Auf Volksstimme-Anfrage berichtet MDDSL-Kundenbetreuer Christian Daul: „Elbenau wird aktuell in zwei Cluster also Ausbaugebiete eingeteilt. Hierbei findet aktuell eine Ost-West-Trennung statt, wobei der westliche Teil Elbenaus der Teil ist, der zuerst ausgebaut werden soll.“ Darüber wurden die betreffenden Haushalte per Briefwurfsendung informiert.

Konkret soll also sozusagen West-Elbenau, gemeint sind die Straßen im Dreieck Elbenauer Straße/Randauer Straße/Plötzkyer Straße inklusive Ranieser Straße und Schulzenstraße bis zur Abzweigung Ranieser Straße, an das Glasfasernetz angeschlossen werden. „Bevor mit den Glasfaserfaseranschlüssen in Elbenau begonnen werden kann, muss die Glasfaserleitung erst nach Elbenau gebaut werden“, berichtet Christian Daul. Denn in Elbenau gibt es aktuell keine Leitungen seitens der MDDSL. „Die Ausbauarbeiten sollen im Jahr 2021 abgeschlossen werden“, teilte das Unternehmen mit.

Glasfaser bringt schnelleres Internet

Aktuell sind in Elbenau Downloads mit bis zu 50 Mbit/s möglich. „Nach erfolgreichem Glasfaseranschluss sind Geschwindigkeiten möglich mit bis zu 450 Mbit/s im Download“, erklärt Christian Daul.

Die Häuser der Elbenauer, die sich für den Anschluss an das Glasfasernetz der MDDSL entscheiden, werden an das sogenannte FTTH-Netz (Fibre To The Home) angeschlossen. „Das bedeutet, dass unsere Kunden Glasfaser direkt bis in das Haus bekommen“, erläutert Daul das Vorgehen des Unternehmens.

Im Gegensatz dazu gibt es auch die FTTC-Technik. Würde diese verwendet, würden die Glasfaserkabel aber lediglich bis zu einem Kabelschrank gebaut werden, der mit dem Telekom-Netz verbunden ist. „Hierbei haben Sie das Problem, dass die veraltete Kupfertechnik der Telekom die Geschwindigkeit des Glasfaser ausbremst. Darum setzt die MDDSL auf 100 Prozent Glasfaser und baut FTTH-Netze“, sagt der Kundenberater.

Anschluss kostet

Und das kostet natürlich. „Die Baukosten betragen einmalig 600 Euro brutto. Die monatlichen Kosten richten sich nach Wahl des gewünschten Produktes.“ Die Übersicht über die verfügbaren Produkte haben die Elbenauer mit der Postwurfsendung bekommen. Grundsätzlich gilt: Je höher Down- und Upload-Geschwindigkeiten und das monatliche Datenvolumen sind, desto höher der monatliche Preis.

Die 600 Euro Anschlusskosten pro Haushalt müssen nicht zwangsläufig einmalig gezahlt werden, sondern können auch in Raten zu zehn Euro im Monat mit dem Paketpreis abgezahlt werden. Wer im Zuge der geplanten Netzausbauarbeiten im Jahr 2021 noch nicht angeschlossen werden möchte, kann dies theoretisch auch später nachholen. Der Preis für den späteren Anschluss richtet sich dann danach, wie weit man von der Glasfaserleitung entfernt wohnt. Sprich: Die Kosten für den Extraufwand könnten deutlich steigen.

Home Office besser möglich

Auch deshalb findet der in Elbenau wohnende Stadtrat Thoralf Winkler: „Ich sehe es als große Chance für unser Dorf, dass wir über Glasfaser an das Internet angeschlossen werden. Keine langsame Leitung mehr. Selbst hänge ich noch am DSL-Netz der Telekom, für Webseiten und E-Mail reicht es, aber bei Filmen aus der Mediathek wird es schon eng.“ Er selbst wohne im West-Bereich und werde sich anschließen lassen.

Sein Nachbar Philipp Raulien und dessen Familie wollen in Zukunft ebenfalls auf den MDDSL-Glasfaser-Anschluss setzen. Erst in diesem Jahr ist Philipp Raulien mit seiner Familie aus Magdeburg in das neu gebaute Eigenheim nach Elbenau gezogen und beruflich auf schnelles Internet angewiesen. „Ich freue mich, dass das Netz bald stabiler und schneller wird“, sagt er – auch mit Blick darauf, dass er schon seit sechs Jahren immer wieder im Home Office für eine Hamburger Werbeagentur arbeitet. Doch das war von Magdeburg aus, deutlich weniger problematisch, als es mit langsameren Internet in Elbenau aktuell ist.

Ost-Elbenau geht leer aus

Im Gegensatz zu „West-Elbenau“ geht der Ausbaubereich „Ost-Elbenau“ leer aus, was Glasfaserkabel direkt am Haus angeht. „Derzeit liegt keine Planung für den östlichen Teil oder für das Stadtgebiet von Schönebeck vor. Das bedeutet für den östlichen Teil von Elbenau nicht, dass ein Ausbau dort ausgeschlossen wird. Wer Interesse hat, kann sich gerne unverbindlich listen lassen“, macht Christian Daul Hoffnung, dass auch die anderen Haushalte des Stadtteils irgendwann von schnellerem Internet durch Glasfaser profitieren. Dazu meint Thoralf Winkler: „Als Stadtrat ist mir natürlich daran gelegen, dass keiner dadurch benachteiligt wird, weiter weg vom Glasfaser-Verteilerkasten zu wohnen. Deshalb hoffe ich, dass bald der zweite Bauabschnitt folgt und dieser alle weiteren Straßen umfasst – bis zum letzten Haus.“

Mit Verkehrsbehinderungen durch den Ausbau müssen die Elbenauer nicht rechnen. Denn: „Wir verlegen mit der sogenannten horizontalen Bohrspültechnik. Hierbei finden Bohrungen von bis zu 90 Meter von Loch zu Loch statt. Vorteil ist, dass Straßen, Gehwege oder die Grundstücke der Elbenauer wenig bis gar nicht belastet werden.“