Calbe l Als sich Lutz Rudolf im vergangenen Herbst dafür entschied, eine neue Biegemaschine zu bestellen, konnte er nicht ahnen, dass ein halbes Jahr später eine Pandemie die Welt im Griff haben würde. Mitten in der Corona-Pandemie wurde das neue Arbeitsgerät in der vergangenen Woche angeliefert. Die Gesenkbiegemaschine hatte er bestellt, um noch besser aufgestellt zu sein, schildert der Unternehmer. In der Region ist der metallverarbeitende Betrieb ein Zulieferer für andere Unternehmen.

Die sechs Mitarbeiter stellen für eine Reiher großer Firmen Teile her, sagt der Firmenchef. Die neue Maschine soll dabei helfen, Aufträge schneller abzuarbeiten. Doch bis die rund 21 Tonnen schwere Maschine an ihrem neuen Arbeitsplatz stand, vergingen einige Stunden. Die Tuchmacherstraße hat vor dem Tor des Unternehmens eine übersichtliche Breite. Der bestellte Kran musste ganz behutsam vorgehen, um die Maschine von dem Sattelschlepper auf den Firmenhof zu hieven.

Rund 190.000 Euro hat Lutz Rudolf in die Erneuerung des Maschinenparks investiert. Bis zu 250 Tonnen Kraft kann die Maschine aufbringen, um Stahl auf einer Länge bis zu vier Meter zu biegen. Das neue Gerät löst eine ältere Maschine ab, schildert er. Die Augen der Mitarbeiter verfolgten, wie die neue Biegemaschine langsam auf dem Firmenhof einschwebte.

Standortproblem

Der mehr als 100 Jahre alte Betrieb befindet sich mitten in der Innenstadt. Aus heutiger Sicht, sagt Lutz Rudolf, wäre es vielleicht vor Jahrzehnten besser gewesen in ein Gewerbegebiet zu ziehen und dort eine Halle für den Maschinenpark zu errichten. Heute würde kein Unternehmer mehr einen metallverarbeitenden Betrieb in der Innenstadt ansiedeln. Jede Veränderung des Maschinenparks muss hier genau durchdacht sein, bestätigt er. In einem ehemaligen Stallgebäude steht die Wasserschneidemaschine. Ein Wasserstrahl durchtrennt hier Stahl. Viel größer hätte die Anlage nicht sein dürfen, zeigt ein Blick in die Halle. Gerade so passt die Maschine in das Gebäude. Viel Platz gibt es nicht, zeigt sich bereits, als die neue Biegemaschine auf dem Hof steht. Gleich daneben steht das ausrangierte Modell. Die alte Anlage soll der Sattelschlepper gleich wieder mitnehmen, um Platz auf dem Hof zu haben. Der Hersteller des neuen Geräts habe sie in Zahlung genommen, freut sich der Unternehmer. Vor Jahren hatte er sie erworben, erinnert er sich noch gut.

Als er die Entscheidung für die Investition traf, habe noch niemand an eine Pandemie gedacht, sagt er. Die aktuell gültigen Ausgangsbeschränkungen machen es zurzeit einfacher, das tonnenschwere Teil anzuliefern. Weniger Fahrzeuge sind auf den Straßen unterwegs. Die Straßensperrung für den Einsatz des Krans war weniger belastend.

Obwohl die neue Maschine nun die Firma schlagkräftiger macht, hinterlässt die Corona-Pandemie ihre Spuren in dem Unternehmen. In dieser Woche wolle er Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, kündigt der Chef an. Die Nachfrage nach den Teilen, die das Unternehmen fertigt, sei durch die Krise eingebrochen. Eine Produktion auf Halde sei wenig sinnvoll, weil auch die Lagermöglichkeiten begrenzt sind.

Trotz der Kurzarbeit rechnet Lutz Rudolf damit, dass die Produktion in einigen Wochen wieder hochgefahren werden kann. „Ich bin froh, so gute Mitarbeiter zu haben“, sagt er. Alle Arbeiter seien vielseitig einsetzbar und könnten jede Maschine bedienen. Das sei ein echter Vorteil und sorge für eine große Flexibilität. Dass die Corona-Pandemie nun einige Spuren hinterlasse, sei kaum abwendbar. Dennoch hofft er, dass die Wirtschaft in der Region nur kurzfristig von der Pandemie betroffen sei und danach die Unternehmen die Produktion wieder hochfahren werden. Denn auch nach der Krise werden gut ausgebildete Fachleute gebraucht, ist er überzeugt.

Die letzte Investition

Dann habe sich die Investition in den Maschinenpark gelohnt. Für den Calbenser Unternehmer ist es nach eigenen Angaben die letzte Investition seiner beruflichen Tätigkeit, kündigte er an. Einen Ersatz für die Maschine werde er nicht mehr bestellen, sagte er.