Zens l Der Wind saust durch den schmalen Gang zwischen den Häusern nahe der St.-Stephan-Kirche in Zens. Die letzten warmen Sonnenstrahlen in diesem Jahr beleuchten das alt-ehrwürdige Gebäude nochmal von der schönsten Seite. Diese Idylle wird urplötzlich von vier Glockenschlägen gestört. Wobei gestört das falsche Wort ist. Eher untermalt.

„Klingt das nicht schön“, meint Michael Feldbach. „Gut, dass sie pünktlich zu um 16 Uhr hier gewesen sind. Da haben sie ja gleich die Glocken schon gehört“, entgegnet der kulturell engagierte Zenser dem neugierigen Reporter.

Erfreulicher Grund

Ich grinse und antworte brav: „Pünktlichkeit ist einer meiner größten Stärken.“ Weiß ja keiner, dass das nicht immer stimmt. Grund für den Besuch der Zenser St.-Stephan-Kirche ist ein besonders erfreulicher für das knapp 280-Seelendorf. Die Turmuhr funktioniert nun endlich wieder.

Bilder

Ein paar Minuten später kommt Michael Jahn dazu. „Noch ein Michael“, denke ich mir. Michael Jahn und Michael Feldbach scheinen dies zu ahnen und meinen lachend: „Ja, noch einer.“

Jahn ist der Vorsitzende des Kirchenortsbeirats. Feldbach, der schon seit längerer Zeit die Konzertreihe „Klänge im Raum“ in Zens organisiert, ist aktives Mitglied der Gruppe. Beide sind stolz, nun endlich die neue Turmuhr präsentieren zu können.

Kaputte Turmuhr

„Die letzten Jahre ging die Turmuhr entweder gar nicht, oder nur selten. Deswegen haben wir im letzten Jahr einen Antrag gestellt, in dem wir um die Mithilfe für die Finanzierung der Turmuhr- und der Läutanlagensanierung gebeten haben“, erklärt Michael Feldbach. Michael Jahn ergänzt: „Es gibt einen Fonds des Kreiskirchenamts für Baumaßnahmen. Dort wurde uns gesagt, wir brauchen einen Eigenanteil ungefähr 1 000 Euro.“

Doch die beiden Zenser entwickelten mit ihren Mitstreitern vom Kirchenortsbeirat schnell einen Schlachtplan, um die für eine kleine Kirchengemeinde doch größere Summe zu bewerkstelligen.

„Wir fragten im Dorf nach Spenden. Und siehe da, das Geld kam innerhalb von ein paar wenigen Wochen zusammen“, so Michael Jahn. Viele Bürger waren bereit für den Eigenanteil zu spenden. So konnte der Fördermittelantrag ausgefüllt und abgeschickt werden. „Die Antwort kam recht schnell zurück. Die Sanierung der Kirchenuhr wurde bewilligt. Die Läutanlage nur teilweise. Sie ist zwar an der Zeitschaltuhr mit angeschlossen, aber zu besonderen Feierlichkeiten oder Beerdigungen muss Michael (Feldbach, Anm. d. Red.) noch selbst läuten“, erläutert Michael Jahn. „Da spart man sich den Sport. Das ist echt anstrengend“, muss Feldbach grinsen.

Viele Freunde

„Das will ich sehen“, entgegne ich. Wohlwissend, mir gleich zu Anfang des Termins schon Freunde zu machen.

Also geht es ins Innere der alten Kirche. Die riesige Holztür knarrt ein wenig beim Öffnen. Aus dem Innenraum ströhmt für eine Kirche recht warme Luft entgegen. „Wir haben den Vorraum gut isoliert. Manchmal halten wir auch hier kleine Gottesdienste und Andachten ab“, so Feldbach.

Nach einer kurzen Lagebesprechung und weiteren Ins-truktionen geht es dann durch eine Tür in den unteren Teil des Kirchturms. Hier ist es schon deutlich kälter. Der Aufgang, eine Art rechteckige Wendeltreppe, zieht sich an der Außenseite im Inneren des Turms immer höher und höher. Wie gut, dass ich ausreichend zum Mittagessen hatte, denke ich mir. In der Mitte angekommen hat man einen wunderbaren Blick auf die Holzgiebel des Daches. In einem kleinen Raum fallen sofort die Kabelkanäle und ein silberne Kasten an der Wand auf. Die Kabelkanäle verteilen sich auf alle vier Seiten und enden in der Decke. Unten sind sie am silbernen Verteilerkasten montiert. „Das hier ist die Zeitschaltuhr“, erklärt Michael Jahn stolz. „Von 6 Uhr in der Früh bis abends um 10 Uhr wird stündlich geläutet.“

Kleine Stufen

Weiter geht es auf einer Holztreppe nach oben. Die Treppenstufen werden kleiner, das Holz wirkt älter und ächzt unter dem Gewicht dreier Männer. „Die hält seit über hundert Jahren. Machen Sie sich keine Sorgen“, meint Michael Feldbach zu mir. „Schon klar“, entgegne ich. Oben angekommen hängt die alte Bronzeglocke mitten im Raum. Es ist eng und staubig. Die Kabel aus dem Raum unten führen zu einer Läutvorrichtung an der Glocke. Außerdem hängt ein dickes Seil, mit dem Michael Feldbach die schwere Glocke in Bewegung setzen kann, daneben. „Wirklich spannend mal zu sehen, wie so ein Kirchturm von Innen aussieht“, meine ich zu den beiden. „Wenn Sie wollen, können sie noch hoch zur Spitze. Da müssen Sie aber diese Leiter nehmen“, erwidern die beiden und deuten auf eine alte Holzleiter, die beinahe senkrecht in eine kleine Luke in der Decke führt.

Nach ein wenig Überwindung und der Gewissheit, dass da oben auch riesige Spinnen warten könnten, traue ich mich rauf. Oben ist es stockduster. Nur die Spitze ist noch wage zu erkennen. Und die vier Motoren, die an jede der Uhren befestigt sind. Schnell ein Foto und dann wieder nach unten.

Die endgültigen Kosten für die Arbeiten beliefen sich auf 6 712 Euro, der Eigenanteil der Gemeinde betrug 1 712 Euro, laut den beiden Kirchenfreunden.

Froh über die Sanierung

„Wir sind froh, dass diese besondere vierseitige Uhr wieder in Gang gesetzt wurde“, meint Michael Feldbach. Michael Jahn ergänzt: „Jetzt möchten wir natürlich noch die Läutanlage vollständig automatisieren und nochmal einen Förderantrag stellen.“

Und das kann ich verstehen. Allein die Treppe hat es nämlich schon in sich. Und das Läuten sowieso.