Schönebeck l Im Naherholungsgebiet Plötzky/Pretzien hat die Naherholungsgesellschaft der Stadt ein Waldgebiet, das der Stadt gehört, an einen Privaten verpachtet. Er will darauf Bogensport anbieten. Zur gepachteten und aus Sicherheitsgründen nun umzäunten Fläche gehören auch Teilbereiche des Edersees und des Giselasees.

Man habe nichts gegen Bogensport. Und auch nicht gegen eine Nutzung des Waldgebietes. Ganz im Gegenteil. Eine Entwicklung des Naherholungsgebietes Plötzky/Pretzien sei ausdrücklich zu begrüßen. Das will Thoralf Winkler betont wissen. Dennoch könne und wolle seine Fraktion FDP/Grüne/Below/Kowolik dies nicht so einfach hinnehmen: Zum einen werde mit dem Zaun das in Bundes- und Landeswaldgesetz festgeschriebene Betretungsrecht des Waldes verhindert. Zum anderen seien Uferbereiche der Seen teilweise nicht mehr für jedermann zugänglich. Die Fraktion um den Vorsitzenden Thoralf Winkler fragt: Muss und darf die Absperrung sein? Vor allem so nah am Uferbereich?

In ihrem Antrag, der im Dezember nach einer Diskussion in Hauptausschuss und Stadtrat zurück in die städtischen Gremien verwiesen worden ist, fordert die Fraktion von der Verwaltung, eine Sperrung – wenn sie denn sein muss – auf das unbedingt nötige Mindestmaß zu begrenzen. Insbesondere seien der Uferbereich um Edersee und Giselasee vollständig und weiträumig von der Sperrung auszunehmen.

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Verweis auf Insek

„Sofern der Wald überhaupt gesperrt werden darf und damit dem Betretungsrecht entzogen wird, wäre zur Nutzung eine Waldumwandlung notwendig – und im Gegenzug die Schaffung einer ebenso großen Ausgleichsfläche an betretbarem Wald durch die Stadt“, heißt es im Antrag weiter. Das Seeufer sei für den Bogensport überhaupt nicht notwendig und deshalb von der Sperung auszunehmen. „Um die Seen herum sollte ein Uferstreifen von mindestens zehn Meter frei zugänglich bleiben. So wie wir es als Stadträte im Integrierten Entwicklungskonzept, also Insek, einstimmig beschlossen haben. Das würde den Zuschnitt des Geländes auch nicht beeinträchtigen“, so Thoralf Winkler.

Zudem weist die Fraktion darauf hin, dass es wichtig sei, ordnungsrechtliche Belange wie Sicherheitsabstände zu prüfen. So sollte die Ausbildung mit Pfeil und Bogen nicht im Wald sein, denn ungeübten Schützen können schneller Fehler passieren und der Pfeil irgendwo landen – eventuell auch im nicht umzäunten Bereich.

Als Chance sehen

Stephan Schmidt von der Naherholungsgesellschaft, der im Hauptausschuss zugegen war, verstand die Aufregung nicht. „Wir haben es mehr als Chance gesehen“, sagte er zur neuen Nutzung. Der große Strandbereich am Edersee sei noch zugänglich, der See durchschwimmbar. „Ja, man kann nicht ringsherum laufen. Aber wir haben in dem Bereich neun Seen“, so Schmidt. Und Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) zieht auch das Insek heran, dass die touristische Nutzung gefördert werden solle. Der Pachtvertrag sei befristet, man werde sehen, wie es angenommen wird.

Der Antrag steht am 23. Januar 2020 auch auf der Tagesordnung des Ortschaftsrates Pretzien, die Sitzung beginnt um 18.30 Uhr im dortigen Dorfgemeinschaftshaus.