Schönebeck l Joe, der 38-jährige Sohn von Gründungsmitglied Wolf-Rüdiger Raschke, spricht im Volksstimme-Interview mit Reporter Jan Iven über die Arbeit in einer Band, die Generationen verbindet: Karussell.

Volksstimme: Sie spielen zusammen mit ihrem Vater Wolf-Rüdiger Raschke in der Band. Wie ist läuft die Zusammenarbeit?

Joe Raschke: Man merkt manchmal schon, dass unterschiedliche Musikgeschmäcker und Lebenserfahrungen aufeinander prallen. Aber wir können sehr offen miteinander reden. Es ist eine schöne Sache, dass wir zusammen arbeiten und so viel Zeit miteinander verbringen können. Wir sind ein gutes Team Ich glaube, wir sind auch beide sehr stolz aufeinander.

Wie sind Sie eigentlich zur Musik gekommen? War da klar, dass Sie irgendwann bei Karussell einsteigen?

Überhaupt nicht, nach der Wende war ja erst einmal Schluss mit Karussell. Aber ich habe mich immer für Musik interessiert. Ich hatte als Kind acht Jahre lang Klavierunterricht und habe mir selber Schlagzeug spielen beigebracht. Mundharmonika spiele ich auch und ein bisschen Gitarre. Und natürlich singe ich.

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Und wie kam es zum Comeback von Karussell?

Das haben die Zeitungen ein bisschen herbei geschrieben. Wir haben manchmal in unserem Hotel in Naunhof bei Leipzig Musik gemacht. Dann gab es ein internes Konzert im Leipziger Club Moritzbastei. Am nächsten Tag stand in der Zeitung: Karussell-Comeback? Da haben wir uns überlegt, wenn schon, dann müssen wir es richtig machen. Und so kam es dann auch.

Was bedeuten Ihnen die alten Lieder von Karussell?

Die haben mich mein Leben lang begleitet. Aber es macht mir immer noch viel Spaß, sie zu spielen, das hört nicht auf. Und natürlich wollen die Zuschauer sie auch immer wieder hören, wenn sie zu unseren Konzerten kommen. Es ist schön zu sehen, wenn die älteren Fans mittlerweile auch ihre Kinder und Enkel mitbringe. Als Musiker schreiben wir natürlich auch immer neue Lieder. Sonst dreht sich auch ein Karussell nur im Kreis.

Was bringen Sie musikalisch in die Band ein?

Wie die Band bin ich stark von britischer Musik beeinflusst. Damals waren es die Beatles, heute mag ich besonders Coldplay. Die spielen schon mit einem sehr großflächigen Keyboard. Und neben vielen Dur-Klängen sollte eben auch immer ein Moll-Akkord dabei sein. Mit mir und meinem Vater haben wir zwei Keykoard-Freaks. Mit Orgelklängen und Streichern können wir eine ganze Menge machen. Es soll sich aber immer nach echter Musik anhören, die man auch mit der Gitarre am Lagerfeuer spielen kann. Ansonsten mache ich für mich auch ein bisschen elektronische Clubmusik am Computer.

Wie entstehen bei Karussell die Songs?

Bei unserem letzten Album hat jeder etwa beigesteuert. Da lassen wir musikalisch auch jedem seine Freiheit, dadurch wird es abwechslungsreich. Von mir ist etwa das Lied „Meine Stadt“ als Ode an Leipzig dabei. Über die Texte reden wir aber gemeinsam. Ich schreibe zum Teil zusammen mit meinem Vater. Ich selber komponiere viel auf meinem Tablet-Computer. Das kann ich gut bei der Zugfahrt machen. Aufgenommen werden die Lieder immer noch im alten Karussell-Proberaum in Naunhof von meinem Vater. Dort wurde auch schon „Als ich fortging“ aufgenommen.

Wie geht es mit Karussell weiter?

Wir spielen immer noch dutzende Konzerte im Jahr. Manchmal spielen wir auch vor kleinerem Publikum in kleinerer Besetzung. Das Gute ist, dass wir eine sehr harmonische Gruppe sind, die viel Spaß zusammen hat. Wir arbeiten aber auch noch im Hotel meiner Eltern. Ich habe schließlich Hotelfachmann gelernt und koche auch gern im Restaurant, wenn Not am Mann ist.