Barby l Christian Pinkert hätte auch mit Koniferen, ein paar Gartenzwergen oder bunten Pampagräser seinen Vorgarten aufwerten können. Hat er aber nicht.

Auf seinem Grundstück im Magdeburger Tor gibt es seit Sommer 2017 einen anderen Hingucker. Es ist eine überdimensionale Uhr, die jedem größeren Bahnhof Ehre machen würde. Darunter dreht sich ein Würfel, der auf seinen vier Seitenflächen der Menschheit wichtige Dinge verkündet: Erstens wirbt der 32-Jährige für seine Tiefbaufirma, zweitens ist ein Feld an einen Barbyer Bestatter viermietet und drittens macht Christian Reklame für seine Leidenschaft, die Feuerwehr. Was kein Wunder ist. Denn der Barbyer ist durch seine Familie erblich belastet: die Großeltern trugen die blaue Uniform und die Eltern tun es noch immer. Sohn Malte steht in vierter Generation in den Startlöchern.

Und was noch bemerkenswert ist: Das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Barby steht genau gegenüber des Pinkert-Hauses. Deswegen ist es kein Kunststück, wenn Christian im Einsatzfall keine Minute braucht, um am Löschfahrzeug zu sein.

Doch wie kommt ein junger Mensch, der mit Hingabe und viel Kreativität sein Haus gestaltet, auf die Idee, eine Riesenuhr auf seinem Grundstück aufzubauen? Christians Antwort ist ebenso einfach wie einleuchtend: „Weil sie mir gefällt.“ Ein Onkel von ihm habe beruflich damit zu tun und ein gebrauchtes Modell aus dem Harz übrig gehabt.

Somit installierte der 32-Jährige beinahe einen Superlativ in Barby. Denn außer der vierblättrigen Kirchturmuhr auf St. Marien gibt es keinen weiteren öffentlichen Zeitanzeiger in der Elbestadt. Derweil das alte mechanische Turm-Chronometer aus dem 19. Jahrhundert hin und wieder so seine Schwierigkeiten mit der Ganggenauigkeit hat, kann sich der eilige Mensch auf Pinkerts Uhr verlassen. „Das ist eine Funkuhr. Sie bekommt ihr Signal von der Atomuhr in Frankfurt“, weiß Christian Pinkert. Eine Atomuhr funktioniert auf Grundlage eines Taktgebers und eines Zählwerkes. Statt Pendel oder Unruh sind die Taktgeber Cäsium-Atome.

Bevor er das imposante Gemisch von Zeitanzeiger und Werbe-Drehwürfel aufstellte, musste Pinkert allerdings erstmal seine Schularbeiten machen. Nicht die technischen, sondern die behördlichen. Denn in Deutschland errichtet man nicht einfach mal so mir nichts, dir nichts ein Chronometer auf seinem eigenen Grundstück, das die Öffentlichkeit sehen kann. Weil die Werbeflächen einen Quadratmeter überschreiten und weil das Ding so unanständig lang ist, brauchte es eine Baugenehmigung.