Die Forstwirtschaft macht es vor

Bei der Arbeit im Wald besteht ein besonders hohes Unfall- und Verletzungsrisiko. Eine schnelle Hilfeleistung wird durch nur bedingt befahrbare Waldwege und eine für Außenstehende unverständliche Adressangabe erschwert.

Um in Notfallsituationen eine zügige Erstversorgung der im Wald beschäftigen Menschen zu ermöglichen, wurde in Sachsen-Anhalt waldbesitzübergreifend die Rettungskette Forst mit dem System der Rettungspunkte ins Leben gerufen. Diese umfasst die Maßnahmen und Schritte vom Beginn der ersten Hilfe bis zur Versorgung durch die Rettungsdienste.

Die forstlichen Rettungspunkte dienen im Notfall als Treffpunkt für Rettungsdienst und Hilfesuchenden. Seit 2013 sind sie virtuell, das heißt in Form von Koordinatenangaben, eingerichtet und liegen den Leitstellen der Landkreise vor. Seit 2015 sind sie auch durch eine Beschilderung zu erkennen. Als Symbol dient ein weißes Kreuz auf grünem Grund mit individuelle Kennung: Abkürzung für den Landkreis + Buchstaben „F“ für Forst + fortlaufende Nummer. In Sachsen-Anhalt gibt es etwa 980 Notfallrettungspunkte Forst.

Die Rettungskette Forst wurde in erster Linie für im Wald arbeitende Personen der Forstverwaltung initiiert. Im Notfall können auch Waldbesucher davon Gebrauch machen.

Quelle: Landeszentrum Wald Sachsen-Anhalt

Plötzky/Pretzien l Hochbetrieb im Naherholungsgebiet Plötzky-Pretzien: Ob in einem der vielen Seen baden, in der Sonne vor dem Bungalow relaxen oder mit dem Rad den Wald touren. Alles gut und schön, solange nichts passiert. Doch was ist, wenn der Kreislauf plötzlich verrückt spielt, man stürzt, sich etwas bricht – kurzum ganz schnell Hilfe braucht? Solange die Örtlichkeit gut über öffentliche Straßen erreichbar ist, kein Problem. Die Probleme fangen an, wenn die Rettungskräfte zu Orten müssen, die an privaten, schlecht erreichbaren Wegen liegen. Wenn vielleicht der Hilfesuchende selbst nicht ausreichend gut erklären kann, wo er zu finden ist.

Um eine zügige Hilfe zu ermöglichen, hat die Stadtverwaltung nun so genannte Rettungspunkte eingerichtet. 18 an der Zahl für das Naherholungsgebiet Plötzky-Pretzien. Zu erkennen sind diese am grünen Schild mit einem weißen Kreuz. Darauf steht die Bezeichnung SBK-01 bis SBK-18 sowie der Hinweis Anlaufpunkt für Rettungsfahrzeuge. Wird die Bezeichnung beim Absetzen des Notrufes 112 der Leitstelle mitgeteilt, kann dieser Ort zielsicher angefahren werden. Denn die Lage und die Bezeichnungen der jeweiligen Punkte sind bei der Leitstelle des Salzlandkreises hinterlegt.

Nicht nur die heißen Sommer, viel mehr die allgemeinen Wetterkapriolen haben die Stadtverwaltung über dieses Rettungspunkte-Netz nachdenken und umsetzen lassen. „Als die heftigen Stürme waren, gab es zum Glück nur Sachschaden. Aber wir haben uns gefragt: Wenn Menschen etwas passiert wäre, wie hätten wir sie teilweise finden können“, sagt Janine Zug, Leiterin des städtischen Ordnungsamtes. Die Feuerwehrleute aus Pretzien und Plötzky seien in ihrem Gebiet fit. Aber was sei mit dem Rettungsdienst, wenn die Helfer von außerhalb kommen und/oder der Einsatz nachts sei?

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Sektionen

Straßennamen sind im Naherholungsgebiet nicht flächendeckend zu finden. Im Gegenteil. Es sei historisch gewachsen, dass das Gebiet lediglich in Sektionen (Bereiche) aufgeteilt sei, allein zehn im Bereich Blauer See/Tiefer See. Würden die Straßen Namen bekommen, würden sie zu öffentlichen Straßen werden. Einige Wege würden auch dem Erholungs- und Freizeitverein Plötzky gehören.

Die fehlenden Straßennamen sowie eingezäunte, teils abgeschlossene Sektionen seien das eine. Immer breiter werdende Hecken und Wege, die beispielsweise aufgrund von neuen Zäunen immer schmaler werden, das andere. Da würden selbst Ortskundigen keine schnelle Hilfe leisten können, weil sie mit den Rettungsfahrzeugen nicht überall hinkommen, weiß Janine Zug.

Forst macht es vor

Doch was tun? „Straßennamen kriegen wir in dem Bereich nicht etabliert und schon gar nicht so schnell“, weiß die Ordnungsamtsleiterin. Da sei die Forst ins Spiel gekommen. Diese habe bereits Rettungspunkte eingerichtet, zum Beispiel an der Regenbreite, von Plötzky nach Gommern, Richtung Königssee. Diese sind da für Notfälle von im Wald Beschäftigten oder auch Waldbesuchern. Wo diese genau sind, ist in der Leitstelle hinterlegt.

Daran hat sich die Stadt ein Beispiel genommen. Nun verfügt das Naherholungsgebiet Plötzky-Pretzien über 18 Rettungspunkte. Diese befinden sich immer an Straßen und Wegen, die befahrbar sind. „Hilfesuchende und Helfer treffen sich dann dort im Rendezvous-System“, so Janine Zug. Die Koordinaten der einzelnen Punkte sind im System der Leitstelle eingepflegt.

Damit wolle die Stadt für das teils unübersichtliche Gebiet ein Stück weit mehr Sicherheit bieten. „Wir haben immer eine unbekannte Personenzahl, die sich dort aufhält“, weiß die Amtsleiterin um die Situation.