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Landesstraßen zu laut? Calbe will Lärm kartieren

Im kommenden Jahr will Calbe erneut den Lärm auf den Landesstraßen in der Stadt und in Schwarz kartieren. Nach dem Finanzausschuss votierte auch der Bauausschuss am Mittwochabend dafür.

Von Thomas Höfs
Bei der kommenden Lärmkartierung im nächsten Jahr will die Stadt auch den Ortsteil Schwarz betrachten. Auf einer Länge von rund 600 Meter soll hier der Fahrzeugverkehr mit seinen Auswirkungen auf die Anwohner näher untersucht werden. Foto:Thomas Höfs
Bei der kommenden Lärmkartierung im nächsten Jahr will die Stadt auch den Ortsteil Schwarz betrachten. Auf einer Länge von rund 600 Meter soll hier der Fahrzeugverkehr mit seinen Auswirkungen auf die Anwohner näher untersucht werden. Foto:Thomas Höfs Foto: Thomas Höfs

Calbe - Bis Ende Juni kommenden Jahres muss Calbe, wie viele andere Kommunen auch, den Verkehrslärm an den Hauptverkehrsstraßen in einer neuen Lärmkartierung erfassen. Das Bundesimmissionsschutzgesetz schreibt dies vor. Weil viele Kommunen im Land von der gesetzlichen Verpflichtung betroffen sind, haben sich sie sich darauf verständigt, die Leistung über den Städte- und Gemeindebund ausschreiben zu lassen. Der Verband der Kommunen hat einen entsprechenden Rahmenvertrag erarbeitet.

In der Saalestadt soll der Verkehrslärm vor allem auf den Landesstraßen 63 und 65 untersucht werden, heißt es in der Vorlage für den Stadtrat. Allerdings stehe der Umfang der Untersuchung noch nicht fest, heißt es weiter. Präzisere Daten erhalte die Kommune erst Ende Juli.

Lärm wird rechnerisch ermittelt

Außerdem sollen sich die Fachleute die rund 600 Meter lange Ortsdurchfahrt in Schwarz ebenso ansehen, heißt es in der Vorlage. Die Bürger in der kleinen Ortschaft leiden ebenso unter dem stetig wachsenden Verkehrsstrom auf der Landesstraße, die durch ihren Ort führt. Für die Barbyer und Salzer Straße erfolgt die Lärmkartierung nicht. Da die beiden Straßen in der nahen Zukunft grundhaft ausgebaut werden sollen, erfolge hier die Betrachtung der zu erwartenden Immissionen bei der Planung des Ausbaus, heißt es zur Begründung in der Vorlage für den Stadtrat.

Die Kosten für die Arbeiten belaufen sich nach Angaben in der Vorlage auf rund 3200 Euro. Allerdings wird der Lärm nicht konkret vor Ort gemessen. Wie bereits die Landesstraßenbaubehörde in der Vergangenheit den Lärm rechnerisch ermittelt hat, wird auch die neue Lärmkartierung mit einem Rechenmodell durchgeführt. Dabei gibt es bestimmte Grundannahmen, was die Geschwindigkeit der Fahrzeuge angeht. Aus den Grundannahmen wird dann der entstehende Lärm für die Anwohner berechnet.

Aufgrund der jüngsten Betrachtung der Auswirkungen des Fahrzeugverkehrs in der Nienburger und Arnstedtstraße hatte die Verkehrsbehörde zuletzt das Tempo für Lkw in der Nacht ab 22 Uhr auf 30 Stundenkilometer herabgesetzt.

Belastung für Bürger

Die neue Lärmkartierung muss nun zeigen, ob das ausreicht, um die Bürger wirkungsvoll vor einer zu großen Belastung zu schützen. Vor allem in der Nienburger und in der Arnstedtstraße kann der Schall kaum aus der engen Straßenschlucht entweichen. Bereits seit vielen Jahren ist bekannt, dass die Belastung der Bürger hier über den gesetzlichen Vorschriften liegt. Versprochen wurde den Anwohnern in der Vergangenheit schon mal Flüsterasphalt, um die Rollgeräusche der Fahrzeuge um einige Dezibel zu reduzieren. Doch viel passiert ist bislang nicht. Die Anwohner klagen regelmäßig über die hohe Schallbelastung von der Straße und wünschen sich mehr Unterstützung im Kampf gegen den Lärm von ihrer Stadt.

Für einige stellt sich zudem die Frage, ob die Lärmberechnungen die Realität überhaupt richtig abbilden. Schließlich handelt es sich bei der Berechnung um ein mathematisches Modell. Wenn allerdings die Fahrzeuge auf der Ortsdurchfahrt in der Regel deutlich schneller unterwegs sind, dürfte auch mehr Lärm entstehen. Der schlechte Straßenzustand an einigen Stellen führt zudem dazu, dass noch mehr Krach entsteht. Besonders leere Lkw rumpeln dann über die Nienburger Straße und sind dabei weit in das Stadtgebiet hinein zu hören. Für die Stadt soll die neue Lärmkartierung dazu dienen, die Straßenbaulastträger, in diesem Fall die Landesstraßenbaubehörde, zu Maßnahmen zu bewegen, die Belastungen für die Bürger zu reduzieren, begründete Bürgermeister Sven Hause. Am 1. Juli soll der Stadtrat über die Vorlage entscheiden und damit die Weichen für die kommende Lärmkartierung stellen.

Unberücksichtigt bleibt in der Vorlage die Ortsumgehung. Von der neuen Straße, die vor allem die Bewohner des Brumbyer Weges entlastet, fühlen sich Anwohner am Kreisverkehr in der Nienburger Straße mehr belastet. Die nur wenige Meter langen Lärmschutzwälle seien nicht ausreichend, hatten sich Bürger bereits in der Vergangenheit beklagt. Der Schall von der Fahrzeugen kann sich ungehindert ausbreiten und trifft die Wohnhäuser an der Nienburger Straße nun auch von hinten, hatten Anwohner beschrieben und mehr Lärmschutz für ihre Häuser gefordert.