Pretzien l Flussbereichsleiter Ronald Günther berichtete den Besuchern der kleinen Feierstunde zum 145. Geburtstag über die bewegte Geschichte, auf die das historische Bauwerk zurückblicken kann.

Die Menschen in der Region hatten ein Problem: Immer wieder spürten sie die heftigen Folgen der schier unbändigen Naturgewalt. Die Elbe trat immer wieder über die Ufer. Selbst niedriges Hochwasser wurde zum Verhängnis für Mensch und Tier. Die Folgen waren verheerend. Hungersnöte und hohe materielle Verluste belasteten die Region. Dies war, wie Günter verdeutlichte, auch eine Folge kleinteiliger Hochwasserschutzmaßnahmen. „Jeder Ort hatte sein eigenes Konzept gegen die Fluten“, verdeutlichte er in seinem Vortrag.

Lösungen gesucht

Das rief im 19. Jahrhundert Ingenieure, Industrielle und sogar Militärs auf den Plan. Zuvor hatte die Bevölkerung bereits mit den Folgen schwerster Überschwemmungen, wie 1862 als Ranies, Grünewalde, Gübs und Biederitz zu einer wahren Seenlandschaft wurden, zu kämpfen. Kurzum: Lösungen mussten her!

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Die so genannte Elbenauer Deichregulierungs-Sache beschrieb die Ursachen für Hochwasser und zeigte ebenso, wie Günther in seinem Vortrag betonte, Lösungen auf. Darin heißt es: „Die alte Elbe ist als irregulärer Beifluß der Elbe zu bezeichnen, welche die Hochfluten in der Niederung verschleppt.“ Daraus resultierten laut diesem Dokument eine Verschleppung des Schifffahrtswassers bei den Orten Glinde, Schönebeck, Westerhüsen und Salbke. Außerhalb von Flutzeiten bekamen also Schiffe ein Problem – und damit auch die Industrie. Somit diente das Pretziener Wehr auch zur Regulierung der Wasserstände auf der Elbe.

Schutz vor Überflutung

„Aufgaben und Funktionen des Wehrs ist die Aufhöhung des Wasserstandes der Elbe bei Niedrigwasser, Hochwasser, Schutz der unterhalb des Wehres gelegenen Niederung vor Überflutung bei kleinen und mittleren Hochwässern. Bei starkem Hochwasser soll das Wehr geöffnet werden und die Flächen innerhalb des Umflutkanals geflutet werden“, erklärte Ronald Günther.

Schließlich wurde das Bauwerk – weltweit einzigartig, wie Günther sagte – zum Weihnachtshochwasser 1875 in Betrieb genommen. Einige Monate später, im Februar 1876 sorgten allerdings Eisschollen für erhebliche Schäden. Doch die Techniker fanden Lösungen. Lösungen gegen alle Widerstände, Umweltauflagen und Petitionen. So gute, dass das Wehr in seiner Geschichte 64-mal geöffnet wurde – weitere folgen bestimmt.