Biere l Da staunte der Steppke nicht schlecht. Als Andreas Mittag die Haube seines Autos aufklappte, da blickte der kleine Junge buchstäblich ins Leere. Wo die meisten anderen Autos einen Motor, kleine Rohre, Kabel und jede Menge Behälter haben, glänzten dort weiße Wände und eine graue Unterlage. „Häää? Da ist ja gar kein Motor drin?“, stellte der Jüngste fest. Andreas Mittag konnte sein Schmunzeln nicht verbergen. „Ich freue mich immer, wenn ich die Kinder damit überraschen kann“, sagt der Bierer, der mit einem – Achtung, jetzt kommt die Erklärung – Škoda M-Baureihe zum 10. IFA- und Ostmobile-Treffen am Sonnabend auf den Bierer Festplatz kam.

Mit einem nach oben gestreckten Daumen beurteilten die Organisatoren des Oldtimer-Treffens gestern auf Nachfrage der Volksstimme die Veranstaltung. Am Ende wurden 342 Aussteller gezählt: Zweiräder Pkw, Campingwagen, Traktoren und Laster, darunter Kranwagen, Feuerwehren und ausgediente Funkstreifenwagen. Seit Jahren verwandelt sich der Bierer Festplatz zum Ostmobile-Treffen in ein Mekka der Oldtimerfans. „Super, wir sind echt zufrieden“, resümierte zum Abschluss Björn Reimann. Er und seine Mitstreiter – die Trabantfreunde.de und der Bierer Kulturverein 2004 sind die Initiatoren des Stelldicheins aus alten Fahrzeugen und einem Geruch aus den Auspuffen, der längst vergessene Zeiten wieder lebendig werden ließen.

Erstzulassung: Dezember 1983

Dafür sorgten aber auch die Mitwirkenden mit ihren Autogeschichten. Eben schon erwähnter Andreas Mittag mit seinem Škoda hatte mit anderen aus dem Dorf wohl die kürzeste Anreise. Auf seinem Meldezettel machte er die Angabe von 0,2 Kilometer. „Ja richtig. Ich wohne nur die Straße hoch. Heute morgen konnte ich im Leerlauf ohne den Motor anzulassen den Berg herunterrollen und am Festplatz stoppen“, freute sich der Bierer, der stolz ist, seinen alten Škoda, Erstzulassung 1. Dezember 1983 mit jetzt 20.000 Kilometern auf dem Tacho, interessierten Besuchern zu präsentieren. Und was ist so besonders? „Dieser Škoda hat schon ein 5-Gang-Getriebe, obwohl es erst ein Jahr später serienmäßig in dieser Reihe kam“, so Andreas Mittag. Er vermutet, dass sein Vorbesitzer, der das Auto rund 20 Jahre unbewegt eingemottet hatte, zwischenzeitlich das bessere Getriebe einbauen ließ.

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49 PS bringt der Motor im Heck. Und auf die Frage des kleinen Jungen, ob es noch andere Autos gibt, die vorn keinen Motor haben, antwortete Andreas Mittag: „Škoda, der VW Käfer und der Porsche – eben nur die Besten.“

Eine gute halbe Stunde war Frank Regener zum Festplatz unterwegs. Wohl gemerkt aus Schönebeck. Er tuckelte gemächlich mit 18 Stundenkilometer mit der Sonne im Rücken mit seiner „Ameise“ – einem Muticar M21, Baujahr 1963 – ins Nachbardorf. Die Bezeichnung „Ameise“ kommt nicht von ungefähr: So stetig und verlässlich wie das kleine Arbeitstierchen rollt das grüne Gefährt üblicherweise durch die Stadt Schönebeck. Frank Regener, Inhaber der gleichnamigen Gärtnerei, nutzt seine „Ameise“ gewerblich. Immer wieder ist er damit auf den Friedhöfen der Stadt zu sehen – so kann Arbeit auch Spaß machen.

Einladung ins Fahrzeugmuseum

Doch nicht nur Vierräder wurden am Sonnabend dem Hobbypublikum präsentiert, sondern auch Zweiräder: große, kleine, gewagte Formen und klassische Räder. Besonders die Jugend von heute scheint vor allem wieder die Simson ins Herz geschlossen zu haben. Dem will das Fahrzeugmuseum Staßfurt Rechnung tragen. Wie Ingo Schramm, Inhaber des Museums, informierte, findet dort nämlich seit einer Woche und noch bis Ende Oktober eine Sonderausstellung statt: „Simson – Von der Wende bis zum Ende, 1989 bis 2002“. „Ein Besuch lohnt sich wirklich“, ist Ingo Schramm überzeugt.

Vor allem war das Treffen ebenso ein Treffen der Fachleute. Viele Besucher und Bastler kannten sich. „Horst, ich brauche mal dein geschultes Ohr. Ich habe Motorgeräusche“, bat ein älterer Mann einen anderen. Das „ich habe“ bezog sich nicht auf den eigenen Bauch, sondern auf den Oldtimer.