Energiegewinnung

Mehr Biogas aus und für Zens?

Die Biogasanlage in Zens soll erweitert werden. Jetzt gab es eine gemeinsame Beratung.

Von Bianca Oldekamp

Zens l Bereits seit 2014 gibt es im kleinsten Ortsteil der Gemeinde Bördeland eine Biogasanlage, die vorrangig Strom erzeugt. Und genau die will die Landboden Mühlingen GmbH als Betreiber der Anlage vergrößern. Ein Vorhaben, das nicht erst seit gestern bekannt ist, hatte der Rat der Gemeinde Bördeland doch bereits im Februar 2019 über einen Antrag auf Aufstellung eines dafür notwendigen vorhabenbezogenen Bebauungsplanes zur Erweiterung der bereits bestehenden Anlage besprochen, dem Grundsatzbeschluss diesbezüglich (inklusive integriertem Vorhaben- und Erschließungsplan) letztlich am 21. März 2019 zugestimmt. Auch der Anpassung des Flächennutzungsplanes hat das Gremium zugestimmt. Denn für die Erweiterung der Anlage müssten landwirtschaftliche Flächen bebaut werden.

Fast zwei Jahre später – der Betreiber hatte ursprünglich geplant, dass die Bauarbeiten zur Erweiterung der Anlage 2020 starten – liegt dieser vorhabenbezogene Bebauungsplan vor. Und sorgt für Diskussionen. In der vergangenen Sitzung der Mitglieder des Gemeinderates Bördeland im Dezember 2020 hatten diese sich bereits mit dem veränderten Bebauungsplan beschäftigt. Jetzt gab es ein weiteres Treffen zum Thema. Teilnehmer: Bauherr Boudewijn Tonkens von der Landboden Mühlingen GmbH, Vertreter des bearbeitenden Planungsbüros Lücking und Härtel aus Sachsen, der Ortschaftsrat Zens um Ortsbürgermeister Frank Ahrend und die Mitglieder des Ausschusses Bauen, Wohnen und dörfliche Entwicklung.

Um die coronabedingten Hygienebestimmungen einhalten zu können, hatte man sich am Dienstagabend, 19. Januar 2021, im Sport- und Freizeitzentrum Eggersdorf getroffen.

Als Ortsbürgermeister von Zens war es Frank Ahrend, der zunächst das Wort ergriff. Er bezeichnete die geplante Biogasanlage als „komplexe Industrieanlage mit Risikopotenzial“, verwies darauf, dass es im kleinen Zens und Umgebung insgesamt drei solcher Anlagen gebe – und die Schweinemast. Der Ortsbürgermeister sorgt sich um mögliche Geruchsbildung, Ungeziefer, Lärm – und die Infrastruktur der kleinen Ortschaft.

Schließlich – und das weiß jeder, der schon mal nach Zens gefahren ist – gibt es nur eine vernünftige Zufahrtsstraße zur Ortschaft und die führt über die Bördestraße von Kleinmühlingen nach Zens. Deshalb sei auch Kleinmühlingen vom erhöhten Verkehrsaufkommen durch die Erweiterung der Anlage betroffen.

Zwar hat Planungsbüro-Mitarbeiter Felix Beck in einem Gutachten ermittelt, dass die Lärmbelästigung durch den Lkw-Verkehr zur Biogasanlage gesetzliche Lärmpegel nicht überschreitet, sondern „ausreichend unterschreitet“, doch sei der Zustand der Straße nicht Gegenstand des Gutachtens. Was er aber sagen kann: Im Durchschnitt kämen durch die Erweiterung der Anlage sechs zusätzliche Lkw am Tag zur Biogasanlage am Rand der Ortschaft Zens. Aktuell seien es 20 Fahrten täglich von und zur Biogasanlage und dem übrigen landwirtschaftlichen Betrieb von Boudewijn Tonkens.

Zwar stehen Bedenken zur Erweiterung der Biogasanlage in Zens im Raum, doch wurde auch betont, dass die Anlage die Zenser Haushalte mit Wärme versorge. Erdgas gibt es in der kleinen Ortschaft nämlich nicht. „Die Wärmeversorgung ist hoch anzurechnen“, heißt es seitens des Bauausschusses. Eine Aussage, denen die Mitglieder des Zenser Ortschaftsrates zustimmen.

Landwirt und Biogasanlagen-Betreiber Boudewijn Tonkens ist selbst Mitglied im Ortschaftsrat Zens und kennt die Bedenken rund um die Erweiterung seiner Biogasanlage. Auch deshalb hat er sofort zugestimmt, als die Idee im Raum stand, sich die bestehende Anlage doch mal bei einem Vor-Ort-Termin anzuschauen, bevor weitere Entscheidungen getroffen würden. „Damit sind wir schon einen großen Schritt weiter gekommen“, findet Zens Ortsbürgermeister Frank Ahrend mit Blick auf die Aussicht auf den gemeinsamen Vor-Ort-Termin.

In der Zenser Biogasanlage von Tonkens werden Mais aus eigenem Anbau und importierter Hühnertrockenkot zu Biogas verarbeitet. Letzterer gelte als Wirtschaftsdünger, an dessen Lagerung aber spezielle Anforderungen gestellt werden. So muss der Hühnertrockenkot, bevor er der Biogasproduktion zugeführt wird (die Anlage läuft zur Zeit nur dann, wenn Strom gebraucht wird), geschützt vor Wind und Feuchtigkeit gelagert werden, wie Tonkens erklärt. Und das sei bei ihm natürlich der Fall.

Durch die Erweiterung der Anlage in Zens soll eine Biogasmenge von 2,3 Millionen Normkubikmetern pro Jahr erzielt werden. Und: Dadurch soll sich auch die Nahwärmeversorgung des Ortes verbessern.