Treib- und Drückjagd

Treib- und Drückjagden sind Begriffe, die unterschiedliche Methoden beschreiben, Wild zum Zwecke der Bejagung zu den Jägern zu bringen, definiert Jens Dedow, Revierleiter des Reviers Elbaue des Landesforstbetriebs Sachsen-Anhalt.

Bei der Drückjagd ist eher die Methode, Wild so „aufzuscheuchen“, dass es nicht in höchster Flucht am Schützen vorbeikommt, sondern langsam zieht, um die Möglichkeit eines Wahlabschusses zu haben. Bei einer Treibjagd wird das Wild mehr oder weniger getrieben und kommt sehr schnell.

Wenn heutzutage die Ankündigung „Treibjagd“ auf einem Schild an der Straße oder an einem Waldweg steht, geschieht dies mit diesem Begriff und nicht mit der Bezeichnung Drückjagd, weil das dem „Normalbürger“ verständlicher ist als der Begriff „Drückjagd“. Die Regel ist aber heutzutage die Drückjagd, die auch Stöberjagd genannt wird.

Schönebeck/Staßfurt l Mitte Januar 2020 erreichte die Redaktion ein offener Brief, adressiert an die Jägerschaft Schönebeck. Verfasst hat den Brief Nicole Dräger. Sie wendet sich in dem Schreiben direkt an Jens Dedow in seiner Funktion als Vorsitzender der Schönebecker Jägerschaft und fragt schon im Betreff: „Soll unser Wald von Rehen befreit werden?“.

Jens Dedow ist allerdings nicht nur Vorsitzender der Schönebecker Jägerschaft, sondern auch Revierleiter des Reviers Elbaue des Landesforstbetriebs Sachsen-Anhalt. Zur Frage aus dem Betreff und dem im Brief erwähnten Gerücht, die Landesforstverwaltung wolle die Wälder in der Gegend von Rehen befreien, sagt Jens Dedow: „Sicher ist für die gesamte Jägerschaft, dass niemand das Rehwild ausrotten will. Wie hoch die jeweilige Rehwilddichte oder die Wilddichte anderer Arten ist, hängt von den jeweiligen örtlichen Bedingungen und Zielen der bewirtschafteten Fläche ab.“

Landkreis genehmigt Abschusszahlen

Kreisjägermeister Jens Hennicke sagt dazu: „Jeder Jagdpächter und ebenso der Landesforstbetrieb haben einen Abschussplan, der im Jagdbeirat des Landkreises besprochen und vom Landkreis genehmigt wird. Die Zahl der zu erlegenden Rehe wird für jedes Jagdjahr geplant und genehmigt.“ An diese Zahlen müssen sich die Jagdpächter und ebenso der Landesforstbetrieb halten und sie erfüllen. „Somit geht es nicht darum, ‚den Wald von Rehen zu befreien‘, sondern um die Erfüllung des hoheitlich durch den Landkreis festgelegten Abschussplans“, erklärt der Kreisjägermeister des Salzlandkreises.

Die Jagd finde aber nicht primär auf Rehwild statt, sondern auch deshalb, um die Schwarzwildbestände zu reduzieren. Denn diese sorgen für große Schäden in der Landwirtschaft. Und insbesondere mit Blick auf die zu erwartende Afrikanische Schweinepest (die Volkstimme berichtete) ist eine Reduzierung der Bestände zwingend erforderlich. „Um dies effektiv zu erreichen, sind gut organisierte Drückjagden sehr effizient und zielführend“, findet Jens Hennicke.

Drückjagden bedürfen keiner Meldung

Doch wer organisiert so eine Drückjagd eigentlich? „Jeder Pächter oder Eigenjagdbesitzer kann die Jagd unter der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben selbst gestalten“, sagt Revierleiter Jens Dedow.

Einen Überblick darüber, wann Drückjagden stattfinden, gibt es allerdings nicht. „Drückjagden müssen nicht angemeldet werden“, erklärt Jens Dedow. Auch Kreisjägermeister Jens Hennicke habe keinen Überblick über die Termine der einzelnen Jagden, da die zuständigen Jagdpächter selbst entscheiden, wann und wie in ihrem Revier eine Drückjagd durchgeführt wird. Entsprechend ist eine Aussage zu den nächsten Terminen nur von den Jagdausübungsberechtigten zu erfahren.

Jagdschein als Voraussetzung

Die letzte Jagd im Altkreis Schönebeck habe laut Schönebecks Jägerschaftsvorsitzendem Jens Dedow am 11. Januar im Lödderitzer Forst stattgefunden.

Teilnehmen kann an einer Drückjagd jeder, der einen gültigen Jagdschein besitzt. „Eine Ausnahme besteht bei den Jugendscheinbesitzern. Diese dürfen erst ab dem 18. Lebensjahr an Gesellschaftsjagden teilnehmen“, erklärt Jens Hennicke. Jens Dedow ergänzt: „Der Jagdschein als Voraussetzung zur Teilnahme setzt ein umfangreiches Wissen mit einer staatlichen Prüfung voraus. Auch schreiben Verordnungen und Gesetze den Ablauf und Mindestanforderungen an eine Drückjagd vor, die von jedem, der so eine Jagd durchführt, eingehalten werden müssen.“

Sicherheit an erster Stelle

Zum Ablauf einer solchen Drückjagd berichtet der Kreisjägermeister: „Bei einer Drückjagd wird das Wild in den Einständen beunruhigt und kommt vertraut bei den abgestellten Schützen vorbei. Die Jagd ist meisten auf zwei bis drei Stunden angesetzt. An erster Stelle steht die Sicherheit. Diese hat Vorrang vor dem Jagderfolg. Um die Jagden durchführen zu können, laden die jeweiligen Jagdpächter befreundete Jäger, Nachbarn und Gäste ein. Dies ist notwendig, damit die Jagd erfolgreich wird und die einzelnen Stände auch besetzt werden können.“

Die Sicherheit der Jagdteilnehmer stehe schon bei den Vorbereitungen einer solchen im Vordergrund der Vorbereitungen, sagt Kreisjägermeister Jens Hennicke. „Die Vorbereitung einer derartigen Jagd ist sehr aufwendig. Da geht es um die Festlegung der einzelnen Stände, die Planung der Verwertung der Strecke, das Werben um Treiber und Hundeführer und das Einladen der Gäste.“

Wann also im Salzlandkreis die nächste Drückjagd, die auf den Hinweisschildern zwar meist als Treibjagd bezeichnet wird, stattfindet, ist über die offiziellen Stellen nicht zu erfahren – weil Drückjagden eben nicht gemeldet werden müssen.