Schönebeck l Das Weihnachtsgeschäft zählt laut Knut Bernsen, Landesgeschäftsführer des Handelsverband Sachsen-Anhalt (HDE), für zahlreiche Einzelhändler zur umsatzstärksten Zeit im ganzen Jahr. Und dann: Lockdown. Von Mittwoch an (16. Dezember) bis zum 10. Januar müssen zahlreiche Geschäfte ihre Türen verschlossen halten. Wiedermal. Denn schon während des ersten Lockdowns im Frühjahr galten solche Vorgaben für eine Vielzahl von Einzelhandelsgeschäften. „Das trifft die Branche und die Innenstädte hart“, sagt Bernsen.

Auch Elke Kromnik, Betreiberin des Geschäfts „Kilz – Haus der Geschenke“ am Schönebecker Marktplatz, betont, dass die Zeit vor Weihnachten für sie und andere Händler immens wichtig ist. „Durch die Schließung geht uns definitiv einiges an Umsatz flöten“, sagt sie. Zumal durch das Ausbleiben des Weihnachtsmarktes in ihrem Laden generell etwas weniger los war, als in den Vorjahren.

Nicht nachvollziehbar

In Gänze kann Kromnik auch nicht nachvollziehen, warum komplett dicht gemacht werden muss. Mit Hygienekonzept, Abstand halten und dem Tragen von Masken sei man gut gefahren. In ihrem Laden habe das gut funktioniert, sagt sie. Überrascht ist sie von dieser Entwicklung aber nicht. Irgendwie habe sie schon erwartet, dass nochmal ein Lockdown kommt. Und ihre Kunden wohl auch, denn in den vergangenen Wochen haben schon viele ihre Weihnachtseinkäufe bei „Kilz“ erledigt. Kritisch sieht die Geschäftsfrau, wie kurzfristig die Maßnahmen beschlossen wurden. „Bei den dadurch entstandenen Besucherströmen ist es fraglich, ob man sich mit der raschen Entscheidung einen Gefallen getan hat“, sagt sie.

Jenny Himmelreich, Betreiberin der Modeboutiquen „Himmelreich“, muss ihre zwei Läden ebenfalls ab heute schließen. Davon ist die Ladenbesitzerin natürlich auch alles andere als begeistert. „Rund ein Monat geht uns dadurch einfach verloren“, sagt sie. Als Reaktion hat sie den Winterschlussverkauf vorgezogen, um die Artikel doch noch an den Mann und die Frau zu bringen. „Es ist Saison-Ware. Wenn ich die nicht verkaufe, verliert sie an Wert“, so Himmelreich.

Pandemie in Griff bekommen

Trotz der widrigen Umstände kann sie die Maßnahmen aber nachvollziehen. „Wir müssen die Pandemie ja langsam mal in den Griff bekommen. Ich hoffe, dass es nach diesem richtigen Lockdown dann aber auch reicht und es keinen weiteren gibt. Dann können wir im nächsten Jahr mit einer neuen Kollektion weitermachen.“

Darüber hinaus berichtet Jenny Himmelreich von einer Welle der Solidarität. „Viele Kunden haben uns Mut zugesprochen und auch Gutscheine gekauft, um uns zu unterstützen. Das freut uns sehr.“

Kleine Unternehmen und Mittelständler betroff

Die Geschäfte von Elke Kromnik und Jenny Himmelreich stehen stellvertretend für zahlreiche weitere. Wie Knut Bernsen informiert, ist ein bestimmter Teil der Händler besonders von den neuen Corona-Maßnahmen betroffen. „Der Lockdown trifft zu über 90 Prozent kleine und mittelständische Unternehmen“, teilt Bernsen mit.

Nach Einschätzung der Handelsexperten wird der Jahresumsatz der vom Lockdown betroffenen Geschäfte um rund 20 Prozent schrumpfen. Der Online-Handel profitiere hingegen von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

Konkurrenz aus dem Netz

Und eben dieser Handel über das Internet – allem voran großen Online-Händler wie Amazon – sind für Claudia Sopart die größte Konkurrenz. Sopart betreibt die Buchhandlung „Am Rathaus“. „Die Situation, dass der Onlinehandel uns viele Kunden kostet, wird ja nicht besser“, fasst sie zusammen. Aber wenigstens kann sie ihr Geschäft geöffnet lassen, freut sie sich. Buchhandlungen sind nämlich, wie bereits während des ersten Lockdown, von den Schließungen ausgenommen.

Jedoch ist das nicht immer allen Kunden bewusst. Wie Sopart berichtet, haben schon beim Lockdown im Frühjahr und auch jetzt viele Kunden gedacht, dass auch die Buchhandlung geschlossen wird. „Das Telefon hat am Montag den ganzen Tag geklingelt, weil die Leute wissen wollten, ob wir geöffnet haben.“

Bewusstsein geschärft

Darüber hinaus hat die Buchhändlerin den Eindruck, dass durch die Diskussion um die Schließung von Geschäften und deren damit verbundene Existenz, offenbar bei einigen Schönebeckern das Bewusstsein dafür geschärft wurde, dass sie mit ihrem Einkaufsverhalten beeinflussen können, wie es den Geschäften in ihrer Stadt ergeht. „Ich konnte ein paar neue Kunden begrüßen. Darüber freuen wir uns natürlich, aber es müssen noch viel mehr Menschen umdenken und vor der eigenen Haustür einkaufen, um den Einzelhandel zu stärken.“

Damit möglichst viele Einzelhändler die Krise überstehen, fordert der HDE, dass diese in die staatlichen Dezemberhilfen aufgenommen werden. Dafür setze man sich bei der Bundesregierung ein, so der Handelsverband. Dafür, dass auch Einzelhändler, ähnlich wie die Gastronomiebranche, einen Umsatzausgleich erhalten. Ohne entsprechende Staatshilfen würden es sonst viele Unternehmen nicht überstehen, so Bernsen. „Ab Januar müsse dann eine neue Form der Finanzhilfe gefunden werden. Die Überbrückungshilfen alleine reichten nicht aus, um die betroffenen Handelsunternehmen zu retten“, erklärt Knut Bernsen. Denn damit werden überwiegend nur Fixkosten wie Miete oder Stromrechnungen kompensiert. Jenny Himmelreich dazu: „Wir müssen auch von etwas leben. Die Hilfe bei den Fixkosten reicht da nicht wirklich aus.“