Kleinmühlingen/Eggersdorf l „Guten Morgen Ute, fünf Brötchen und ein Pfund Gehacktes bitte!“ An diesem Dienstagmorgen hat Ute Bethge bereits allerlei zu tun. Nach und nach trudeln die ersten Kunden in ihren Laden, um etwas für ihr Frühstück einzukaufen. Die persönliche Begrüßung ist dabei selbstverständlich. „So ist es halt auf dem Dorf, jeder kennt jeden. Und viele kommen, wie früher, in den Konsum um zu erzählen“, sagt Ute Bethge mit einem Schmunzeln.

Seit 1995 betreibt sie den Lebensmittelmarkt in der Kirchstraße in Kleinmühlingen. Doch ihre Firma gibt es bereits seit 1990. „Angefangen haben wir mit einem Gemüseladen in der Welsleber Straße in Schönebeck“, erzählt Ute Bethge. Diesen eröffnete die studierte Diplomagraringenieurin mit ihrem Mann.

„Nach der Wende haben wir die Anstellungen in unseren alten Betrieben verloren und mussten uns umorientieren“, erzählt die gebürtige Kleinmühlingerin. Da sie bereits nebenbei Produkte aus ihrer eigenen landwirtschaftlichen Produktion verkauften, bot sich die Eröffnung eines eigenen Ladens an. „Die Ausstattung des Geschäfts haben wir uns damals zusammensuchen müssen. So war das nach der Wende“, erzählt Ute Bethge von der schweren Anfangszeit.

Ein Jahr später erfolgte dann die Eröffnung ihres ersten Ladens in der Gemeinde Bördeland. In Eggersdorf gab es nun einen Frischmarkt. Zur gleichen Zeit übernahm Ute Bethge auch ein Geschäft in Seehausen in der Altmark. 1995 kamen dann noch zwei Geschäfte in Kleinmühlingen und Zens dazu. Innerhalb von fünf Jahren ist die Firma so um vier Geschäfte und elf Mitarbeiter angewachsen.

„Wir haben schnell gemerkt, dass das zu viel ist und große Märkte zu einer starken Konkurrenz worden“, erzählt Ute Bethge. Gemeinsam mit Mann Walter Bethge entschloss sie sich dazu nur die Geschäfte in den Dörfern Eggersdorf und Kleinmühlingen zu behalten. Für die Ortschaft Zens wurde ein Lieferservice eingerichtet, der auf Kundenwunsch Lebensmittel an die Haustür bringt.

Die Artikel für ihren Frischmarkt kauft die Chefin höchst persönlich ein. „Montag ist mein Einkaufstag“, erzählt die 58-Jährige. Die Einkaufsliste richtet sich dabei stets nach den Wünschen der Kunden. Die frischen Produkte wie Back- und Fleischwaren stammen von lokalen Betrieben, mit denen Ute Bethge seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Landwirtschaftliche Produkte, wie Kartoffeln, stammen, wie vor 30 Jahren auch, aus dem eigenen Betrieb in Zens. Dieses zweite Standbein helfe Familie Bethge auch die Einbußen durch die Corona-Krise auszugleichen. Die Geschäfte laufen zurzeit noch gut, meint Ute Bethge. Dennoch treffe sie Vorsichtsmaßnahmen. Die Kunden kommen nur noch durch den Hintereingang in das Geschäft. Zur Vordertür geht es dann wieder raus. Nach jedem Verkauf desinfiziert sie sich die Hände. Viele ihrer Kunden seien nachsichtig und achten selbst auf die Auflagen.

Ab zehn Euro Einkaufswert können die Kunden im Frischmarkt Bethge auch mit EC-Karte zahlen, um weniger mit Bargeld hantieren zu müssen. „Wir haben in den letzten Jahren versucht, unsere Geschäfte technisch aufzurüsten“, so Bethge. Sie versuche mit der Zeit zu gehen.

Partyservice leidet unter Krise

Besonders ihr 1995 gegründeter Partyservice leide unter der Krise. „Wir bekommen keine Bestellungen mehr rein“, erzählt Ute Bethge. Die Kunden haben eine Auswahl zwischen Vorspeisen, kalten Platten und Hauptspeisen, die je nach Kundenwunsch zusammengestellt werden können.

Seit gut 15 Jahren bietet Frischmarkt Bethge außerdem einen Mittagstisch an. Von Montag bis Freitag kocht Ute Bethge mit ihrer Köchin frisches Mittagessen und liefert es frei Haus zu den Bewohner in Bördeland. Die Küche befindet sich praktischerweise im hinteren Teil des Ladengeschäfts in Kleinmühlingen.

Die Gerichte denkt sie sich selber aus. Ab und an blättere sie dafür auch gern mal in Kochbüchern. Sie biete Hausmannskost an, „ohne Maggie Fix“, so Bethge. Das Kochen habe sie sich selbst beige- bracht.

„Momentan haben wir rund ein Drittel weniger Bestellungen und können daher nur von Dienstag bis Freitag unseren Service anbieten“, sagt Ute Bethge. Sie versuche aber durch ihre abwechslungsreiche Hausmannskost die Kunden zu halten, die ihr noch geblieben sind. Doch finanzielle Einbußen sind deutlich zu spüren, so Bethge.

Durch die Corona-Krise werde auch die Feier zum 30. Jubiläum der Firma wahrscheinlich eher klein ausfallen. „Wir werden vielleicht mit unseren fünf Mitarbeitern feiern“, sagt Ute Bethge. Denn sie blicke gerne auf die vergangenen Jahrzehnte zurück: „Ich bin stolz auf das, was wir aufgebaut haben und würde es immer wieder machen.“

Aus dem Dorfleben in der Gemeinde Bördeland ist Frischmarkt Bethge auch nicht mehr wegzudenken. Seit Jahren unterstützt der Traditionsbetrieb die lokalen Vereine und Dorffeste. Und das solle auch bis zur Rente so bleiben, erzählt Ute Bethge.