Ranies/Grünewalde l „Mein Vater erklärt mit jeden Sonntag unseren Nachthimmel.“ So banal dieser Satz klingt, dürfte er manchen Schüler bei einer Astronomie-Leistungskontrolle vielleicht gerettet haben. Dieser Merkspruch zählt nämlich mit seinen Anfangsbuchstaben die Reihenfolge der acht Planeten von der Sonne aus gesehen auf: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Diese acht Planeten können interessierte Spaziergänger oder Radfahrer aber auch erlaufen oder abfahren: am Planetenlehrpfad von Ranies. Er ist eine lehrreiche Astronomie-Schulstunde in freier Natur.

Auch die Geschichte, wie es vor 18 Jahren zu dem Planetenweg kam, ist „lehrreich“ und ein Stück zum Schmunzeln aus der kommunalen Trickkiste. Zu dieser Zeit waren die kleinen Gemeinden noch eigenständig und nicht in einer Einheitsgemeinde zusammengeschlossen. Ein Ortsbürgermeister hatte damals ein wenig mehr Bedeutung als heute. Im kleinen Dörfchen Ranies war zu dieser Zeit Klaus Maser der Ortschef – engagiert und neuen Ideen gegenüber immer aufgeschlossen. Südlich des Dorfes erhebt sich der schützende Elbdeich, der Hochwasser der Elbe abwehren soll.

Im Prospekt des Elberadwegs

„Auf dem Deich führt noch heute der Elbradweg entlang, der an seiner Bedeutung bis heute nichts verloren hat“, berichtet Klaus Maser in einem Gespräch mit der Volksstimme. Um das Dörfchen Ranies, das unter anderem durch seine jährlichen Rosenmontagsumzüge überregionale Wichtigkeit hat, noch bekannter zu machen, erdachte sich Ex-Ortsbürgermeister Maser einen „touristischen Höhepunkt“, der Radwanderer wie ein Magnet in die Nähe des Dorfes holen sollte. „Von so einen Planetenweg hatte ich damals mal gelesen. Ich fand die Idee gut.“

So wurde Klaus Maser – ohne Übertreibung – zum „Vater des Planetenlehrpfades“. Diesen Titel kann ihm keiner mehr nehmen. Da aber die Kommune selbst recht klamm in der Kasse war, entspann der Ortsbürgermeister mit anderen Partnern einen neuen Weg: Die Umsetzung des Planetenlehrpfades sollte über den zweiten Arbeitsmarkt, als über ABM, realisiert werden. Daran aber waren bestimmte Bedingungen geknüpft, die Maser und Co. bis ins letzte Detail erfüllten. So ist bis heute der Planetenlehrpfad unter anderem mit Blindenschrift für Sehbehinderte gekennzeichnet.

Dorfrand ist "Mittelpunkt" vom Sonnensystem

Nachdem der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, der Träger des Deiches, mit ins Boot geholt wurde, konnte ein Umsetzungskonzept für den Planetenlehrpfad geschrieben werden. Der östliche Teil von Ranies war der Ausgangspunkt des Sonnensystems, um den sich sozusagen die Planeten drehen sollten. Entlang des Deiches auf einer Strecke von genau 5950 Metern wurde maßstabsgetreu das Planetensystem heruntergerechnet und die Standorte für die damals noch neun Planeten mit Pluto festgelegt.

20 ABM-Kräfte arbeiteten an der Umsetzung des Projektes, auch an einem Planetengarten in der Nähe der Kindertagesstätte. „Der Planetengarten ist heute aber nicht mehr so gut erhalten“, so Klaus Maser. Im Gegensatz zum Planetenlehrpfad: Der ist nicht nur für Radwanderer auf dem Elberadweg interessant, sondern besonders für Kinder und Jugendliche, die sich in der Schule mit dem Sonnensystem beschäftigen.

Für Ranies wurde mit der Idee des damaligen Ortsbürgermeisters etwas Bleibendes geschaffen. Ähnliche Planetenwege oder -lehrpfade sind deutschlandweit an einer Hand abzuzählen. In Ranies lässt sich weiterhin der Satz „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel“ gut bei einem entspannten Spaziergang ablaufen und man erkennt die schier unfassbare Dimension des Sonnensystems.