Schönebeck l Der Marktplatz in Schönebeck wird auf facettenreiche Art und Weise genutzt: als Treffpunkt, als Disco, als Skatepark und als Waschstraße. Auf das eine oder andere Pärchen wirkt der Markt gar wie ein Aphrodisiakum, so dass sie nicht an sich halten können und ihr Liebesspiel gleich vor Ort vollziehen. Ja, auf dem Marktplatz kommt es mitunter deutlich vernehmbar zum Geschlechtsverkehr – für die Anwohner hör- und sichtbar.

Diese Zustände sorgen bei den Menschen vor Ort nicht für Begeisterung. „Wir leben hier. Wir können nicht einfach weg“, sagt Elke Kromnik, die am Markt ein Geschäft betreibt und auch in dem Gebäude wohnt. Was die Schönebeckerin über die Zustände am Markt zu berichten weiß, möchte man manchmal kaum glauben. Dann zückt sie ihr Smartphone und zeigt die Videos, die sie gemacht hat. „Ich denke mir das ja nicht einfach aus.“

Der Videobeweis

Das erste Video: Mountainbike- und BMX-Fahrer zweckentfremden die Bänke und zeigen ihren Freunden Stunts und Tricks. Diese johlen und jubeln den Fahrern zu. Auf einem anderen Video sind Jugendliche und junge Erwachsene zu sehen. Sie parken ihre Autos mitten auf dem Markt, die elektronische Musik hallt durch die Nacht und über den Platz.

Elke Kromnik findet die Situation absurd. „Einerseits soll der Markt eine seniorengerechte Wohngegend sein, und andererseits ist er abends Treffpunkt für die Jugend – und die sitzen teilweise bis zwei Uhr morgens hier. Das beißt sich“, so die Schönebeckerin. Kromnik bringt aber auch Verständnis für die Jugendlichen zum Ausdruck. „Wo sollen sie sonst hin? Und hier haben sie die Bänke, W-LAN und einen Dönerimbiss in der Nähe“, sagt die Anwohnerin.

Dass junge Menschen auf dem Markt Sex haben und sich danach in den Wasserspielen waschen, kann Kromnik auch bestätigen. Und dies sei nicht nur einmal vorgekommen. Dass Motorad- und Fahrradfahrer ihre Vehikel im Springbrunnen oder an den Wasserspielen putzen, wirkt im Vergleich dazu harmlos. Verboten ist es trotzdem, teilt Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz mit.

Der Ausschuss

Diese Zustände sind auch bei der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses ein Thema gewesen. Stadtrat Olaf Ziem (AfD) sprach von einer Situation, die so „nicht tragbar sei“ und von Jugendlichen, die „keinerlei Respekt zeigen würden“. Bei der anschließenden Diskussion wurden auch verschiedene Maßnahmen erörtert, die die Situation entschärfen könnten.

Unter anderem wurde vorgeschlagen, das W-LAN abends abzuschalten. „Das wird bereits gemacht“, teilte die Stadtverwaltung daraufhin mit. Zu dem Vorschlag, ein Alkoholverbot auf dem Markt einzuführen, äußerte sich die sachkundige Einwohnerin und Regionalbereichsbeamte Brigitte Horn: „Das wurde auf dem Hasselbachplatz in Magdeburg auch nicht durchgesetzt. Außerdem müsste ein solches Verbot kontrolliert werden, aber mit welchem Personal?“

Die Idee, dass ein Streetworker die Situation auf dem Markt verbessern könnte, stieß zwar auf allerlei Zustimmung, doch wie das finanziert werden sollte, blieb eine offene Frage.

Das Fazit

Für Elke Kromnik bricht mit Herbst und Winter eine ruhigere Zeit an. Mit den sinkenden Temperaturen sinkt auch die Attraktivität des Marktplatzes als Versammlungsort. Dennoch hat sie genug von der Lärmbelästigung am Marktplatz. „Ich ziehe im nächsten Jahr aus“, sagt Kromnik, die bereits seit 53 Jahren dort lebt.