Nebenprodukt der Kupferherstellung nicht im Wohnungsbau verwenden, in Straßen keine Gefahr

Kupferschlackesteine sind nicht nur rutschig, sondern auch leicht uranhaltig

Von Thomas Linßner

Es ist schlagartig Herbst geworden. Nach den goldenen Oktobertagen fegte der Sturm das Laub von den Bäumen, Regen lässt die Straßen glänzen. Besonders die Barbyer Schloßstraße ist wieder tückisch glatt. Geht von ihren Kupferschlackesteinen aber noch eine andere Gefahr aus?

Barby l "Es wird empfohlen, auf die Verwendung von Schlackesteinen ... beim Neubau von Häusern zu verzichten", empfiehlt die Strahlenschutzkommission schon Anfang der 1990er Jahre. Gemeint sind damit die blau-grauen Kupferschlackewürfel aus dem Mansfelder Land.

Warum? In der Mansfelder Mulde wurden bis 1969 Kupfer- und Silbervorkommen ausgebeutet, der Kupferschiefer war uranhaltig. Aus den Gesteinsresten wurden Pflastersteine gegossen. In Barby verlegte man sie in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts flächendeckend.

Wie die Barbyer Bauingenieurin Christina Roeder heraus bekam, wurden bereits die Schulzenstraße 1908 und die Schloßstraße 1913 gepflastert. 1935 folgten Schulstraße und Fischertor, dann Markt, Magdeburger- und Gethsemanestraße. Offenbar wurde der würfelförmige Stein gern verwendet, war er doch billig und ließ sich gut verlegen. Sein Nachteil: Bei Regen ist er rutschig. Nach der Wende wurde im Zuge der Altstadtsanierung die Kupferschlacke in einigen Straßenzügen entfernt und durch Betonsteine ersetzt. Was aber keine Umwelt- sondern Gestaltungsgründe hatte.

Schlackesteine als Nebenprodukt

Kupferschlackesteine strahlen laut einem Spiegel-Bericht von 1991 durchschnittlich mit 700 Becquerel pro Kilogramm. Sie wurden zum Straßenbau in Ost und West verwendet und auch in Wohnhäusern, Garagen, Gartenmauern und Ställen verbaut.

"Bei der Verwendung von Schlacken aus der Verhüttung des Erzes führen die darin enthaltenen Radionuklide zu einer Erhöhung der Ortsdosisleistung", bestätigt der Bericht der Strahlenschutzkommission.

Zur Erklärung: In der Mansfelder Mulde wurden Kupfer- und Silbervorkommen ausgebeutet. Aus den Gesteinsresten goss man Pflastersteine als Nebenprodukt. Das geschah nicht nur vor dem Zweiten Weltkrieg: Das VEB Mansfeldkombinat "Wilhelm Pieck" stellte sie auch zu DDR-Zeiten für den Straßenbau wie zur privaten Verwendung her.

Wie es in dem Spiegel-Bericht heißt, wurden allein zwischen 1979 und 1989 15 Millionen Kupferschlackesteine hergestellt, zusätzlich gingen drei Millionen Tonnen gebrochener Schlacke in den Straßenbau.

Geht von den Barbyer Straßensteinen nun also eine Gefahr aus? "Für die bestehenden mit Kupferschlackesteinen gepflasterten Straßen und Plätze ergibt die analoge Abschätzung maximale Jahresdosen von 0,1 bis 0,6 mSv (Millisievert). Diese Dosiswerte liegen unter dem Richtwert ", heißt es im Bericht der Strahlenschutzkommission. Allerdings werde empfohlen, auf die Verwendung von Schlackesteinen sowie von Schlacken als Zuschlagstoff beim Neubau von Häusern zu verzichten.

Die im Zuge der Altstadtsanierung geborgenen Steine gab die Stadt Barby an interessierte Bürger ab oder legte sie sich auf Halde. Sie erfuhren ihre Renaissance zur Gestaltung von Toreinfahrten oder als Containerstellfläche auf dem Friedhof. Auch auf dem Barbyer Schützenplatz sind sie zu finden.