Gnadau l Den Höhepunkt bildet das Festwochenende vom 16. bis 18. Juni. Im Jubiläumsjahr wird die Volksstimme monatlich ein aktuelles „Kalenderblatt“ veröffentlichen, das vom Vorbereitungskreis erstellt wird. „Auf dem Kalenderblatt findet der Leser Interessantes über den jüngsten Ortsteil der Stadt Barby und die aktuellen Veranstaltungen des jeweiligen Monats“, berichtet Astrid Mewes, die zum Vorbereitungskreis gehört.

Am 17. Juni 1767 wurde der Grundstein des ersten Gnadauer Hauses gelegt. Aber wie kam es überhaupt zur Gründung dieses Ortes? Dazu sei ein Blick in die Geschichte erlaubt:

Evangelische Glaubensflüchtlinge aus dem katholischen Böhmen und Mähren hatten unter dem Reichsgrafen Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf als neue Heimat den Ort Herrnhut bei Görlitz und damit die Brüdergemeine gegründet. Daraus resultierende politische und kirchliche Spannungen bewirkten, dass der Graf zeitweise aus Sachsen verbannt wurde.

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Schloss war Stützpunkt

Aber der sächsische Hof brauchte Kredite, um zum Beispiel die rauschenden Feste im Dresdner Zwinger zu finanzieren. Und der Reichsgraf Zinzendorf konnte Geld über holländische Brüdergemein-Mitglieder vermitteln. Was machte der sächsische Kurfürst also mit jemandem, den er zwar brauchte, aber auch „weghaben“ wollte?

„Die Brüdergemeine bekam die außerhalb des sächsischen Kernlandes liegende, aber damals zu Sachsen gehörende Grafschaft Barby zur Pacht angeboten. So war allen geholfen“, weiß Astrid Mewes. 60 Jahre lang war das Barbyer Schloss ein wichtiger Brüdergemein-Stützpunkt. Nicht nur das Pädagogium, die Druckerei, eine Sternwarte und das Naturalienkabinett befanden sich an der Elbe.

Zeitweise war Barby auch der Sitz der brüderischen Kirchenleitung und Ort wichtiger Synoden. „Da das Schloss aber kaum familienfreundlich war, entschloss man sich, Land vom Vorwerk Döben zu erwerben“, erzählt Astrid Mewes. Gnadau wurde auf dem „Reißbrett“ als „mustergültige familienfreundliche Siedlung“ entworfen. Die Gründerväter konzipierten den Ort für 400 bis 600 Menschen. Heute ist die Einwohnerzahl mit 510 Seelen ähnlich.

Grüne Aue

Der Name Gnadau war zugleich Programm: Gnadau sollte zur fruchtbaren „Aue der Gnade Gottes“ werden. „Der Name erinnert an die Elbe- und Saale-Auen sowie ein Gebet der Bibel, wo es heißt: ‚Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser“, unterstreicht Astrid Mewes.

Der als Flächendenkmal gekennzeichnete Ortskern ist bis heute von einer Allee umgeben, mit dem Zinzendorfplatz als Zentrum. Mit viel christlich-biblischer Symbolik wurden der Platz und auch die Häuser angelegt: Wohnhäuser, Gemeinschaftshäuser (Brüderhaus und Schwesternhäuser) und der Kirchensaal. Dieser sogenannte „Große Saal“ ist kein Sakralbau herkömmlicher Art. Er entspricht dem Grundtyp eines Betsaales im Herrnhuter Barockstil. Hier versammelt sich die Gemeinde zum Singen, Beten und Predigt hören, aber auch zu Feiern, zu Konzerten und zum geselligen Beisammensein.

Bis zu Beginn der DDR-Zeit gab es in den Gnadauer Anstalten unter anderem ein Mädchen-Oberlyzeum mit Mädchen-Tennisplätzen und Mädchen-Turnhalle. Dieser Tradition folgend wurde 2002 die „Zinzendorfschule“ als evangelische Grundschule neu gegründet. Die Gnadauer Anstalten umfassen heute eine Kindertagesstätte, einen Schulhort sowie ein Altenpflegezentrum. Sie befinden sich ab dem 1. Januar 2017 in der Trägerschaft der Stiftung Herrnhuter Diakonie.

Gnadau besitzt seit 1839 einen eigenen Bahnanschluss; das alte Bahnhofsgebäude wurde jedoch zu Beginn 2015 abgerissen.

Es gibt ein reges Vereinsleben am Ort mit freiwilliger Feuerwehr, Schäferhundverein, Reit- und Fahrverein und Sportverein.