Barby l Rainer Bittersmann lebt in einer Wohnanlage in der Lindenallee, die die Wohnungsbaugesellschaft Barby betreibt. Diese wiederum hat einen Vertrag mit der Vodafone Kabel Deutschland GmbH abgeschlossen, um die Grundversorgung mit Fernsehempfang zu sichern.

„Ich habe keine Möglichkeit, meinen Fernsehanbieter selbst auszuwählen“, sagt Bittersmann im Gespräch mit der Volksstimme. Er müsse laut eigener Angabe hohe Beträge aufwenden, damit Vodafone ihn mit TV-Programmen versorgt. Der Empfang sei alles andere als reibungslos. „Einige Programme funktionieren nicht.“ Er habe bereits bei seiner Vermieterin vorgesprochen.

„Dort sagte man mir, dass die Grundversorgung mit Fernsehen ausreichen würde.“ Von der städtischen Wohnungsbaugenossenschaft habe er ein Schreiben erhalten, das ihn an den Betreiber Vodafone Kabel Deutschland verweist. Er solle sich künftig bitte ausschließlich direkt mit dem Unternehmen in Verbindung setzen. Für Bittersmann nicht genug: Er hat sein Anliegen bereits im Rat der Stadt Barby geäußert. Nun wandte er sich aufgrund eines Artikels an die Volksstimme.

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Freie Anbieterwahl

Darin heißt es, dass die Bundesregierung plant, für Mieter die freie Wahl des Fernsehanbieters zu ermöglichen. Bisher wird dies zentral von Vermietern – insbesondere Wohnungsbaugenossenschaften – geregelt.

Bei der Barbyer Wohnungsbaugesellschaft ist man bereits seit längerem in Kontakt mit Rainer Bittersmann. „Herr Bittersmann und seine Probleme beim Fernsehempfang sind uns hinlänglich bekannt. Hierbei handelt es sich jedoch um Sonderproblematiken. Die Grundversorgung Kabel, die im Mietvertrag vereinbart wurde, ist jederzeit vollumfänglich gegeben“, teilte Geschäftsführerin Daniela Kock auf Nachfrage mit.

Störungen im PayTV

Eine Erklärung für die Probleme von Bittersmann hat Kock ebenfalls parat: „Die Problematik von Herrn Bittersmann besteht in einem erweiterten Empfang bestimmter zusätzlicher Anbieter (PayTV). Hier gab es bereits diverse Abstimmungstermine. Gefühlt alle drei Monate erhalten wir Beschwerden von ihm über Störungen.“

Zwar habe der Empfang des vertraglich zugesicherten Kabelfernsehens laut Daniela Kock zu jedem Zeitpunkt funktioniert und Beschwerden anderer Mieter seien ihr bisher nicht bekannt, dennoch ging die Gesellschaft mit Vertragspartner Vodafone der Angelegenheit nach. Kock: „Es fanden diverse Technikertermine direkt mit Rainer Bittersmann vor Ort sowie auch mehrfach Gesprächstermine mit dem Vertrieb und mir direkt zur speziellen Thematik von Herrn Bittersmann statt. Hierbei wurde mir zugesichert, dass Vodafone eine Klärung herbeiführt.“

Störungen seien selten

An dieser Klärung ist der bundesweit tätige Netzanbieter ebenfalls interessiert. Allerdings gebe es, wie Vodafones Konzernsprecher Volker Petendorf auf Anfrage mitteilte, im Bereich der Lindenallee in Barby „extrem selten“ Störungen. Der Grund: häufige Wartungen. „Zuletzt haben Service-Techniker von Vodafone am 9. September 2020 die Verkabelung an einem Übergabepunkt erneuert. Erst im vergangenen Jahr haben wir ein zentrales Netzteil der Kopfstelle ausgebaut und durch ein neues Modell ersetzt“, so Petendorf. Auch von Rainer Bittersmann habe es in diesem Jahr, laut Aussage des Konzerns, noch keine Störungsmeldung gegeben. Die letzte Meldung erfolgte am 22. September 2019 und wurde „umgehend repariert“.

Rainer Bittersmann habe, wie es Petendorf mitteilte, ein im Kern „persönliches Problem“, wenn es darum gehe, Sender des Pay-TV-Anbieters Sky zu empfangen. „Der Mieter kann zwar grundsätzlich viele TV-Programme (öffentlich-rechtliche Sender, Free TV usw.) in bester Qualität empfangen - und darüber hinaus auch Sky-Programme. Aber es werden ihm einzelne Sky-Sender aus dem Pay-TV-Paket dieses Anbieters nicht angeboten – und auch nicht die extrem wenigen Inhalte, die Sky zusätzlich zur Ausstrahlung in SD und HD zeitgleich auch in UHD (=4K) zeigt.“

Angebot deckt Vorgabe

Besserung ist für den Mieter im Moment auch nicht in Sicht. Petendorf: „Fakt ist, dass in dieser Siedlung eine Erweiterung der eingespeisten Programme aus technischen Gründen aktuell nicht möglich ist.“ Sie sei aber auch nicht zwingend notwendig, „denn die Anzahl der von uns zur Verfügung gestellten TV-Sender liegt in dem Rahmen, den die Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt vorgibt“.