Mittel von Bund und Land

DigitalPakt Schule

Nach dem Bundestag hat auch der Bundesrat zugestimmt. Der Bund stellt über einen Zeitraum von fünf Jahren 5,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Das Geld soll in die digitale Infrastruktur fließen: WLAN, digitale Geräte wie interaktive Tafeln und Laptops, Lernprogramme. Rein rechnerisch bedeutet das für jede der 40 000 Schulen in Deutschland im Schnitt 137 000 Euro und für jeden der derzeit 11 Millionen Schüler 500 Euro. Die ersten Projekte sollen noch in diesem Jahr beginnen.

Programm Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT):

Europäische Union und Land stellen 13,3 Millionen Euro im Zeitraum bis 2023 bereit. Es sollen moderne Infrastruktur geschaffen, die vorhandene erweitert und modernisiert werden. Die Schulen müssen in einem Konzept darlegen, wie sich moderner Unterricht und moderne Technik bedingen.

Jeder Schulträger kann pro Schule bis zu 200 000 Euro beantragen, die Förderung beträgt 75 Prozent.

Schönebeck l Die digitale Welt in der Sekundarschule Maxim Gorki Schönebeck lässt sich recht schnell aufzählen: Zwei Computerkabinette mit 16 Arbeitsplätzen für Klassen von bis zu 28 Schülern. Drei interaktive Tafeln. Vier PC-Arbeitsplätze für das Kollegium. 14 Laptops für das „Produktive Lernen“. Sieben Räume mit Beamter und Laptop. Aber: Aufgrund der baulichen Voraussetzungen ist nicht überall WLAN verfügbar.

Da müsste die Nachricht vom Digitalpakt Schule doch euphorisch stimmen. Vor allem da Leiterin Kerstin Gundlach sich vorgenommen hat, die Digitalisierung an ihrer Schule voranzutreiben. Doch sie ist skeptisch. „Wie lange der Digitalpakt gedauert hat ... Und wie schnell werden die Länder sein?“ Denn der Bund gibt das Geld an die Länder weiter, dort müssen die Mittel beantragt werden.

Die Gorkischule wartet bereits – auf Mittel aus dem IKT-Landesprogramm. Das ist 2017 angelaufen. Der Salzlandkreis hat laut Kreissprecherin Marianne Bothe für 2018 Anträge gestellt: für die Gorkischule (178.500 Euro beantragt) und die Lerchenfeldschule aus Schönebeck (178.500 Euro), die Schule Förderstedt (150.000 Euro) und die Burgschule Aschersleben (18.750 Euro). Der Kreisanteil sei gesichert. Doch eine Antwort vom Land stehe noch aus.

Budget reicht nicht aus

Und das hat seinen Grund: In der aktuellen Auswahlrunde seien 58 Anträge mit gewünschten Zuwendungen von etwa 4,7 Millionen Euro eingereicht worden, teilt Gabriele Städter vom zuständigen Landesverwaltungsamt mit. „Das beantragte Fördervolumen übersteigt das zur Verfügung stehende Budget erheblich.“ Man bemühe sich um zusätzliche IKT-Mittel. Doch dazu stehe eine Entscheidung bis dato aus, somit könnten die Anträge noch nicht entschieden werden.

Eine Situation, die Kerstin Gundlach alles andere als zufrieden stimmt: „Wir sind in der Warteschleife, hängen in der Schwebe.“ Dabei mutet ihre Wunschliste für die heutige Zeit sehr spartanisch an: „Wir wünschen uns eine Verkabelung, eine mobile Lösung für zwei Klassen und eine Ausrüstung mit Tablet oder Laptop für zwei Klassen mit mindestens 25 Schülern.“ Die bestehenden Computerräume seien durch den Technikunterricht ausgelastet, doch in anderen Fächern solle es ebenso möglich sein, auf moderne Weise zu arbeiten. Besonders wichtig sei eine mobile Lösung auch für Schüler mit Förderbedarf oder Migrationshintergrund, da die Software vielfältig sei.

Fortbildung

Die Zeit des Wartens nutzt das Lehrerteam der Gorkischule sinnvoll, indem sich Kollegen fortbilden. „Wir wollen ja nicht, dass die Hardware angeschafft wird und keiner kann damit arbeiten“, sagt Kerstin Gundlach. Man habe sogenannte Moderatoren eingeführt, die an Fortbildungen teilnehmen und ihr Wissen weitergeben. Bei einigen Kollegen müsse zwar Überzeugungsarbeit geleistet werden. Aber es gebe keinen, der sich generell verweigert, freut sie sich.

Die Schulleiterin regt an: „Große Konzerne wechseln nach wenigen Jahren ihre Technik aus. Warum geben sie die nicht uns? Für die Firmen veraltet, für uns noch hochmodern.“ Immerhin erwarte die Wirtschaft von der Schule, dass sie zukünftige Fachkräfte ausbilde. „Wir haben aber auch Schüler hier, die sich daheim keinen Computer leisten können. Wo, wenn nicht in der Schule, sollen sie damit in Berührung kommen?“ Oder wenn man bedenke, dass Eltern für Leihbücher rund 30 Euro pro Schuljahr zahlen. Stattdessen könnte es E-Books (elektronisches Buch) geben. Die Ranzen der Kinder wären leichter, da sie nur noch das Laptop mitnehmen müssten. „Daran sind die Schulbuchverlage natürlich nicht wirklich interessiert“, ist ihr bewusst. Da seien Land und Bund gefordert.

Tropfen auf heißen Stein

Mit dem einmaligen Ausschütten von Geld ist es nicht getan, findet Kerstin Gundlach. „Wenn wir Geld bekommen, sagen wir nicht Nein. Aber das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, so Kerstin Gundlach. Doch die digitale Welt sei schnelllebig. Sie fände es besser, wenn die Technik kontinuierlich aktualisiert wird.

Guter Hoffnung ist sie hingegen, dass sich in Sachen Brandschutz demnächst einiges an ihrer Schule tut. „Auf der Prioritätenliste stehen wir weit vorn. Da könnte bei den Arbeiten vielleicht in Sachen Verkabelung gleich Einiges mit getan werden.“