Pretzien l Die Fraktionen im Schönebecker Stadtrat haben sich entsetzt über den Zustand der Pretziener Turnhalle gezeigt. „Das ist einfach dramatisch, weil dort der Schulsport der Plötzkyer Grundschule stattfindet“, sagte Frank Schiwek, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat. „Wir fragen uns vor allem, wie es soweit kommen konnte und warum wir nicht darüber informiert worden sind.“ Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) hatte bei seiner Bürgersprechstunde in Plötzky auf Nachfrage von Bürgern eingeräumt, dass die Sporthalle in Pretzien aufgrund von Nässeschäden „erhebliche Mängel“ aufweist. Die Stadtverwaltung geht mittlerweile von Sanierungskosten in Höhe von 800 000 Euro aus. Ein Neubau würde nach Angaben des Oberbürgermeisters etwa 1,8 Millionen Euro kosten.

Die Sozialdemokraten haben daher bereits in der vergangenen Woche eine Anfrage an die Stadtverwaltung gestellt. Darin heißt es unter anderem: „Wann gedenkt die Stadtverwaltung, den Stadtrat und den Ortschaftsrat Pretzien über die Zustände zu informieren?“ Die Anfrage wiederholte die SPD auch bei der Sitzung des Ausschusses am Montagabend.

Neubau in Plötzky?

Die Fraktion regt an, statt einer Sanierung der Turnhalle in Pretzien einen Neubau direkt am Schulstandort in Plötzky zu planen. Die SPD geht davon aus, dass die Kosten mit bis zu 90 Prozent vom Land gefördert werden können.

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Neben der SPD formulierte auch die Fraktion von Grüne, FDP, Kowolik, Tierschutz eine Anfrage zur Turnhalle an die Stadtverwaltung. Stadtrat Mark Kowolik (parteilos) fühlt sich vor allem schlecht informiert. „Ich habe bisher immer nur am Rand mitbekommen, dass es mit der Turnhalle Probleme geben soll. Ich wusste aber nicht, dass es so schlimm ist“, sagte der Kommunalpolitiker, der sich mehr Informationen von der Stadtverwaltung, aber auch von den Politikern aus Ostelbien gewünscht hätte.

„Es ist derzeit in Schönebeck einfach ein großes Elend“, schimpfte Kowolik. „Die Volksschwimmhalle, gestern der Soleturm, heute die Turnhalle – alles geht den Bach runter.“ Der Stadtrat findet, dass die Verwaltung mehr Fördergelder eintreiben müsste. „Wofür hat die Stadt denn einen eigenen Mitarbeiter für Fördermittel?“

Eine Lösung für die marode Turnhalle hat er allerdings nicht parat. „Wir können nicht noch einmal 800 000 Euro in die alte Halle investieren. Und Geld für einen Neubau haben wir auch nicht“, sagte Kowolik. Die Verlegung des Plötzkyer Schulsportes nach Schönebeck hält er auch für unrealistisch. „Dann sind die Kinder für 45 Minuten Sport hin und zurück 90 Minuten mit dem Bus unterwegs“, sagte er. Man könne höchstens anfragen, ob die Turnhalle im Ferienpark Plötzky oder in der Waldschule Elbenau von den Schülern mitgenutzt werden können.

Verwunderung auch bei den Schönebecker Grünen. „Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, wie es in der Turnhalle aussieht. Das ist einfach katastrophal“, sagte Thoralf Winkler von den Grünen. „Es kann auch nicht sein, dass wir in Schönebeck alle Einrichtungen für die Bildung und die Jugend auf Verschleiß fahren.“

Der Stadtrat lebt selbst in Elbenau und kann sich daher vorstellen, dass die Grundschüler aus Plötzky auch die Turnhalle der Waldschule in Elbenau zumindest zeitweise mitnutzen könnten. Das müsse aber der private Träger der Grundschule entscheiden. Grundsätzlich würde die Turnhalle aber auch an einen Sportverein vermietet.

Wenig überrascht über die jetzige Misere ist hingegen Pretziens ehemaliger Ortsbürgermeister und Stadtrat Friedrich Harwig (parteilos/Fraktion Linke). „An der Turnhalle wurde immer wieder Mal etwas gemacht. Aber nie genug“, sagte das Pretziener Urgestein. So wurden in der Vergangenheit neue getrennte Umkleidekabinen für Mädchen und Jungen eingerichtet. Ein neuer Anbau vor der Halle war mit der Eingemeindung nach Schönebeck verworfen worden. Auch gab es bereits die Idee, einen Neubau in Plötzky zu errichten. Doch dafür hatte das Geld nie gereicht. „Es kann auch nicht sein, dass die Kommunen nur noch mit Fördergeldern bauen können. Die Kommunen brauchen selbst ausreichend Geld, um ihre Aufgaben zu erfüllen“, sagte Friedrich Harwig. „Luft zum Atmen“ nennt er das.

„Am schlimmsten ist doch, dass die Schüler vielleicht mit dem Bus nach Schönebeck zum Sportunterricht fahren müssen. Dort gibt es doch auch nicht genügend Turnhallen“, sagte Friedrich Harwig.

Kritik kam auch von der AfD-Fraktion. „Das geht gar nicht, dass die Schüler nach Schönebeck fahren sollen“, sagte der Vorsitzende Olaf Ziem. Er sprach sich für einen Neubau aus, am besten am jetzigen Standort in Pretzien. „Aber das Geld wird immer für die falschen Dinge ausgegeben.“

Die CDU-Fraktion wollte sich vorerst nicht zur Turnhalle äußern. „Wir haben bisher nur die Informationen aus der Volksstimme und wollen uns zunächst in der Fraktion dazu beraten“, sagte der Fraktionsvorsitzende Torsten Pillat.