Schönebeck l Stadtrat Mark Kowolik (parteilos) hatte die Frage nach den Internetverbindungen in sozialen Netzwerken aufgeworfen. Die überwiegende Reaktion der Nutzer: Die Internetleitungen funktionieren. Doch es gibt Gebiete in der Elbestadt, die noch immer in der digitalen Steinzeit hängen.

Schneckentempo östlich der Elbe

Gerade in Gebieten östlich der Elbe kommt das Internet an seine Grenzen. Kowoliks Fraktionskollege Thoralf Winkler (Grüne/Bunte Fraktion) lebt in Elbenau und geht mit etwas abenteurlicher Technik ins Netz. Er nutzt einen herkömmlichen Router und zusätzlich eine mobile SIM-Karte (diese Technik kommt auch in Mobiltelefonen zum Einsatz) und erreicht so eine Internetgeschwindigkeit von acht Mega-Bits pro Sekunde. Das liegt ganz weit unter dem aktuellen Standard – Homeoffice wird zur Geduldsprobe.

Doch für Winkler besteht Hoffnung: Der private Internetanbieter MDDSL hat bereits mit dem Breitband-Ausbau in Elbenau begonnen (Volksstimme berichtete). Allerdings profitieren nur Teile des Ortes davon. Tino Severin wird auf das schnelle Internet noch etwas warten müssen. Der Familienvater wohnt in dem Teil von Elbenau, bei dem das private Unternehmen MDDSL zunächst nicht weiter ausbauen möchte.

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Mobile Behelfslösung

Er und seine Familie kriechen im Schneckentempo durch das World Wide Web. „Die Telekom versorgt uns nur mit einer 2000er-Leitung“, erklärt Severin. Zu wenig, um etwa Filme flüssig zu schauen oder Spiele zu spielen. Mit einer mobilen Lösung des privaten Anbieters Vodafone erreicht die Familie erträgliche Internetgeschwindigkeiten, die zumindest unter der Woche halbwegs flüssiges Surfen ermöglichen. „Am Wochenende, wenn alle im Internet sind, wird es aber schwierig.“

Ganz so drastisch wie bei Tino Severin ist die Lage bei Philipp Martini in der Plötzkyer Straße nicht. Er hat noch einen der begehrten „Steckplätze“ im Verteilerkasten von MDDSL erhalten und surft mit einer Kupferleitung mit bis zu 16 000 Mbits. Daher funktioniert derzeit Arbeiten von zu Hause noch ohne größere Schwierigkeiten. „Ich habe aber auch keine großen Datenmengen“, so Philipp Martini. Wenn aber Schulunterricht zu Hause oder ähnliches hinzu käme, würde es eng werden. Der private Anbieter MDDSL baut vor Martinis Haustür bisher nicht aus. „Es ist eine grundsätzliche Frage, ob Glasfaserausbau im ländlichen Bereich vergessen wurde“, so der Elbenauer. „Dadurch, dass es jetzt private Anbieter übernehmen, machen sie natürlich die Regeln.“ Er wünscht sich beispielsweise klare Spielregeln, auch für private Anbieter, etwa Ausbaupläne für ganze Orte umzusetzen. Stellenweise, gibt er zu bedenken, sei die aktuelle Umsetzung des Breitbandausbaus schon „ziemlich willkürlich“.

Stadt bezieht sich auf Studie

Aber wer ist für den Breitbandausbau zuständig? In Schönebeck kümmern sich die Stadtwerke um den Breitbandausbau, wie der städtische Pressesprecher Frank Nahrstedt auf Volksstimme-Anfrage erklärte. „Schönebeck ist bereits gut aufgestellt er“, teilte Nahrstedt mit. Vor einigen Jahren habe es eine Machbarkeitsstudie gegeben. Alle Schönebecker Haushalte, Gewerbetreibende und öffentliche Einrichtungen hätten die Gelegenheit gehabt, Bedarf anzumelden und auf Schwierigkeiten hinzuweisen – mit mäßigem Erfolg. „Da die Teilnahme der Bürger und Unternehmen unterdurchschnittlich gering war, wurde hier noch einmal bestätigt, dass es in Schönebeck kein grundsätzliches Problem bezüglich der Netzabdeckung gibt“, so Nahrstedt. Die Stadtwerke beziehen sich nach Volksstimme-Recherchen auf eine Umfrage aus dem Jahr 2011. Ein langer Zeitraum im digitalen Wandel.

Es werde dennoch am Breitbandausbau gearbeitet. So hätten Stadt und Stadtwerke den Breitbandausbau bereits in Teilgebieten realisiert. Als Beispiel nennt Nahrstedt den Markt, Burgwall, Industriepark-West und Ranies.

In einem Schreiben, das Stadtrat Thoralf Winkler auf Anfrage erhielt und das der Volksstimme vorliegt, betont Bürgermeister Bert Knoblauch (CDU) noch einmal, dass die Stadt weiter am Breitbandausbau arbeite. In den Jahren 2021 bis 2024, so heißt es in dem Schreiben, konzentriert sich der Ausbau auf das Stadtgebiet, wobei von einer wirtschaftlich erschließbaren Quote von circa 70 Prozent auszugehen ist. Ab 2024 erfolgt die weitere Erschließung der ostelbischen Gebiete. Diese werden bei auskömmlicher Wirtschaftlichkeit bedarfsgerecht ausgebaut.