Sanierung

Lokführer aus der Eifel saniert leerstehendes Bahnhofsgebäude in Eickendorf

Von Robert Gruhne

Eickendorf

Ja, er habe den Bahnhof in Eickendorf inklusive Stellwerk erworben, antwortet Sven-Carsten Fischer der Volksstimme am Telefon. Schon im Februar 2020 wechselten Grundstück und Gebäude von der Deutschen Bahn ins Eigentum von Fischer. „Keine große Summe“ habe er dafür ausgegeben, sagt der neue Eigentümer aus dem Dorf Nohn in der Eifel. Das denkmalgeschützte Gebäude in Eickendorf ist nach etwa 20 Jahren des Leerstands stark von Vandalismus gezeichnet, zudem sind alle Leitungen getrennt. Nun will Fischer es wieder sanieren und in Nutzung bringen.

Aber wie kommt ein Mann aus der Eifel dazu, sich einen Bahnhof in Eickendorf zu kaufen? „Ich bin beruflich Lokführer und habe auch privat Interesse an Zügen“, erklärt Fischer. Als der Bahnhof von der Deutschen Bahn inseriert worden war, griff er zu. Fischer ist ein Zugfan durch und durch – er führt auch ein Unternehmen zum Erhalt einer historischen Lokomotive. „Ich habe auch noch weitere Bahnhöfe, aber der in Eickendorf gefällt mir optisch gut“, begründet Fischer seine Wahl weiter.

Der Eickendorfer Bahnhof wurde um 1900 an der Strecke Schönebeck-Güsten errichtet. Nach der Jahrtausendwende wurde der Bahnhof geschlossen und steht seitdem leer. Vielleicht nicht mehr lange – Sven-Carsten Fischer hat verschiedene Nutzungsideen. Im Obergeschoss des Bahnhofsgebäudes will er zwei Wohnungen einrichten. In der unteren Etage möchte er Büroräume schaffen und die Eingangshalle als Ausstellungsraum herrichten, mit Zeitdokumenten zur Bahnstrecke, zum Bahnhof und zur Eisenbahn allgemein.

Das schmale Grundstück, das Fischer erworben hat, umfasst allerdings nicht nur das Bahnhofsgebäude, sondern ist etwa einen halben Kilometer lang und reicht bis zum Bahnübergang an der Glöther Straße. Eines der Stellwerke will Fischer als Ferienwohnung nutzen, das zweite würde er gern noch dazu kaufen: „Mein Ziel ist es, den gesamten Bahnhof zu erhalten.“

Auf seinem Gelände vermietet Fischer außerdem Stellplätze. Diese kleine Einnahmequelle habe er von der Deutschen Bahn übernommen, gibt er an. Das Geld fließe zu 100 Prozent in den Bahnhof zurück.

Auf dem Gelände ist noch viel zu tun, weshalb Fischer und seine Eltern regelmäßig am Bahnhof arbeiten. „Momentan sind wir noch damit beschäftigt, die Vandalismusschäden zu beseitigen“, erläutert er. Der Bahnhof werde immer noch zum Ziel von Steinewerfern. Außerdem stimmt Fischer gerade seine Baupläne mit dem Denkmalamt ab. Eine Förderung der Sanierung sei in Aussicht, sagt er. Mit der Gemeindeverwaltung steht Fischer ebenfalls in Kontakt.

Wenn alles nach Plan läuft, will er die zwei Wohnungen im Bahnhof noch in diesem Jahr fertigstellen. Schon bald soll dann der gesamte Bahnhof die Reisenden in Eickendorf wieder in voller Schönheit begrüßen: „Für die Ankommenden ist so ein Bahnhof wichtig, denn er vermittelt den ersten Eindruck vom Dorf“, schließt Fischer.