Landtagswahl

Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Die Ergebnisse im Wahlkreis Schönebeck - eine Analyse vom Wahlsieg von Gunnar Schellenberger (CDU)

Die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt sind gelaufen. Einmal mehr konnte Gunnar Schellenberger (CDU) den Wahlsieg im Altkreis Schönebeck erringen. Eine Analyse.

Von Andre Schneider
Landtagswahl 2021, Dr. Gunnar Schellenberger (CDU) konnte den Wahlkreis 20, Schönebeck, für sich entscheiden.
Landtagswahl 2021, Dr. Gunnar Schellenberger (CDU) konnte den Wahlkreis 20, Schönebeck, für sich entscheiden. Foto: Andre Schneider
In der Schönebecker Stadtbibliothek wählten 430 Menschen. Die Wahlbeteiligung lag bei unterdurchschnittlichen 35,57 Prozent. Die Linken schnitten in diesem Wahllokal vergleichsweise gut ab (15,88 Prozent)
In der Schönebecker Stadtbibliothek wählten 430 Menschen. Die Wahlbeteiligung lag bei unterdurchschnittlichen 35,57 Prozent. Die Linken schnitten in diesem Wahllokal vergleichsweise gut ab (15,88 Prozent)
Foto: Jan Dahms
Landtagswahl 2021, Dr.-Tolberg-Saal Bad Salzelmen, Katharina Rehse, Regina Braune (hinten, v. li.), Susanne Hofmann und Katharina Brett (vorn) sind als Wahlhelfer im Dr.-Tolberg-Saal in Bad Salzelmen aktiv.
Landtagswahl 2021, Dr.-Tolberg-Saal Bad Salzelmen, Katharina Rehse, Regina Braune (hinten, v. li.), Susanne Hofmann und Katharina Brett (vorn) sind als Wahlhelfer im Dr.-Tolberg-Saal in Bad Salzelmen aktiv.
Foto: Andre Schneider

Schönebeck - 34,52 Prozent der Stimmen – das spricht eine deutliche Sprache. Gunnar Schellenberger (CDU) holte am Sonntag den fünften Triumph in Folge bei einer Landtagswahl in seinem Wahlkreis Schönebeck, zudem auch Barby, Bördeland und Calbe gehören. Beim Blick auf die Zahlen wird deutlich, wie wichtig die Direktkandidaten für die Parteien tatsächlich sind.

Der Wahlsieger liegt zwar grundsätzlich auch in seinem Wahlkreis im Landestrend seiner Partei, konnte mit 34,52 Prozent der Erststimmen aber nicht ganz das CDU-Ergebnis im Land (37,1 Prozent) erreichen. Dass die Landtagswahl eine Personenwahl ist, machen die Erststimmen deutlich. Sowohl AfD-Kandidat Tobias Rausch (22,58) als auch die Verfolger Petra Grimm-Benne (SPD/13,02) und Eva von Angern (Linke/12,85) liegen mit ihren persönlichen Ergebnissen deutlich über dem Landestrend.

Grimm-Benne: Engagierter Wahlkampf

„Mir wurde öffentlich bescheinigt, dass ich gute Arbeit geleistet habe“, resümierte Petra Grimm-Benne am Wahlabend auf Volksstimme-Nachfrage. Tatsächlich führte die stellvertretende Ministerpräsidentin einen engagierten Wahlkampf vor Ort und holte sich mit Vizekanzler Olaf Scholz zuletzt sogar prominente Unterstützung.

Promi-Bonus zieht nicht

Doch Prominenz ist eben nicht alles. Eva von Angern komplettierte das Trio dreier erfahrener Landespolitiker im Wahlkreis Schönebeck und ging zeitgleich als Spitzenkandidatin ihrer Partei ins Rennen. Anstatt Verantwortung für das schlechte Abschneiden der Landes-Linken oder im Wahlkreis zu übernehmen, spielte von Angern den Ball im ARD-Interview an die CDU. Ministerpräsident Reiner Haseloff solle nun „möglichst schnell eine Regierung bilden“. Eine Regierung, die ohne Beteiligung der Linkspartei auskommen wird.

Der Regierung könnte jedenfalls die SPD wieder angehören. Dadurch könnte auch Petra Grimm-Benne ihren Spitzenposten behalten. „Wir stehen für Gespräche offen“, so die Ministerin. Über ihre eigene Zukunft machte sie am Wahlabend jedenfalls noch keine Angaben. Über die Liste wird sie aber auch weiterhin zumindest im Landtag vertreten sein.

Ostelbisches Heimspiel für Holger Goldschmidt (FDP)

Gleiches gilt für die FDP, die nach dem vorläufigen offiziellen Endergebnis zwar nicht zwingend für die Regierungsbildung notwendig ist (nach Angaben des ZDF reicht eine Koalition aus CDU und SPD), könnte aber ein gehöriges Wörtchen mitsprechen. Schönebecks Direktkandidat Holger Goldschmidt jedenfalls ist zufrieden. Sein Ziel: etwa acht Prozent. Mit 7,77 Prozent der Erststimmen hat er das erreicht. Dass die Landtagswahl eine Personenwahl ist, verdeutlicht das Beispiel Goldschmidt. In seinem Wohnort Elbenau holte der FDP-Mann 17,13 Prozent der Erststimmen und sicherte sich Platz drei. Weither scheint es in Elbenau mit der FDP trotzdem nicht zu sein. Denn bei den Zweitstimmen kamen die Liberalen dort nur auf 4,78 Prozent.

Ostelbien scheint ohnehin CDU-Hochburg zu sein. In Schönebecks meist besuchtem Wahlkreis (Ranies, über 63 Prozent Wahlbeteiligung) holten die Christdemokraten 49,44 Prozent der Zweitstimmen. Schellenberger bekam dort 37,64 Prozentpunkte. Goldschmidt und Tobias Rausch (AfD) teilten sich mit 18,54 Prozent Platz drei.

Punktuelle Siege für Tobias Rausch (AfD)

Rausch punktete andernorts. Im Wahllokal „Stadthaus“ in Schönebeck holte er mit 29,97 Prozent die meisten Stimmen. In Kleinmühlingen gewann er mit über 36 Prozent sogar deutlich, ähnlich wie im Dorfgemeinschaftshaus Breitenhagen. Seine Partei überschritt die 20-Prozent-Marke im Salzland deutlich, so wie im Landestrend. „Schönebeck ist eine CDU-Hochburg. Deshalb ist das gute Ergebnis keine Überraschung. Die AfD muss nun daran arbeiten, regierungsfähig zu werden“, sagte er analytisch im Gespräch mit Volksstimme-Reporter Paul Schulz.

Nahezu in der Bedeutungslosigkeit verschwanden Maria Mittelstrass (Freie Wähler), Robert Leubeling (Grüne) und Gordon Schüler (Die Basis). Sie alle spielten in der Wählergunst kaum eine Bedeutung und landeten unter fünf Prozent.

Die Ergebnisse aus den einzelnen Wahlkreisen und Analysen zur Bürgermeisterwahl in Calbe, an der auch Mittelstrass teilnahm, finden Sie detailliert auf den folgenden Lokalseiten.

Kommentar von Andre Schneider

Die Landtagswahl hat deutlich gemacht, wo die Interessen der Wähler liegen. Und sie scheinen auf Konstanz zu setzen. Ausredensuchen ist indes bei Eva von Angern (Linke) und Petra Grimm-Benne (SPD) angesagt. Beide zeigten sich ob der Verluste der AfD erleichtert. Die Schuld bei anderen zu suchen oder den Spielball nun zur CDU zu werfen, reicht aber nicht. Linke und SPD sollten sich fragen, ob sie mit ihren Themen die Wähler erreichen konnten. Wie es gehen kann, haben zumindest von Angern und Grimm-Benne in ihren Wahlkämpfen vor Ort gezeigt. Gleiches gilt für die Grünen. Ihre Strategie, offensiv fast ausschließlich für Zweitstimmen zu werben, wurde abgestraft. Robert Leubeling kann einem da fast leid tun.