Barby l „Einen Deichverteidigungsweg unmittelbar am Deichfuß des ‚45er Bruch‘ forderte der Barbyer Ortschaftsrat Klaus Strobel (CDU). Anfang Juni war es dort zu einer kritischen Situation gekommen, die durch zahlreiche Helfer verhindert wurde. Der Ort bei Monplaisir konnte anfangs nur mit Schubkarren erreicht werden, mit denen man die Sandsäcke über mehrere hundert Meter transportierte. Später wurden sie von Landwirten mit schwerer Technik über den aufgeweichten Acker gebracht.“ Diese Meldung war im August 2008 in der Volksstimme zu lesen. Seitdem ist viel Wasser die Elbe hinunter geflossen.

„45er Bruch“ gesichert

2015 wurde der besonders gefährdete Abschnitt am „45er Bruch“ im Rahmen der Hochwasserschadensbeseitigung mit einer Spundwand gesichert. Sie übernimmt dabei die Funktion einer statisch wirksamen Kerndichtung.

Doch nun beginnt die Ertüchtigung des Deiches von der alten „Maisan“ bis zur Überfahrt am Deichwachthaus am Glinder Jungeswerder. Der Abschnitt ist 4,1 Kilometer lang.

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Wie Flussbereichsleiter Ronald Günther mitteilt, soll dieser Abschnitt nach den gültigen Normen DIN-gerecht saniert werden, wie man sie vor Jahren am Deich bei Ranies anwendete. Auch die Katastrophenstelle am Breitenhagener Schöpfwerk und weiter nach Klein Rosenburg wurde auf diese Weise neu aufgebaut. Wesentliches Merkmal ist die Verbreiterung der Berme, also der landseitigen Stützböschung. Darauf wird auch ein Deichverteidigungsweg angelegt.

Wüstes Schloss bleibt unberührt

Kurz vor der Deichüberfahrt am Jungeswerder am Kilometer 4,1 befindet sich die Gemarkung „Wüstes Schloss zum Hagen“. Die Konturen einer geringen Bodenerhebung, an der noch in den 1970er Jahren Mörtel- und Dachziegelreste gefunden wurden, sind durch Baum- und Buschbewuchs schlecht erkennbar. Besonders am Rande der südlichen Burgstelle fand man jahrzehntelang deutsche und slawische Scherben sowie Ziegelsteinbruch. Sogar ein spätmittelalterliches Hufeisen gab der Boden in den 60er Jahren frei.

Wann das „Schloss“ wüst wurde und verfiel, ist nicht genau bekannt. In gut einem Kilometer Entfernung liegen die Reste der Burg Glinde, deren Wallanlagen wesentlich imposanter sind.

Auch wenn die geschichtliche Bedeutung des „Hagens“ im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit geriet, gilt der Ort heute als Biotop, das bis an den Deichfuß reicht. „Aus diesem Grund kommt es dort zu einer Sonderlösung im Deichbau“, sagt Günther. Soll heißen: Wie am „45er Bruch“, der auch bis direkt an den Deichfuß reicht, werde am „Hagen“ eine Spundwand gerammt. Anderenfalls käme ein Teil des Biotops unter den Bagger, weil die Berme Platz braucht. Wenn die Lieferung der Spundbohlen noch in diesem Jahr erfolgt, beginne auch der Einbau, so der LHW-Ingenieur.

Erdarbeiten beginnen

Die Erdarbeiten für den ersten Bauabschnitt beginnen in diesen Tagen. Gebaggert wird von der Überfahrt bei Monplaisir bis zum „45er Bruch“. Laut Günther werden drohenden Hochwassergefahren in jedem Falle dabei Rechnung getragen. Man baut also so, dass der alte Deich in jedem Fall seine Schutzfunktion beibehält. Die Archäologen hatten den Bereich untersucht, aber nichts gefunden.