Schönebeck/Staßfurt l Verlängerung und Verschärfung des Lockdown – am Dienstag haben Bund und Länder das beschlossen, was viele bereits erwartet, teils befürchtet, haben. Bis zum 31. Januar steht das gesellschaftliche Leben weiterhin größtenteils still. Ende dieser Woche will das Land die getroffenen Vereinbarungen in einer Verordnung genau festlegen.

Davon wird auch abhängen, ob und wann der Salzlandkreis eine räumliche Ausgangsbeschränkung ausruft. Die soll es geben, wenn der Inzidenzwert über 200 liegt. Er wird errechnet aus der Zahl der Corona-Fälle in einer Woche, bezogen auf 100.000 Einwohner.

Hohe Werte

Der Kreis hatte seit vor Weihnachten stets einen Wert über 200, Anfang dieser Woche sogar 260. Gestern fiel er auf 180.

Ob und wie die viel diskutierte „15-Kilometer-Regel“ im Salzlandkreis umgesetzt wird, konnte Landrat Markus Bauer (SPD) Mittwochnachmittag noch nicht beantworten. „Wir müssen erst die Verordnung auf Landesebene abwarten“, so Bauer. Zudem sieht er es derzeit als Hauptaufgabe des Kreises, die Durchführung der Schutzimpfungen sicherzustellen.

Primär Distanzunterricht

Klar ist mit den neuen Lockdown-Regeln aber, dass sich die Verlängerung auf zahlreiche Lebensbereiche auswirkt. So auch auf Bildung und Kinderbetreuung. Ab Montag sollen die Schüler wieder primär zuhause und über das Internet lernen. Nur für Abschlussklassen gibt es täglichen Präsenzunterricht in den Schulen.

Letzteres befürwortet Kay Lorenz, Vorsitzender des Kreiselternrates im Salzlandkreis. So könnten sich diese Schüler besser auf ihren Abschluss vorbereiten, so Lorenz. „Für Grundschüler hätte ich einen täglichen Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht für die beste Lösung gehalten. In der Schule hätte man ihnen den Lernstoff besser vermitteln können. Zuhause bestünde dann die Möglichkeit das Wissen zu festigen oder Übungen zu machen.“

Schwierig für Grundschüler

Diese Ansicht teilt auch Ines Hausherr, Leiterin der Käthe-Kollwitz-Grundschule in Schönebeck. Zuhause zu lernen falle nämlich vielen der jungen Schüler noch sehr schwer. Die Lehrer der Kollwitz-Grundschule haben sich deshalb im Vorfeld bereits auf verschiedenen Szenarien vorbereitet. „Man guckt natürlich schon, welche Aufgaben man den Kindern für zuhause mitgeben kann und was sie selbst bewältigen können“, sagt Hausherr.

Besonders bei den Kindern im Grundschulalter ist es auch eine Herausforderung die Betreuung zu gewährleisten, so Lorenz. Zum Teil können diese aber auch in den Schulen betreut werden. Das Landesbildungsministerium informiert, dass Kinder bis zum zwölften Lebensjahr, die Anspruch auf Notbetreuung haben, auch während der planmäßigen Unterrichts-​ oder Öffnungszeit der Schule dort betreut werden können.

Kitas im Notbetrieb

Stichwort Notbetreuung: Mit dem Lockdown gehen auch die Kindertageseinrichtungen in den Notbetrieb. Es können also nur Eltern ihre Kinder abgeben, die einen systemrelevanten Beruf ausüben und dies schriftlich nachweisen können. Im Gegenzug einigten sich Bund und Länder, dass jedes Elternteil zehn zusätzliche Tage lang Kinderkrankengeld bekommen kann, wenn der Nachwuchs wegen der Einschränkungen zuhause betreut werden muss.

Zudem gibt es dann noch die Möglichkeit des Corona-Sonderurlaubs. Können Eltern nachweisen, dass sie wirklich keine andere „zumutbare“ Möglichkeit haben, ihre Kinder zu betreuen, so haben sie pro Elternteil einen Anspruch auf zehn Wochen Corona-Sonderurlaub. Ein Elternpaar hat also insgesamt 20 Wochen. Für Alleinerziehende gelten ebenfalls 20 Wochen, heißt es vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Während dieses Sonderurlaubs erhalten die Eltern eine Entschädigungsleistung von 67 Prozent ihres Nettoeinkommens – maximal jedoch 2016 Euro.

Risiken für Arbeitsmarkt

Mit dem verlängerten Lockdown sieht Anja Huth, Chefin der Arbeitsagentur für Arbeit in Bernburg, die Risiken für den Arbeitsmarkt wachsen. Auch sie betont: „Je länger er dauert, umso schwieriger werden es Firmen haben, sich über Wasser zu halten.“ Vor allem in Branchen, die seit Monaten immer wieder von langen Schließungen und Einschränkungen betroffen waren und sind, werde sich zeigen, „wie lange der Atem reicht“. Huth sieht da etwa den Einzelhandel, Fitnessstudios, die Gastronomie oder Friseure in Gefahr. Um den Lockdown und seine negativen Folgen einzudämmen, hält Huth unter anderem für wichtig: „Wie schnell wird die Impfstrategie des Landes greifen?“

Weiterhin bleiben mit der Lockdown-Verlängerung zahlreiche Geschäfte und Einrichtungen geschlossen. Für viele Branchen ein hartes Brot, beispielsweise für die Friseure. „Was die Handwerkerschaft angeht, so sind die Friseure am schlimmsten von der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen betroffen“, erklärt Ines Christiansen von der Geschäftsstelle Schönebeck der Kreishandwerkerschaft Elbe-Börde.

Keine Einnahmen

„Das ist schon sehr problematisch für uns. Wir haben keine Einnahmen, aber die festen Kosten bleiben“, sagt Kerstin Podas, Chic Hairstyling & Cosmetic. Bei ihr und ihren Mitarbeitern macht sich Existenzangst breit.

Ähnliche Probleme hat auch Andreas Gutsche, der unter anderem Salons in Barby und Calbe betreibt. Zudem würden Arbeitgeber zu wenig Unterstützung in dieser Krisenzeit erhalten und auch die Informationsvermittlung, wie und wo Hilfe beantragt werden könne, sei unübersichtlich. Darüber hinaus hat Gutsche festgestellt, dass es zwar nach dem ersten Lockdown einen Boom in den Salons gab. Nachdem dieser abgeklungen ist, habe er aber insgesamt weniger Kunden in seinen Frisiersalons empfangen.

Kurse nachholen

Auch ganz andere Branchenhaben mit Pandemie und Lockdown zu kämpfen. Dmitry Peregudov, Leiter der Tanzschule Schönebeck, muss ebenfalls die Türen weiter geschlossen halten. Noch könne er sich über Wasser halten, aber je länger die Schließung anhält, desto schwieriger wird es für ihn, sagt Peregudov. Unter anderem hat er sich mit seinen Schülern darauf geeinigt, dass diese weiter bezahlen und die entsprechenden Kurse – sobald wieder möglich – nachgeholt werden.

Vor dem Lockdown konnte er seine Tanzschule „mit Einschränkungen“ betreiben. „Regelmäßiges Desinfizieren und Lüften gehörten dazu“, so Dmitry Peregudov. Außerdem musste Gesellschaftstanz – aufgrund der Nähe – ausfallen. Andere Kurse konnten hingegen stattfinden.