Schönebeck l „Bau und Betrieb des Kombibades sind von den Stadtwerken in der derzeitigen Form nicht zu stemmen“, sagt Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU). Das ist das Ergebnis der Gegenüberstellung von Bau- und Betriebskosten des Bades und der wirtschaftlichen Situation, insbesondere des Jahresüberschusses, der Stadtwerke Schönebeck (SWS).

Im Oktober des vergangenen Jahres zeigte Knoblauch sich noch überzeugt, dass der beschlossene Rahmen – also 14 bis 16 Millionen Euro – für die Stadtwerke wirtschaftlich vertretbar sei. Wie sich nun herausgestellt hat: Nein. Dabei sind die Baukosten nach neuesten Überprüfungen sogar eher bei etwa 12 Millionen Euro Netto einzustufen.

Friedrich Husemann, SWS-Geschäftsführer, dazu: „Wir haben zwar einen Jahresüberschuss im Millionenbereich, aber dieser reicht nicht aus, um ein dauerdefizitäres Projekt wie das Kombibad zu betreiben.“ Unbestritten ist nämlich: Mit einem Schwimmbad ist kein Gewinn zu erwirtschaften – es muss bezuschusst werden. Nur die Einnahmen aus dem Eintrittsgeld der Besucher, reichen nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken.

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Vor allem die sinkende Eigenkapitalverzinsung, festgelegt von der Bundesnetzagentur, und die Co2-Bepreisung wirke sich nachteilig auf die SWS aus, weshalb das Vorhaben „Kombibad“ für die Stadtwerke – zumindest in der aktuellen Form – nicht wirtschaftlich zu stemmen sei, so Husemann.

Doch wie geht es jetzt weiter mit dem Kombibad? Bert Knoblauch stellt deutlich klar: „Das Projekt ist nicht abgeschrieben. Es ist aber in der gegenwärtigen Form nicht umzusetzen.“ Husemann und Knoblauch sprechen beide davon, sich auf die geänderten Rahmenbedingungen einzustellen. Es sei nun Aufgabe der Verwaltung, des Stadtrates und auch der Arbeitsgemeinschaft, zu prüfen, wo beispielsweise Kosten eingespart werden könnten oder ob noch Gelder für den Bau beantragt werden können. Der Oberbürgermeister schlägt vor, dass das Thema in der nächsten Stadtratssitzung am 2. Juli öffentlich diskutiert werden soll.

Förderungen beantragt

Darüber hinaus ist auch das Thema Fördermittel noch nicht abgehakt. Schließlich hat die Stadt Anfang des Jahres das Projekt beim Bundesprogramm „Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus“ eingereicht. Eine bis zu 90-prozentige Förderung wäre so möglich. Das würde „alles ändern“, so Knoblauch. In Zeiten, in denen eine Vielzahl der Kommunen mit knappen Kassen zu kämpfen hat, dürften jedoch einige Bewerbungen eingegangen sein, um Geld aus dem 70-Millionen-Euro-Topf zu erhalten. Das weiß auch der Oberbürgermeister.

Zudem teilte Lars-Christian Uhlig vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung auf Nachfrage der Volksstimme mit, dass „nationale beziehungsweise internationale Wahrnehmbarkeit und Wirkung des Vorhabens“ eine Rolle bei der Auswahl der zu fördernden Projekte spielen. Die überdurchschnittliche Qualität hinsichtlich Städtebau, Baukultur und Bürgerbeteiligung ist ebenfalls ein Kriterium. Zudem werden das „Innovationspotenzial“ sowie die „Machbarkeit und zügige Umsetzung“ beachtet. Nicht zuletzt ist auch ein „erhebliches und überdurchschnittliches Investitionsvolumen“ ein Auswahlkriterium. Ob das geplante Kombibad genügend dieser Vorgaben erfüllt, ist ungewiss.

Trotz der Erkenntnis, dass die SWS das Projekt in der Form nicht übernehmen können, laufen die Planungen zum Kombibad dennoch weiter. „Um nicht unnötig Zeit zu verlieren, treiben wir parallel die Schaffung des Baurechts und die Veranlassung des Bebauungsplanes weiter voran“, so Knoblauch. Dass der Zeitplan – mit der für den 1. Juli 2024 vorgesehenen Inbetriebnahme – trotzdem in Verzug gerät, ist aber nicht auszuschließen. Friedrich Husemann nimmt‘s gelassen: „Der ist ja nicht in Stein gemeißelt.“ Auf jeden Fall wolle er das Projekt unter Beachtung der neuen Bedingungen weiter verfolgen.