Calbe l Eine große Vision hat Chancen, in die Realität übertragen zu werden, wenn die Motivation und das Denken dahinter stimmen. Betritt Lutz Schmidt, der in der Saalestadt als Polsterer bekannt ist, sein Gelände in der Kuhgasse, kommt er nicht umhin, pathetisch zu werden: „Das ist Flair. Das passt zu unserem Vorhaben“, kommentiert der Calbenser mit Blick auf einen roten, vieretagigen Klinkerbau aus Ziegelsteinen. Das Vorhaben umfasst den Aufbau eines Fahrzeugmuseums - mit historischen Fahrzeugen und Technik, die der Verein beziehungsweise einzelne Mitglieder sammeln und der Öffentlichkeit präsentieren wollen.

Das übermächtige Klinker-Objekt mit den bereits teilweise zerschlagenen Fenstern und einem zum Teil einsturzgefährdeten Dach ist eigentlich das, was Schmidt und seine Mitstreiter gesucht haben. „Dazu die gelben Rundbögen über den Fenstern“, zeigt er auf die Besonderheit. Dort, wo der Behälterbau Dietrich, danach volkseigene Betriebe wie Montan und Förderanlagen sowie zuletzt Elektro-Blitz ihr unternehmerisches Domizil hatten, passe das Oldtimermuseum gut hinein, findet Schmidt.

Das Grundstück, das aus mehreren Flurstücken besteht, zähle zusammengefasst rund 5000 Quadratmeter. Von dreieinhalb Seiten ist die Grundfläche umgeben. Seit rund fünf Jahren keimt die Idee in den Köpfen von Schmidt und den anderen Mitgliedern. Derzeit befinde man sich in Gesprächen über Fördermittel. Auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene, erzählt Schmidt. Die Hoffnung besteht, doch Mittel seien noch nicht geflossen. Das Problem: Ein- oder zweitausend Euro ähneln bei diesem umfangreichen Vorhaben einem Tropfen auf den heißen Stein.

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Investitionen nötig

Wer sich umschaut, sieht, dass hier größere Summen investiert werden müssen. Vielleicht 600.000 bis 700.000 Euro, vielleicht auch mehrere Millionen. Ganz klar sei das noch nicht. Eine Hoffnung aber bleibt: Die Unterstützung durch externe Sponsoren. Mit deren Hilfe und Eigenengagement könnte sich etwas auf dem Gelände bewegen - mehr als die Oldtimer, die von den Schraubern fahrbereit aufgearbeitet werden.

Die Nebengebäude sollen baulich erweitert werden. So, dass beispielsweise sogar Linienbusse in den erdgeschossigen Objektteilen gezeigt werden könnten. Dafür stehen im Hof zwischen den Gehöften andere Oldtimer. So wie der Feuerwehrtrabant. Er ist der jüngste „Oldie“ und sollte ebenfalls im Museum seinen Stellplatz bekommen. Neben dem rot-weißen Kultfahrzeug steht ein Bagger aus dem Jahr 1969. Die Oldtimerfreunde haben auch ein Herz dafür.

Viel Arbeit für Oldtimer-Freunde

Es sind Leute wie Kevin Kliem aus Üllnitz, welche die historischen Schätzchen zu dem Glanz verhelfen, der ihnen einst vergönnt gewesen ist. Die „Baustelle“ des 30-Jährigen besteht derzeit in der Restaurierung eines P50-Trabants aus dem Jahr 1956. Für Kliem heißt es in den nächsten Wochen: Auseinanderbauen, erneuern, neuen Kabelbaum verlegen, zusammenbauen und lackieren.

Etwa 20 historische Fahrzeuge (das älteste ein Bus aus dem Jahr 1930) wollen die Oldtimerfreunde anfangs im Museum unterbringen. Die Obergeschosse böten dagegen Platz für Werkstätten. Ehemalige Büros könnten zu Vorkriegs- und DDR-Räumlichkeiten mit Original-Möbeln gestaltet und in einem Raum sogar eine Jugendwerkstatt eingerichtet werden. Heranwachsende könnten hier ihre mechanischen und handwerklichen Fertigkeiten erkunden. Ein entsprechender „Probant“ steht beinahe wie bestellt, schon da: Das „Skelett“ eines Wartburgs 1.3. Neidische Blicke oder gar Konkurrenzdenken wegen des Staßfurter Fahrzeugmuseums gebe es allerdings keine, beteuert Schmidt. Jeder müsse für sich selbst seine Alleinstellungsmerkmale klar festlegen: Die in Calbe lägen dann auf dem historischen Klinkerbau und dem weitläufigen Gelände.

Um die Vereinskasse aufzubessern, werden die Bastler zum Rolandfest am 10. Juni einen Teil ihrer Fahrzeuge präsentieren. Dazu gibt‘s einen Flohmarkt sowie selbstgemachten Kaffee und Kuchen. Kontakt kann postalisch über die Vereinsadresse in der Bernburger Straße 8 in Calbe oder telefonisch unter der (03 92 91) 25 35 aufgenommen werden.