Plötzky l Der Grünen-Stadtrat Thoralf Winkler hat erneut Kritik an der neuen Bogensportanlage am Edersee in Plötzky geäußert. „Ich habe Zweifel, dass die Sicherheit gewährleistet ist, wenn die Schützen direkt am Ufer schießen“, sagte Winkler im jüngsten Hauptausschuss. Zwar würden die Bogensportler nicht auf den See hinaus schießen. Aber: „Einige Ziele stehen direkt am Wasser, so dass parallel zum Ufer geschossen wird. Wenn jemand im See badet, besteht durchaus Gefahr.“ Thoralf Winkler forderte die Stadtverwaltung daher zu einer Sicherheitsüberprüfung und zu einer Evaluierung der Anlage nach einiger Zeit auf.

Thoralf Winkler spricht sich zudem dafür aus, dass die Anlage nach den selbstgesetzten Sicherheitsregeln des Deutschen Schützenbundes überprüft werden soll. Dazu gehört etwa beim 3D-Bogensport, dass sich im so genannten akuten Gefahrenbereich (Zone A) im Schussbereich 50 Meter hinter dem Ziel keine Personen aufhalten dürfen oder dass dahinter Pfeilfänge stehen müssen. Auch Wege sollten dort nicht lang führen. Der Gefahrenbereich öffnet sich vom Schützen aus in Winkel von 15 Grad. In der so genannten Zone B, die im Winkel von 30 Grad ver-läuft, muss nach den Sicherheitsregeln des Deutschen Schützenbundes sichergestellt werden, dass sich dort beim Schießen keine Personen aufhalten.

Die selbstgesetzten Sicherheitsregeln des Deutschen Schützenbundes sind allerdings nicht rechtlich verbindlich. Beim Bogen handelt es sich technisch gesehen auch nicht um eine Waffe, sondern um ein Sportgerät. Begründung: Der Bogen wird mit Muskelkraft betrieben. Er kann aber im Gegensatz zu Schusswaffen oder zu einer Armbrust keine Kraft speichern.

Alle Auflagen eingehalten

Der Betreiber der Bogensportanlage, Torsten Sperling vom Unternehmen Falconrider aus Gommern, betont, dass all diese Auflagen auch eingehalten werden. „Ich bin selbst Schießstandaufsicht beim Schützenbund. Wir haben ein großes Interesse daran, dass alle Auflagen eingehalten werden und niemand verletzt werden kann“, sagte er. „Wir haben die meisten Ziele vor Hügeln aufgestellt, die einen natürlich Pfeilfang bilden.“

Ansonsten sind die Ziele so platziert, dass nach unten geschossen werde und der Boden einen natürlichen Pfeilfang bilde. In einigen Fällen gibt es auch zusätzliche Pfeilfänge aus Kunststoff. Auch die Ziele am Ufer seien notwendig, damit es auf dem Gelände ausreichend Stationen für den Wettkampfbetrieb gibt.

„Das Ordnungsamt war hier und hat alle Ziele fotografiert und abgenommen. Wir achten darauf, dass nichts passieren kann“, versicherte der Betreiber. In Zeiten von Corona sei die Anlage aber auch erst einmal bis auf weiteres geschlossen. Bei dem so genannten 3D-Bogensport schießen die Schützen nicht auf Zielscheiben, sondern auf dreidimensionale Attrappen aus Kunststoff von Wildtieren wie Wildschweine, Hirsche oder Füchse.

Der Betreiber rechnet mit mehreren Tauschend Besuchern im Jahr. An den ersten beiden Wochenenden waren jeweils rund 30 Sportler auf der Anlage, darunter auch Vereine aus dem Harz und Berlin. Das Areal der Bogensportanlage ist eingezäunt. In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Kritik gegeben, weil der Edersee dadurch nicht mehr komplett zugänglich ist. Auch Sicherheitsbedenken wurden geäußert. „Der Campingplatz war früher aber eigentlich auch nicht öffentlich zugänglich“, sagte Bogenschütze Torsten Sperling. „Die Leute haben sich nur einfach nicht daran gehalten.“

Stadt: Keine Beanstandungen

Bei der Sitzung des Hauptausschusses wies Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) die Kritik des Stadtrats Winkler zurück. „Wir haben alle Anfragen zur Bogensportanlage ausreichend beantwortet“, sagte er. Das Ordnungsamts der Stadt Schönebeck habe die Anlage überprüft und abgenommen. Auch ein Experte sei vor Ort gewesen. Es gebe nichts zu beanstanden. Die geforderte Evaluierung werde es nach fünf Jahren geben. So lange hat das Unternehmen Falconrider den ehemaligen Campingplatz von der kommunalen Naherholungsgesellschaft vorerst gepachtet.

Der Polizei im Salzlandkreis sind nach Angaben von Sprecher Marko Kopitz bisher keine Vorfälle oder Anzeigen im Zusammenhang mit Bogenschützen in der Region bekannt. Für die Genehmigung von Bogensportanlagen seien die kommunalen Ordnungsämter zuständig. Bei einer eventuellen Verletzung durch einen Bogensportler könnte es sich möglicherweise um eine fahrlässige Körperverletzung handeln.

Bei der Abteilung Bogensport von Union Schönebeck 1861 hat man sich bisher noch nicht mit der neuen 3D-Bogensportanlage beschäftigt. „Wir schießen ausschließlich auf Scheiben“, sagte Abteilungsleiter Bernd Modler. Hinter den Zielen auf der Bogensportanlage an der Barbarastraße stehen vorschriftsmäßig Pfeilfänge. Die Sportschützen schießen dort auf Ziele in bis zu 90 Meter Entfernung. Ohne Pfeilfänge würde dahinter ein Sicherheitsabstand von 200 Meter einzuhalten sein.