Schönebeck l Wenn Finjas, Leonas, Svenja und Hannah später einmal nicht wissen, was sie werden sollen – Bagger können sie bedienen, wenn auch nur im Miniformat. Die vier haben am Sonnabend im Wohngebiet „Am Schillergarten“ in Schönebeck symbolisch den Startschuss für den Kita-Neubau gegeben.

Nach rund 16 Monaten Vorbereitungszeit soll es nun in die Vollen gehen. Die Städtische Wohnungsbau (SWB) investiert in ihr Vorhaben rund 2,142 Millionen Euro. Rund, weil die Baupreise explodieren. „Die erste Submission ist jenseits von Gut und Böse gewesen“, gibt SWB-Geschäftsführerin Sigrid Meyer zu. Sie weiß, sie muss die Kosten genau im Blick behalten, damit am Ende alles passt. Gebaut werden soll von Ende Mai/Anfang Juni 2019 bis Juli 2020. Ein ambitionierter Zeitplan.

Besonderer Personalschlüssel

Mitten im Stadtzentrum entsteht eine 24-Stunden-Kita. „So etwas haben wir in Schönebeck noch nicht, aber wir haben den Bedarf“, so die SWB-Chefin. Vielleicht nicht so sehr in den Nachtstunden. Aber wer im Handel oder im Gesundheitswesen arbeitet, ist oft bis 20 oder 22 Uhr beruflich gebunden. Es wird eine großzügige 3-Zimmer-Wohnung für die Abend- und Nachtbetreuung geben. Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sichert Unterstützung von Landesseite zu, denn für diese Öffnungszeiten brauche es einen besonderen Personalschlüssel.

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Von den 60 Plätzen – 20 Krippe und 40 Kita – sind 31 für die Kinder, die derzeit noch die Kita Storchennest in Grünewalde besuchen. Träger ist die Arbeiterwohlfahrt (Awo). „Auch wenn die Kita Grünewalde sehr idyllisch liegt. Die Bedingungen sind nicht mehr zumutbar“, sagt Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU). Seit gut 20 Jahren lebe man dort schon mit dem Provisorium Container.

Ines Grimm-Hübner, Geschäftsführerin Awo-Kreisverband Salzland, verweist auf den hohen Krankenstand. Eben auch, weil es im Winter im Container von unten kalt sei. Es musste sich etwas tun. „Der Tag heute ist ein Signal, dass es wirklich losgeht. Nicht weiter reden, sondern umsetzen. Ich freue mich darauf.“

Plätze für Firmen

Die anderen 29 Plätze können Unternehmen der Region erwerben. Sozusagen eine Betriebskita von mehreren Betrieben der Stadt. Damit beschreitet die SWB einen neuen Weg. Aktuell sind elf Plätze fest vergeben, weitere fünf Plätze in Verhandlung, sagt Sigrid Meyer. Um die verbleibenden hat sie keine Bedenken. Bislang sei alles nur eine Vision gewesen, jetzt sei es aber aktuell und greifbar. Ein Unternehmen, das sich bereits einen Kita-Platz gesichert hat, ist das von Julia Teige. Sie ist Mutter von zwei kleinen Kindern und Bereichsleiterin Vertrieb bei den Stadtwerken Schönebeck. „Das Konzept finde ich bombastisch. Als Mutter hat man ein gutes Gewissen, dass die Kinder gut versorgt sind.“ Aus Unternehmenssicht sei das für die Nachwuchsförderung wichtig. Viele Mitarbeiter seien junge Frauen, die schon Kinder haben oder bekommen wollen. Sie selbst sei dankbar für eine Kinderbetreuung über das normale Maß hinaus, sie arbeite auch öfters länger. Da sie in Magdeburg wohnt, gehen ihre Kinder auch dort in eine Kita, die eine solche Betreuung bietet.

Das ist es, was auch Sigrid Meyer mit dieser Kita verfolgt: „Wir wollen die Frauen motivieren, Kinder zu kriegen. Sie sollen sie gut betreut wissen, wenn sie arbeiten sind.“

Das barrierearme Gebäude wird drei Etagen haben. Im Erdgeschoss ist der Krippenbereich, in der ersten Etage der Kindergarten. Ganz oben wird die Wohnung eingerichtet. Und es gibt 240 Quadratmeter Gewerbefläche, die vermietet werden sollen, beispielsweise an einen Arzt. Burkhard John – der Schönebecker Arzt ist Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt – weiß jedoch, dass sich kein neuer Kinderarzt niederlassen kann. Mit den zwei in Schönebeck sei die Bedarfsplanung erfüllt. Ein Haus- oder Kinderarzt könnte aber umziehen.